Finanzmärkte Die zehn größten Risiken für die Weltwirtschaft

Rohstoffmangel, Hedgefonds-Aktrobatik, Dollarrisiko, politische Krisen im Irak und im Iran: Die Weltwirtschaft zeigt sich davon unbeeindruckt. Noch. Die Investmentbank Goldman Sachs hat mit internationalen Experten Krisenszenarien diskutiert. Das Ergebnis ist beunruhigend - ein Überblick.

Welche Folgen wird eine mögliche Eskalation im Atomstreit mit dem Iran haben? Wie wirkt sich ein steigender Ölpreis auf die Entwicklung Chinas aus? Werden riskante Wetten von Hedgefonds die Finanzmärkte erneut ins Wanken bringen? Fragen, denen sich die Investmentbank Goldman Sachs gemeinsam mit Experten des Washingtoner Brookings-Instituts, des Londoner Center for Economic Policy Research sowie der Universität von Singapur gestellt hat. Herausgekommen ist nicht nur ein Ranking der größten Risiken (siehe Bildübersicht). Die globalen Finanzmärkte sind weitaus anfälliger, als sie derzeit scheinen.

Knapper Rohstoff: Die Ölversorgung gilt einhellig als Top-Risiko für die Weltwirtschaft. Seit 2004 hat sich der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl verdoppelt. Steigender Bedarf in Schwellenländern wie China, politische Konflikte in wichtigen Förderländern des Nahen Ostens sowie das jahrzehntelange Versäumnis der Ölindustrie, ihre Raffineriekapazitäten rechtzeitig auszubauen, ergeben einen brisanten Mix. Zusätzlich heizen steigende Ölpreise die Inflation an und setzen Notenbanken unter Zugzwang: Schon die nächste Zinserhöhung der Fed könnte eine zu viel sein.

Knapper Rohstoff: Die Ölversorgung gilt einhellig als Top-Risiko für die Weltwirtschaft. Seit 2004 hat sich der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl verdoppelt. Steigender Bedarf in Schwellenländern wie China, politische Konflikte in wichtigen Förderländern des Nahen Ostens sowie das jahrzehntelange Versäumnis der Ölindustrie, ihre Raffineriekapazitäten rechtzeitig auszubauen, ergeben einen brisanten Mix. Zusätzlich heizen steigende Ölpreise die Inflation an und setzen Notenbanken unter Zugzwang: Schon die nächste Zinserhöhung der Fed könnte eine zu viel sein.

Foto: DDP
Terrorismus: Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben dem Terrorismus eine wachsende internationale Dimension verliehen. Er gilt als Krieg mit anderen Mitteln gegen scheinbar übermächtige Nationen. "Terrorunterstützer fühlen sich häufig benachteiligt und gedemütigt. Das Gefühl von Benachteiligung hat mit der Globalisierung zugenommen", sagt Terrorexpertin Jessica Stern. Da Regierungen den Globalisierungsprozess nicht aufhalten werden, müssen sie nach Wegen suchen, ihre Bevölkerung und Volkswirtschaft besser zu schützen: Dabei sei Ursachenforschung langfristig wirksamer als militärische Vergeltungsschläge

Terrorismus: Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben dem Terrorismus eine wachsende internationale Dimension verliehen. Er gilt als Krieg mit anderen Mitteln gegen scheinbar übermächtige Nationen. "Terrorunterstützer fühlen sich häufig benachteiligt und gedemütigt. Das Gefühl von Benachteiligung hat mit der Globalisierung zugenommen", sagt Terrorexpertin Jessica Stern. Da Regierungen den Globalisierungsprozess nicht aufhalten werden, müssen sie nach Wegen suchen, ihre Bevölkerung und Volkswirtschaft besser zu schützen: Dabei sei Ursachenforschung langfristig wirksamer als militärische Vergeltungsschläge

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Der Dollar und das Defizit: Die US-Bürger leben über ihre Verhältnisse. 2005 betrug das Defizit im Staatshaushalt 319 Milliarden Dollar, in der Handelsbilanz klaffte eine Lücke von 725 Milliarden Dollar. An einer deutlichen Abwertung des US-Dollars führt nach Ansicht von Experten kein Weg vorbei, um das Defizit in den Griff zu bekommen. Selbst wenn der Dollar langsam und stetig abwerten würde, blieben in Verbindung mit hohen Ölpreisen signifikante Risiken: Inflation, höhere Zinsen, weniger Wachstum. Wertet der Dollar rascher ab als erhofft, könnten die Zinssätze in den USA schnell in den zweistelligen Bereich steigen: Die Gefahr einer weltweiten Finanzkrise wäre hoch.

Der Dollar und das Defizit: Die US-Bürger leben über ihre Verhältnisse. 2005 betrug das Defizit im Staatshaushalt 319 Milliarden Dollar, in der Handelsbilanz klaffte eine Lücke von 725 Milliarden Dollar. An einer deutlichen Abwertung des US-Dollars führt nach Ansicht von Experten kein Weg vorbei, um das Defizit in den Griff zu bekommen. Selbst wenn der Dollar langsam und stetig abwerten würde, blieben in Verbindung mit hohen Ölpreisen signifikante Risiken: Inflation, höhere Zinsen, weniger Wachstum. Wertet der Dollar rascher ab als erhofft, könnten die Zinssätze in den USA schnell in den zweistelligen Bereich steigen: Die Gefahr einer weltweiten Finanzkrise wäre hoch.

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Chinas rasantes Wachstum: Die boomende Volkswirtschaft mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern dürfte bis 2050 die weltweit führende Wirtschaftsmacht sein. Auf dem Weg zur Spitze stehen jedoch noch gewaltige Reformen an: Chinas Regierung muss unter anderem den steigenden Rohstoffbedarf in den Griff bekommen, das ineffiziente Bankensystem reformieren sowie ein Renten- und Krankenversicherungssystem auf den Weg bringen. Nationen wie die USA, die ein gigantisches Defizit im Handel mit China aufweisen, drohen ihrerseits mit Handelsbeschränkungen. Derweil wachsen in China die Städte, was den Hunger nach Energie und Rohstoffen weiter erhöht: Rund 300 Millionen Menschen sollen nach Plänen der Kommunistischen Partei in den kommenden Jahren in Städten angesiedelt werden - das sind so viele, wie heute in den Vereinigten Staaten leben.

Chinas rasantes Wachstum: Die boomende Volkswirtschaft mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern dürfte bis 2050 die weltweit führende Wirtschaftsmacht sein. Auf dem Weg zur Spitze stehen jedoch noch gewaltige Reformen an: Chinas Regierung muss unter anderem den steigenden Rohstoffbedarf in den Griff bekommen, das ineffiziente Bankensystem reformieren sowie ein Renten- und Krankenversicherungssystem auf den Weg bringen. Nationen wie die USA, die ein gigantisches Defizit im Handel mit China aufweisen, drohen ihrerseits mit Handelsbeschränkungen. Derweil wachsen in China die Städte, was den Hunger nach Energie und Rohstoffen weiter erhöht: Rund 300 Millionen Menschen sollen nach Plänen der Kommunistischen Partei in den kommenden Jahren in Städten angesiedelt werden - das sind so viele, wie heute in den Vereinigten Staaten leben.

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Krisen mit weltweiten Auswirkungen: Mit dem Ende des kalten Krieges ist die Welt offener, Politik aber nicht einfacher geworden. Regionale Konflikte brechen erneut auf, und aufstrebende Staaten erfordern eine neue Machtbalance. Ein Bürgerkrieg im Irak oder eine Eskalation des Atomstreits im Iran dürfte auch kurzfristig dramatische Auswirkungen auf den Ölpreis haben: Durch die Meeresstraße von Hormus vor Irans Küste werden täglich rund 40 Prozent des weltweit gehandelten Öls transportiert. Zudem wird der Globalisierungsprozess - siehe den Aufstieg von China - weiterhin Gewinner wie Verlierer produzieren: Globalisierungsverlierer, die nicht aufgefangen werden, können die politischen Krisenherde von morgen sein.

Krisen mit weltweiten Auswirkungen: Mit dem Ende des kalten Krieges ist die Welt offener, Politik aber nicht einfacher geworden. Regionale Konflikte brechen erneut auf, und aufstrebende Staaten erfordern eine neue Machtbalance. Ein Bürgerkrieg im Irak oder eine Eskalation des Atomstreits im Iran dürfte auch kurzfristig dramatische Auswirkungen auf den Ölpreis haben: Durch die Meeresstraße von Hormus vor Irans Küste werden täglich rund 40 Prozent des weltweit gehandelten Öls transportiert. Zudem wird der Globalisierungsprozess - siehe den Aufstieg von China - weiterhin Gewinner wie Verlierer produzieren: Globalisierungsverlierer, die nicht aufgefangen werden, können die politischen Krisenherde von morgen sein.

