Übernahme Merck greift nach Schering

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck will den Berliner Pharmahersteller Schering übernehmen. Nach Informationen von manager-magazin.de legt Merck den Schering-Aktionären in den kommenden Tagen ein Barangebot vor.

Hamburg - Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA  greift nach seinem Konkurrenten Schering . Wie manager-magazin.de erfuhr, will Merck den Berliner Konzern vollständig übernehmen und den Schering-Aktionären in den nächsten Tagen ein Cash-Angebot machen.

Um die Übernahme zu stemmen, wollen die rund 130 Familiengesellschafter des Merck-Konzerns, die bislang 73 Prozent der Anteile halten, ein Paket von gut 20 Prozent über die Börse verkaufen. Die Erlöse daraus plus Barmittel in Höhe von rund zwei Milliarden Euro sollen für die Akquisition mit eingesetzt werden. Schering ist an der Börse derzeit gut 12 Milliarden Euro wert.

Bei der Transaktion wird Merck von Goldman Sachs  und der Deutschen Bank  beraten; Advisor für Schering ist die Investmentbank Morgan Stanley . Die Führungsspitze von Schering, einschließlich des ehemaligen Vorstandschefs und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Giuseppe Vita, und Merck sind miteinander im Gespräch.

Gelingt die Übernahme, entstünde damit ein neuer deutscher Pharma-Champion mit einem Börsenwert von insgesamt rund 16 Milliarden Euro. In seiner jüngsten Ausgabe hatte das manager magazin Schering bereits als Übernahmekandidaten für Merck genannt. Damit würde ein MDax-Konzern  ein Unternehmen aus dem Dax  übernehmen. Beim Umsatz lagen Merck und Schering im vergangenen Jahr mit 5,9 bzw. 5,3 Milliarden Euro in etwa gleichauf. Merck beschäftigte Ende 2005 rund 29 000, Schering knapp 25 000 Mitarbeiter.

Vor dem Hintergrund dieser geplanten Transaktion ist auch der Führungswechsel bei Merck zu sehen. Karl-Ludwig Kley, derzeit noch Vorstandsmitglied bei der Lufthansa und dort für den Bereich Finanzen zuständig, soll den amtierenden Merck-Chef Michael Römer ablösen. Römer hatte erst im vergangenen November den Vorsitz der Geschäftsleitung von seinem geschassten Vorgänger Bernhard Scheuble übernommen.

Finanzfachmann Kley gehört schon länger dem Aufsichtsrat der Merck KGaA und dem Gesellschafterrat der E. Merck OHG an, der die Interessen der Familiengesellschafter vertritt. Der Gesellschafterrat wird vom Familienrat gewählt, er entspricht in etwa dem Aufsichtsrat einer AG. Merck operiert wie der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Der Gesellschafterrat entscheidet über die Bestellung und Abberufung der Mitglieder der Geschäftsleitung.

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