Volkswagen Wulff will Pischetsrieder halten

Als Volkswagens AR-Chef Ferdinand Piëch verkündete, dass der neue Vertrag für Vorstandsprimus Bernd Pischetsrieder auf der Kippe stehe, schwiegen die Großaktionäre Porsche und das Land Niedersachsen zunächst. Mit zweitägiger Verspätung erklärt Ministerpräsident Christian Wulff nun, er unterstütze Pischetsrieder.

Hannover - Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat sich am Freitag vor Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder gestellt.

Auf die Frage, ob der Konzernchef noch Wulffs Unterstützung habe, sagte der Ministerpräsident: "Ich wechsle meine Meinung nur, wenn Anlass dazu besteht. Den sehe ich derzeit nicht." Wulff hatte sich im Januar dafür ausgesprochen, den Vertrag von Pischetsrieder als VW-Chef um weitere fünf Jahre zu verlängern und darüber mit der Arbeitnehmerseite Gespräche zu führen. "Diese Gespräche laufen zurzeit", sagte Wulff in Hannover.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte allerdings in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" Zweifel an einer Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder geäußert. Bei der anstehenden Entscheidung ständen die zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtrat geschlossen dagegen.

Osterloh: "Nicht bereit, für immer neue Fehler zu zahlen"

Pischetsrieder hatte darauf am gestrigen Donnerstag mit der Bemerkung reagiert, auch er könne sich nicht vorstellen, dass ein Vorstandschef in Deutschland gegen das übereinstimmende Votum der Arbeitnehmervertreter auf seinem Posten bleiben könne. Nach dem Unternehmensrecht wäre dies allerdings zulässig, weil bei einem Abstimmungspatt im Aufsichtsrat die Stimme des AR-Chefs doppelt zählt.

Das Bundesland Niedersachsen ist nach dem Sportwagenhersteller Porsche  der größte VW-Anteilseigner. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Wulff hatten sich mit Piëch auf eine Neuordnung des VW-Aufsichtsrats nach dem Porsche-Einstieg bei VW geeinigt. Dabei war vereinbart worden, dass Pischetsrieders 2007 auslaufender Vertrag Anfang Mai vorzeitig verlängert wird.

Bislang hatten sich die beiden Hauptaktionäre nicht zu Pischetsrieder geäußert. Die "Börsen-Zeitung" (Freitagausgabe) berichtet allerdings, der Betriebsratschef von Volkswagen , Bernd Osterloh, habe erklärt, die Belegschaft sei zwar bereit, den Konzern nachhaltig wettbewerbsfähig zu machen, "wir sind aber nicht mehr bereit, für immer neue Managementfehler zu zahlen."

Wiedeking will nicht auf den VW-Chefposten

Als möglicher Gegenkandidat für den VW-Chefposten war in den vergangenen Tagen auch der langjährige Porsche-Chef Wiedeking gehandelt worden. "Ich denke nicht darüber nach, woanders hinzugehen", sagte Wiedeking in einem Freitag veröffentlichten Interview mit dem österreichischen Magazin "Format".

"Die Porsche-Story ist einfach viel zu spannend für mich." Er stehe deshalb nicht als Volkswagen-Chef zur Verfügung. "Wir bringen uns als Aktionär ein, für das operative Geschäft ist das Management verantwortlich", sagte Wiedeking.

Wie bereits in den vergangenen Tagen stärkte Porsche dem unter Druck geratenen VW-Chef Pischetsrieder nicht öffentlich den Rücken. "Ich habe ein gutes Verhältnis zu Herrn Pischetsrieder", sagte Wiedeking lediglich. 

manager-magazin.de mit Material von rtr