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WTO in der Krise: Die Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) über eine weitere Liberalisierung des Welthandels kommen nicht voran. Das 2001 in Doha formulierte Ziel, die Probleme der Entwicklungsländer stärker zu berücksichtigen und deren Einkommen zu steigern, bleibt auch 2006 noch weit hinter der Wirklichkeit zurück. Die WTO-Unterhändler sehen sich wachsendem Widerstand konfrontiert: Immer mehr Regierungen zögen sich auf regionale oder bilaterale Handelsabkommen zurück und verteidigen ihre etablierten Subventionssysteme. Ein endgültiges Scheitern der Doha-Runde würde den Einfluss der WTO schmälern, die Chance zu einer weiteren Liberalisierung der Weltwirtschaft würde damit verpasst. Außerdem würde die Chance vergeben, Ungleichgewichte des bestehenden Welthandelssystems zu korrigieren und damit effektiv etwas gegen die Armut in vielen Ländern zu tun.

WTO in der Krise: Die Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) über eine weitere Liberalisierung des Welthandels kommen nicht voran. Das 2001 in Doha formulierte Ziel, die Probleme der Entwicklungsländer stärker zu berücksichtigen und deren Einkommen zu steigern, bleibt auch 2006 noch weit hinter der Wirklichkeit zurück. Die WTO-Unterhändler sehen sich wachsendem Widerstand konfrontiert: Immer mehr Regierungen zögen sich auf regionale oder bilaterale Handelsabkommen zurück und verteidigen ihre etablierten Subventionssysteme. Ein endgültiges Scheitern der Doha-Runde würde den Einfluss der WTO schmälern, die Chance zu einer weiteren Liberalisierung der Weltwirtschaft würde damit verpasst. Außerdem würde die Chance vergeben, Ungleichgewichte des bestehenden Welthandelssystems zu korrigieren und damit effektiv etwas gegen die Armut in vielen Ländern zu tun.

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Weltweite Armut: Die Weltwirtschaft wächst, doch das Wachstum ist ungleich verteilt. Die Globalisierung sorgt nicht für das erhoffte Gleichgewicht, sondern schafft Profiteure und Verlierer - einige Staaten drohen den Anschluss zu verlieren. Während Entwicklungsländer in Asien aufstreben, geraten viele Länder in Afrika völlig aus dem Blickfeld: Extreme Armut, ein schwieriges Klima, Krankheiten, unzureichende Infrastruktur sowie fehlende politische Stabilität sorgen dafür, dass diese Länder gleichsam hintenüber fallen. Den reichen Industrienationen stehen nicht nur der "vergessene Kontinent" Afrika, sondern auch die Gruppe der "Aussichtslosen" gegenüber: Länder, die nicht zu den Ärmsten der Armen zählen, die aber auf Grund vieler Jahre der Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit die Hoffnung auf Besserung verloren haben. Nach Einschätzung von Jeffrey Sachs vom Earth Institute at Columbia gibt es dort viele enttäuschte, junge Menschen, die sehr viel zur Destabilisierung des globalen Wirtschaftssystems beitragen können.

Weltweite Armut: Die Weltwirtschaft wächst, doch das Wachstum ist ungleich verteilt. Die Globalisierung sorgt nicht für das erhoffte Gleichgewicht, sondern schafft Profiteure und Verlierer - einige Staaten drohen den Anschluss zu verlieren. Während Entwicklungsländer in Asien aufstreben, geraten viele Länder in Afrika völlig aus dem Blickfeld: Extreme Armut, ein schwieriges Klima, Krankheiten, unzureichende Infrastruktur sowie fehlende politische Stabilität sorgen dafür, dass diese Länder gleichsam hintenüber fallen. Den reichen Industrienationen stehen nicht nur der "vergessene Kontinent" Afrika, sondern auch die Gruppe der "Aussichtslosen" gegenüber: Länder, die nicht zu den Ärmsten der Armen zählen, die aber auf Grund vieler Jahre der Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit die Hoffnung auf Besserung verloren haben. Nach Einschätzung von Jeffrey Sachs vom Earth Institute at Columbia gibt es dort viele enttäuschte, junge Menschen, die sehr viel zur Destabilisierung des globalen Wirtschaftssystems beitragen können.

