Montag, 23. September 2019

Moeller-Maersk Zu groß für Dänemark?

Die dänische Reederei Moeller-Maersk befindet sich auf dem Weg zu einem Weltkonzern. Erfolgreiche Übernahmen und ein starkes eigenes Wachstum im Sog des Booms der weltweiten Schifffahrt führen das Traditionsunternehmen steil nach oben.

Hamburg - Es ist nicht immer leicht für Jess Söderberg. Seit 13 Jahren ist er Vorstandsvorsitzender des mittlerweile größten dänischen Unternehmens, der Reederei A.P.Moeller-Maersk Börsen-Chart zeigen. Weltweit führt er mehr als 100.000 Mitarbeiter und steht trotzdem unter der strengen Beobachtung von Maersk Mc-Kinney Moeller. Der 92-jährige Amtsvorgänger und Gründersohn ist der reichste Mann Dänemarks – vor ein paar Jahren schenkte er seiner Heimatstadt Kopenhagen ein Opernhaus für 200 Millionen Euro - und hat bei Moeller-Maersk noch immer das letzte Wort.

Maersk-Containerschiff: 100 neue Frachter befinden sich derzeit im Bau
"Hin und wieder guckt er mir mal über die Schulter und sagt, was man anders machen kann", so Söderberg. Dass der smarte Manager mit dieser Situation so humorvoll umgehen kann, hat einen einfachen Grund - in seinem Konzern scheint derzeit alles zu stimmen. Anlass genug, dass sich das Unternehmen erstmals in Deutschland einer größeren Gruppe von Pressevertretern, dem "Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten", stellte.

Passend dazu das Ambiente auf dem Museumsschiff "Rickmer Rickmers" im Hamburger Hafen, denn mit Schiffen machen die Dänen noch immer das größte Geschäft. Nach der Übernahme des niederländischen Konkurrenten P&O Nedlloyd im Jahr 2005 für 2,3 Milliarden Euro fahren mittlerweile 550 Containerschiffe und 270 Tanker sowie Spezialschiffe in der Maersk-Flotte. Und weitere 100 Schiffe befinden sich im Bau. Fallende Charterraten auf den Weltmärkten schrecken Söderberg dabei nicht: "Davor haben wir keine Angst, Überkapazitäten kommen und gehen, das gehört zu unserem Geschäft".

"Drei Milliarden Dollar sind kein Problem": Moeller-Maersk-Vorstandschef Söderberg
Bedeckter zeigt er sich allerdings in der Frage nach neuen Riesenfrachtern. Containerschiffe für bis zu 15.000 Standardcontainer könnten laut Branchenspekulationen in Korea bereits gebaut werden, Limit seien nur die Häfen und die Infrastruktur im Hinterland. Doch ob sich Moeller-Maersk an diesem Wettrüsten beteiligen wolle und vielleicht sogar das Überschreiten der bisherigen Grenze von 10.000 Standardcontainern plane, wollte Söderberg in der Schifffahrtshochburg Hamburg nicht sagen. Er verriet dann zur Containerzahlfrage aber doch soviel: "Wir zählen noch".

Offener war Söderland allerdings bezüglich möglicher neuer Akquisitionen. Zwar sei man noch damit beschäftigt, P&O Nedlloyd in den Konzern zu integrieren, doch "weitere drei Milliarden Dollar wären kein Problem".

Auch die anderen Geschäftsfelder sollen weiter im Unternehmensverbund bleiben, beispielsweise das Einzelhandelsgeschäft in Deutschland - mit immerhin 230 Filialen der Discounter-Kette "Netto". Hier verdiene man gutes Geld, ein kräftiger Ausbau auch in anderen Ländern sei bereits geplant.

Nur beim Thema Karikaturenstreit verdunkelte sich kurz die Miene Söderbergs. Das alles sei unglücklich für Dänemark, die "Pressefreiheit sollte nicht genutzt werden, um andere Religionen zu diskriminieren", so der Konzernchef, in dessen Unternehmen Mitarbeiter aus über 125 Ländern und damit nahezu aller bekannten Religionen tätig sind. "Im Business-To-Business-Bereich spielt das Thema zwar keine Rolle, doch ich hoffe trotzdem sehr, dass sich die Dinge schnell wieder beruhigen".

Die international aufgestellte Reederei, die 90 Prozent ihres Kapitals außerhalb des Heimatlandes investiert hat, wird dieser Streit in ihrem Wachstum nicht stoppen können. Bereits jetzt hat das Unternehmen eine Marktkapitalisierung so hoch wie die des deutschen Chemiekonzerns BASF Börsen-Chart zeigen. Im deutschen Börsen-Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen wäre Moeller-Maersk das neuntgrößte Unternehmen. Ganz und gar unbescheiden gab sich daher auch Söderberg: "Vielleicht sind wir sogar schon zu groß für Dänemark?" Eine Fragestellung, die derzeit vielleicht nur einer abschließend beantworten kann – der weise Schiffsbaron Maersk Mc-Kinney Moeller.

© manager magazin 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung