Volkswagen Auf der Kippe

Die Volkswagen-Belegschaft muss sich auf Einschnitte einstellen. VW-Markenchef Wolfgang Bernhard machte den Angestellten des Braunschweiger Werkes heute nur wenig Hoffnung. Gewerkschaftsvertreter fordern nun Zeit, um selbst Sanierungspläne für einzelne Werke zu erarbeiten.

Wolfsburg - Die Verhandlungen über das Sanierungsprogramm für die zu schwach ausgelasteten und unrentablen Volkswagen-Werke in Westdeutschland sollen nach Betriebsratsangaben an diesem Donnerstag beginnen.

Vor den für Ende März angesetzten Betriebsratswahlen sei allerdings nicht mit Ergebnissen zu rechnen, sagte der Betriebsratschef des Braunschweiger VW-Werks, Uwe Fritsch, am Mittwoch. Er begründete den späten Verhandlungsbeginn mit dem Arbeitgeberlager damit, dass die Arbeitnehmervertretung zunächst die vom Vorstand vorgelegte, mehrere hundert Seiten umfassende Analyse der Wettbewerbsfähigkeit der Komponentenwerke habe bewerten wollen. Darin hinterfragt VW bis zu 20.000 Arbeitsplätze in den inländischen Werken.

Fritsch sagte, VW-Markenchef Wolfgang Bernhard habe während einer Betriebsversammlung am gleichen Tag in Braunschweig erklärt, das Werk stehe "nicht in Gänze zur Disposition". Damit habe es Bernhard vermieden, ein eindeutiges Bekenntnis zu allen Bereichen an dem Standort abzugeben. Auch sei nicht deutlich, welche Strategie der Vorstand für seine Komponentenwerke verfolge. "Was wir erwarten, ist, dass uns die Chance gegeben wird, diese Strategie zu entwickeln", sagte Fritsch. Das Werk Braunschweig arbeite bei den meisten Produkten konkurrenzfähig im Vergleich zu anderen Lieferanten und sei profitabel.

Vorstandschef Bernd Pischetsrieder hatte vergangene Woche versichert, die Komponentenwerke des Konzerns in Braunschweig, Kassel und Salzgitter stünden nicht zur Disposition. Allerdings könne es sein, dass im Zuge der Sanierung einzelne Fertigungsbereiche geschlossen werden müssten.

In Braunschweig fertigt VW vor allem Achsen, Lenkungen und Stoßdämpfer. Gefährdet sind nach Betriebsratsangaben an dem Standort die kleineren Bereiche der Kunststofftechnik sowie der Maschinen- und Werkzeugbau. Insgesamt hat VW in Braunschweig 6600 Beschäftigte.

Fritsch machte deutlich, dass der Betriebsrat in den Verhandlungen mit dem Management einer Rückkehr zur 35-Stunden-Woche nicht zustimmen werde. Volkswagen erwägt Konzernkreisen zufolge im Zuge seines Sanierungsprogramms eine Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche mit 35 Stunden ohne Lohnausgleich.

Als Alternative wird diskutiert, die Arbeitsbedingungen der kostengünstigen Tochter "Auto 5000" auf möglichst alle gut 100.000 Beschäftigten der nahe der Null-Linie operierenden Kernmarke VW zu übertragen. Die im Tarifmodell "Auto 5000" beschäftigten VW-Arbeiter, die das Modell Touran fertigen, verdienen monatlich knapp 2600 Euro und müssen dafür bis zu 42 Stunden pro Woche leisten. Ihre nach VW-Haustarif bezahlten Kollegen kommen auf den gleichen Lohn dagegen schon für 28,8 Arbeitsstunden in der Woche.

reuters

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