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Das Eis schmilzt: Das im Kyoto-Protokoll formulierte Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2012 deutlich unter das Niveau von 1990 zu senken, wird nur halbherzig unterstützt: Es gilt als unwahrscheinlich, dass etwa die USA das Kyoto-Protokoll jemals ratifizieren werden. Unbestritten ist zwar, dass der Gehalt an Kohlenstoff in der Erdatmosphäre seit der industriellen Revolution um mehr als 30 Prozent zugenommen hat. In welchem Maße die Kohlendioxidemissionen zur Erderwärmung beitragen, ist jedoch ebenso umstritten wie die Folgen, die der Klimawandel mit sich bringen wird. Effektiver als der Versuch, Kyoto doch noch flächendeckend umzusetzen, scheinen die Kräfte des Marktes: Der stark steigende Ölpreis ist für Industrieländer wie für energiehungrige aufstrebende Nationen wie China ein entscheidender Grund, weniger auf fossile Brennstoffe und verstärkt auf alternative Energien zu setzen.

Das Eis schmilzt: Das im Kyoto-Protokoll formulierte Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2012 deutlich unter das Niveau von 1990 zu senken, wird nur halbherzig unterstützt: Es gilt als unwahrscheinlich, dass etwa die USA das Kyoto-Protokoll jemals ratifizieren werden. Unbestritten ist zwar, dass der Gehalt an Kohlenstoff in der Erdatmosphäre seit der industriellen Revolution um mehr als 30 Prozent zugenommen hat. In welchem Maße die Kohlendioxidemissionen zur Erderwärmung beitragen, ist jedoch ebenso umstritten wie die Folgen, die der Klimawandel mit sich bringen wird. Effektiver als der Versuch, Kyoto doch noch flächendeckend umzusetzen, scheinen die Kräfte des Marktes: Der stark steigende Ölpreis ist für Industrieländer wie für energiehungrige aufstrebende Nationen wie China ein entscheidender Grund, weniger auf fossile Brennstoffe und verstärkt auf alternative Energien zu setzen.

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Hedgefonds: Hedgefondsmanager George Soros erzielte Milliardengewinne, als er mit gezielten Währungsspekulationen das britische Pfund in die Knie zwang. Andere Finanzgroßmeister wie Warren Buffet schätzen dagegen die von Hedgefonds gern eingesetzten Termin- und Optionsgeschäfte (Derivate) als "finanzielle Massenvernichtungswaffen" ein. Das Risiko durch Hedgefonds steigt mit ihrem Erfolg: Mehr als 8000 Hedgefonds tummeln sich inzwischen auf dem Weltmarkt, ihnen fließen enorme Summen zu. Um ihre überdurchschnittlichen Renditen und damit ihre eigenen Erfolgsprovisionen auch in Zukunft zu erzielen, müssen Hedgefondsmanager künftig immer höhere Risiken eingehen. 1998 brachte der Fast-Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM die Weltmärkte ins Wanken. LTCM konnte nur durch Milliardenhilfe beteiligter Banken gerettet werden. "Es ist nicht die Frage ob, sondern wann sich eine Krise wie bei LTCM wiederholt", warnt Jochen Sanio, Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Auf diesen Fall sei "bislang niemand vorbereitet".

Hedgefonds: Hedgefondsmanager George Soros erzielte Milliardengewinne, als er mit gezielten Währungsspekulationen das britische Pfund in die Knie zwang. Andere Finanzgroßmeister wie Warren Buffet schätzen dagegen die von Hedgefonds gern eingesetzten Termin- und Optionsgeschäfte (Derivate) als "finanzielle Massenvernichtungswaffen" ein. Das Risiko durch Hedgefonds steigt mit ihrem Erfolg: Mehr als 8000 Hedgefonds tummeln sich inzwischen auf dem Weltmarkt, ihnen fließen enorme Summen zu. Um ihre überdurchschnittlichen Renditen und damit ihre eigenen Erfolgsprovisionen auch in Zukunft zu erzielen, müssen Hedgefondsmanager künftig immer höhere Risiken eingehen. 1998 brachte der Fast-Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM die Weltmärkte ins Wanken. LTCM konnte nur durch Milliardenhilfe beteiligter Banken gerettet werden. "Es ist nicht die Frage ob, sondern wann sich eine Krise wie bei LTCM wiederholt", warnt Jochen Sanio, Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Auf diesen Fall sei "bislang niemand vorbereitet".

