Autoverleiher Europcar will nicht mit Hertz verschmelzen

Branchenexperten schätzen, dass Volkswagen seine Mietwagen-Tochter Europcar nicht unter drei Milliarden Euro verkaufen wird. Der Deal mit der Pariser Investmentgruppe Eurazeo soll kurz vor dem Abschluss stehen. Einen anschließenden Merger mit dem US-Branchenriesen Hertz lehnt Eurazeo aber ab.

Frankfurt am Main - Die französische Investmentgruppe Eurazeo steht als Käufer des Autovermieters Europcar so gut wie fest.

Nachdem bereits am Dienstag die Investmentgruppe und Europcar-Eigner Volkswagen  bestätigt hatten, sie verhandelten seit dem vergangenen Wochenende exklusiv über den Erwerb, wurde nun bekannt, dass die Gespräche bereits sehr weit fortgeschritten sind. "VW ist sich mit Eurazeo über den Kauf einig", hieß es in Verhandlungskreisen. Bereits in den nächsten Tagen könnte eine Vollzugsmeldung erfolgen.

Geklärt werden müssten nur noch wenige Details. So solle Eurazeo noch zusichern, dass keine Mitarbeiter entlassen werden und der Investor langfristig an dem Autovermieter festhalte. Angestrebt werde eine mindestens dreijährige Bindung. Darüber solle am Dienstag mit dem europäischen Betriebsrat von Europcar in Paris verhandelt werden.

Probleme seien nicht zu erwarten. Ein VW-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren.

Chance auf ein Bündnis mit Hertz

Ein ausgehandelter Kaufpreis wurde nicht genannt. In den vergangenen Wochen waren allerdings von einigen Bietern Unternehmensbewertungen für Europcar von bis zu drei Milliarden Euro abgegeben worden. Rund zwei Drittel des Kaufpreises machen allerdings Schulden aus. Bei dem Erwerb werde es sich um eine komplette Übernahme von 100 Prozent der Anteile handeln, hieß es.

Sollte Eurazeo wie erwartet den Zuschlag erhalten, wäre die Bildung einer größeren Automobilvermietergruppe theoretisch möglich. Beteilig sein könnte auch der Private-Equity-Arm von Merrill Lynch . Gemeinsam mit Clayton, Dubilier & Rice und der Carlyle Group hatte Merrill Lynch den US-Automobilvermieter Hertz für 15 Milliarden Dollar erworben. Zwischen Merill Lynch und Eurazeo wiederum gibt es enge geschäftliche Verbindungen. So hatten Eurazeo und Merrill Lynch Global Private Equity zusammen mit Clayton, Dubilier & Rice für vier Milliarden Euro Rexel übernommen, den global führenden Konzern im Bereich Vertrieb von Elektroprodukten.

Trotz dieser Konstellation plane Eurazeo
nicht, Europcar nach einem geglückten Kauf in einen Merger zu führen, sagte ein Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Dies seien "unbegründete Gerüchte", Europcar solle vielmehr unabhängig bleiben.

Die Investmentgesellschaft Eurazeo mit Sitz in Paris wurde vor mehr als 120 Jahren gegründet und verfügt nach eigenen Angaben über ein Reinvermögen von mehr als 5 Milliarden Euro. Neben anderen Investments ist Eurazeo seit mehr als 25 Jahren an dem französischen Lebensmittelkonzern Danone  beteiligt und ist einer der größten Anteilseigner von Eutelsat, einem Satellitenbetreiber, Fraikin, einem Langzeit-Leasinganbieter von LKWs und industriellen Fahrzeugen sowie der in Frankreich und Deutschland vertretenen Hotelkette B&B.

manager-magazin.de mit Material von ddp