Mittwoch, 23. Oktober 2019

Bayer/Schering Fusion bedroht 6000 Stellen

Dem geplanten Merger von Bayer und Schering werden weltweit bis zu 6000 Stellen zum Opfer fallen, sagt Bayer-Chef Werner Wenning. Wie hoch der Stellenabbau in Deutschland sein werde und ob es zu betriebsbedingten Kündigungen komme, wollte Wenning nicht verraten.

Frankfurt - Der Leverkusener Bayer-Konzern Börsen-Chart zeigen sieht bei einer Übernahme von Schering einen möglichen Stellenabbau von rund 6000 Beschäftigten.

"Synergiepotenzial von 6000 Menschen": Ohne Stellenabbau wird die Fusion zwischen Bayer und Schering nicht über die Bühne gehen, sagt Bayer-Chef Wenning

"Wir sehen ein Synergiepotenzial von weltweit 6000 Menschen", sagte Bayer-Chef Werner Wenning am Freitag auf einer im Internet übertragenen Analystenkonferenz und der darauf folgenden Pressekonferenz. Wie hoch der Stellenabbau in Deutschland sein werde und ob er betriebsbedingte Kündigungen ausschließe, wollte Wenning nicht beantworten.

Für Bayer Health Care und Schering arbeiten zusammen weltweit mehr als 60.000 Beschäftigte. Bei einer Fusion würden somit 10 Prozent der Stellen im gemeinsamen Pharmageschäft gestrichen.

Der Chemie- und Pharmakonzern will den Berliner Rivalen in der größten Übernahme seiner Firmengeschichte für insgesamt 16,3 Milliarden Euro übernehmen. Synergien sieht Wenning vor allem im Bereich der IT-Strukturen und des gemeinsamen Einkaufs. Wenning bezifferte das Synergiepotenzial auf 700 Millionen Euro ab dem dritten Jahr der Fusion.

Keine Angabe machte der Bayer-Chef zur künftigen Besetzung des Vorstandes und vor allem über die weitere Rolle des Schering-Chefs Hubertus Erlen. Wenning betonte allerdings, dass der Bayer-Aufsichtsrat am gestrigen Donnerstag den Akquisitionsplänen zugestimmt habe. Im Bayer-Aufsichtsrat sitzen unter anderem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner.

Zudem sagte Wenning, neben dem bereits angekündigten Verkauf von zwei Chemietöchtern seien keine weiteren Verkäufe mehr nötig, um die Schering-Übernahme zu finanzieren. Eine solide Finanzierung durch Eigen- und Fremdkapital sowie den Verkauf von zwei Tochtergesellschaften aus dem Bereich Bayer Material Science sei sichergestellt.

Wenning lehnte einen Kommentar dazu ab, ob Bayer weiter an einer Übernahme des OTC-Geschäfts (Over-the-counter-Geschäft) des US-amerikanischen Pharmakonzerns Pfizer Börsen-Chart zeigen interessiert sei. An seiner Aufstellung mit drei großen Teilbereichen wolle Bayer festhalten, sagte Wenning weiter.

Nach Ansicht des Bayer-Chefs passt die Übernahme von Schering "ausgezeichnet in unsere strategische Zielrichtung", das Geschäft mit Pharma-Spezialprodukten auszubauen. Das fusionierte Unternehmen habe eine gute Kombination aus "soliden Basisgeschäften und überproportional wachsenden Geschäftsfeldern wie Onkologie, Kardiologie/Hämatologie und Gynäkologie".

Mit Schering macht Bayer in der Pharmabranche Boden gut. Die gesamte Gesundheitsparte, zu der unter anderem auch rezeptfreie Mittel wie Aspirin und Tiermedizin gehören, kommt mit einem Jahresumsatz von etwa 15 Milliarden Euro in einem weltweiten Vergleich auf Platz 12. Bisher stand Bayer auf Platz 15 und Schering auf Platz 20. Wenning sprach von einem positiven Signal für die deutsche Pharmaindustrie, die früher als die Apotheke der Welt galt.

manager-magazin.de, dpa, vwd, reuters

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