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Drohende Pandemie: Mit der Vogelgrippe ist das Risiko einer weltweiten Seuche wieder in den Vordergrund gerückt. Während Industrieländer wie Deutschland der Vogelgrippe durch das Auslegen von Seuchenmatten beizukommen versuchen, wächst auf Grund der Lebensverhältnisse in Südostasien mit jedem Monat das Risiko, dass ein neues, für den Menschen hochgefährliches Virus entsteht. Ein Virus in der globalisierten Welt ist umso gefährlicher, da es die wichtigsten Elemente des modernen Wirtschaftssystems (weltweiter Handel, rascher Transport von Waren und Menschen an jeden Ort der Welt) zu seiner Verbreitung nutzt. Im Fall einer Pandemie drohen nicht nur Millionen Todesopfer, auch die Lebensadern der globalen Wirtschaft kämen zum Erliegen. "Ein Virus ist grenzenlos", warnt Joshua Epstein vom Brookings-Institut. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit aller Länder der Welt, um das Virus möglichst früh zu erkennen und zu bekämpfen.

Drohende Pandemie: Mit der Vogelgrippe ist das Risiko einer weltweiten Seuche wieder in den Vordergrund gerückt. Während Industrieländer wie Deutschland der Vogelgrippe durch das Auslegen von Seuchenmatten beizukommen versuchen, wächst auf Grund der Lebensverhältnisse in Südostasien mit jedem Monat das Risiko, dass ein neues, für den Menschen hochgefährliches Virus entsteht. Ein Virus in der globalisierten Welt ist umso gefährlicher, da es die wichtigsten Elemente des modernen Wirtschaftssystems (weltweiter Handel, rascher Transport von Waren und Menschen an jeden Ort der Welt) zu seiner Verbreitung nutzt. Im Fall einer Pandemie drohen nicht nur Millionen Todesopfer, auch die Lebensadern der globalen Wirtschaft kämen zum Erliegen. "Ein Virus ist grenzenlos", warnt Joshua Epstein vom Brookings-Institut. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit aller Länder der Welt, um das Virus möglichst früh zu erkennen und zu bekämpfen.

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Die zehn Top-Risiken
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"Viele der Top-Risiken sind eng miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig", meint Suzanne Johnson, Chairman des Global Markets Institute von Goldman Sachs. "Die meisten Krisenfälle werden auch gravierende Konsequenzen haben - es ist lediglich unklar, wann und wie sie ausgelöst werden." Um den Risiken zu begegnen, sei eine weltweite Zusammenarbeit nötig: In der heutigen globalisierten Welt entwickeln viele Risikofaktoren eine solche Komplexität und Sprengkraft, dass es eine lange Zeit gemeinsamer Anstrengungen bedarf, um sie zu entschärfen.

Während die meisten Konferenzteilnehmer einem steigenden Ölpreis sowohl kurzfristig wie auch mittelfristig das höchste Risikopotenzial zusprachen, wurden die Finanzspekulationen von Hedgefonds sowie die Gefahr weltweiter Seuchen als überschaubares Risiko angesehen.

Diese Reihenfolge dürfte nach den jüngsten Vogelgrippefällen erneut durcheinander geraten: Beleg dafür, dass sich die Top-Risiken kaum kalkulieren, geschweige denn beherrschen lassen.

Ölversorgung: Toprisiko

Ölversorgung: Top-Risiko

Die Ölversorgung gilt einhellig als Top-Risiko für die Weltwirtschaft. Binnen zwei Jahren hat sich der Preis für ein Barrel (159 Liter) des schwarzen Goldes verdoppelt, im Frühjahr 2006 kratzte der Preis pro Barrel erneut an der Rekordmarke von 70 US-Dollar. Steigender Bedarf in Schwellenländern wie China, politische Unsicherheiten in wichtigen Förderländern des Nahen und Mittleren Ostens sowie das Versäumnis der Ölindustrie, Raffinerie-Kapazitäten rechtzeitig auszuweiten, ergeben einen brisanten Mix.

Der Energiesektor ist nach Einschätzung des Branchenexperten Edward Morse "dysfunktional": Er werde von den Regeln des freien Welthandels ausgenommen und häufig für außenpolitische Zwecke missbraucht. Auch das Förderkartell Opec kommt bei Morse nicht gut weg: 25 Jahre lang hätten es die Ölförderstaaten versäumt, in bessere Förderanlagen zu investieren. Deshalb könne die Versorgung mit der steigenden Nachfrage nicht mehr Schritt halten.

Dennoch hat sich die Weltwirtschaft seit 2004 trotz des rasanten Preisanstiegs bemerkenswert robust gezeigt. EU-Energiekommissar Andris Piebalgs hält sogar einen Ölpreis von 100 Dollar je Barrel für verkraftbar. Chancen für eine Beruhigung am Ölmarkt liegen nach Ansicht der meisten Experten in verbesserter Technologie sowie der Fähigkeit, politische Konflikte zu entschärfen. Steigende Ölpreise bergen ein doppeltes Risiko, da sie die Inflation anheizen und Notenbanken unter Zugzwang setzen. Weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank werden als weltweite Konjunkturbremse gesehen - teures Öl kann also einen Dominoeffekt auslösen.

Globaler Terrorismus

Globaler Terrorismus

Haben die Anschläge vom 11. September 2001 dem Terrorismus eine neue Bedeutung verliehen? Ein neuer Aspekt ist die wachsende internationale Dimension, meint der ehemalige US-Botschafter Richard Burt, der jetzt eine weltweite Beratungsfirma für Risikomanagement leitet. Er sieht Terrorismus als ständigen Begleiter der Gesellschaft, mit dem man umgehen müsse: Es gehe darum, Fragen zu beantworten wie: "Warum hassen sie uns?" oder "Warum werden bestimmte Terrorgruppen in bestimmten Ländern öffentlich unterstützt?"

Militärische Reaktionen sowie Versuche, ein demokratisches Regime mit Gewalt zu installieren, bergen kurzfristig hohe Risiken, so Burt. Militärschläge verschaffen terroristischen Gruppen häufig mehr Zulauf, und junge Demokratien sind anfällige Gebilde. Der Terrororganisation IRA zum Beispiel wurde die öffentliche Unterstützung durch politischen Wandel entzogen, nicht durch militärische Präsenz.

Die Bedrohung durch Terrorismus wachse allein dadurch, dass der Irak derzeit beste Bedingungen für terroristische Gruppen biete, meint die Terrorforscherin Jessica Stern. Diese Gruppen dürften ihre Aktivitäten bald in andere Länder exportieren, da terroristische Anschläge immer mehr als Krieg mit anderen Mitteln gegen scheinbar übermächtige Nationen wie die USA gesehen werden.

"Terroristen fühlen sich benachteiligt, unterdrückt und gedemütigt. Das Gefühl von Benachteiligung und Demütigung hat mit der Globalisierung zugenommen", sagt Stern. Da Regierungen den Globalisierungsprozess sowie dessen gesellschaftlichen Effekt nicht aufhalten werden, müssen sie nach Wegen suchen, Bevölkerung und Volkswirtschaft vor neuen terroristischen Angriffen besser zu schützen.

Der Dollar und das Defizit

US-Doppeldefizit und US-Dollar

Das Defizit im Staatshaushalt der USA hat seit Amtsantritt von US-Präsident George W. Bush stetig zugenommen: 2005 fehlten 319 Milliarden Dollar im Bundesetat, in diesem Jahr dürfte die Lücke auf 359 Milliarden Dollar wachsen. Noch dramatischer ist das Defizit in der Handelsbilanz der weltgrößten Volkswirtschaft: Der Wert aller Importe in die USA überstieg den Wert der Exporte um 725 Milliarden Dollar.

Die US-Bürger leben über ihre Verhältnisse. Sie müssen sich Tag für Tag rund sechs Milliarden Dollar vom Rest der Welt borgen, um ihr Leistungsbilanzdefizit und ihre eigenen Investitionen im Ausland zu finanzieren. Das können sie sich leisten, so lange ausländische Investoren weiterhin viel Geld in US-Güter, Aktien und US-Anleihen investieren. Doch der Großteil der ausländischen Investitionen kommt nicht mehr von privaten Geldgebern, sondern von Staaten wie Japan und China, die mit massiven Käufen von US-Anleihen versuchen, eine Aufwertung ihrer eigenen Währung gegenüber dem Dollar zu verhindern.

Um das Defizit in der Handelsbilanz zu halbieren, müsste der US-Dollar handelsgewichtet etwa 20 bis 25 Prozent abwerten, schätzt Fred Bergsten vom Institut für Internationale Ökonomie. Selbst wenn der Dollar langsam und stetig in diesem Ausmaß abwerten würde, blieben in Verbindung mit weiterhin hohen Ölpreisen signifikante Risiken: Höhere Inflation, höhere Zinsen, weniger Wachstum. Im Fall einer raschen, deutlichen Abwertung des Dollar könnten die Zinssätze in den USA schnell in den zweistelligen Bereich steigen: Die Gefahr einer weltweiten Finanzkrise wäre hoch.

Jede Handelsbilanz hat zwei Seiten: Bei den USA steht ein hohes Defizit, in Staaten wie China, Japan und Deutschland ein hoher Überschuss. In der Vergangenheit führten solche wachsenden Ungleichgewichte häufig zu Protektionismus: Im US-Kongress werden regelmäßig Stimmen laut, Handelsbeschränkungen gegenüber China durchzusetzen.

"So lange die US-Wirtschaft wächst und weiterhin genug Geld aus dem Ausland anzieht, sollte die US-Regierung diese Zeit nutzen, um das Defizit herunterzufahren", meint Robert Hormats, Vice Chairman von Goldman Sachs. Sollte das Produktivitätswachstum in den USA in der Zukunft stark fallen und eine Kapitalflucht einsetzen, sei es für eine sanfte Genesung zu spät.

China: Die Risiken des raschen Wachstums

China: Die Risiken des raschen Wachstums

Chinas Wirtschaftsleistung wächst Jahr um Jahr zweistellig, so schnell wie in keinem anderen Land der Welt. Die boomende Volkswirtschaft mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern dürfte schon 2010 Deutschland als drittgrößte Wirtschaftskraft ablösen und bis 2050 die weltweit führende Wirtschaftsmacht sein. Optimisten fragen, welche Konsequenzen diese Neugewichtung der globalen Wirtschaft haben wird. Skeptiker weisen auf den stark steigenden Rohstoffbedarf Chinas, das ineffiziente Bankensystem sowie auf dringend notwendige gesellschaftspolitische Reformen hin. Eine "harte Landung" Chinas könnte Schockwellen nicht nur in Asien auslösen.

Die hohe Sparrate der Chinesen ist nach Ansicht von David Li, Ökonomieprofessor der Tsinghua Universität, ein dreifaches Risiko: Die großen Sparvorkommen erhöhen den Anlagedruck der Banken und fördern damit eine Blase am Immobilienmarkt. Zweitens verleiten niedrige Zinsen Unternehmen zu Überinvestitionen - Überkapazitäten drohen. Drittens ist China wegen der schwachen Inlandsnachfrage weiterhin auf den Massenexport von Gütern angewiesen - Nationen wie die USA, die ein gigantisches Defizit im Handel mit China aufweisen, könnten sich schon bald gegen die Warenschwemme aus China wehren.

Chinas Bürger haben triftige Gründe zum Sparen: Auf Grund der Ein-Kind-Politik werden bald weniger junge Menschen mehr ältere Menschen versorgen müssen. Ein staatliches Renten-, Arbeitslosen- und Rentenversicherungssystem fehlt bislang, so dass die Menschen selbst vorsorgen müssen. Die Regierung steht vor gewaltigen sozialen Reformen, wenn sie eine Grundsicherung für ihre Bürger sicherstellen will.

Ein Pensionssystem und eine Krankenversicherung dürften die Unsicherheit und damit auch die Sparrate senken. Doch die geforderten sozialen Reformen, die Modernisierung des Rechtssystems und die weitere Öffnung der Kapitalmärkte werden in dem riesigen Reich der Mitte nicht von heute auf morgen durchgesetzt. Derweil wachsen in China die Städte, was den Hunger nach Energie und Rohstoffen weiter erhöht: Rund 300 Millionen Menschen sollen nach Plänen der chinesischen Regierung in den kommenden Jahren in Städten angesiedelt werden - das sind so viele, wie heute in den Vereinigten Staaten leben. Die Auswirkungen auf Energie- und Rohstoffpreise werden deutlich sein.

Politische Krisen

Politische Konflikte, regionale Krisen

Mit dem Ende des kalten Krieges ist die Welt offener, Politik aber nicht einfacher geworden. Regionale Konflikte brechen erneut auf, und aufstrebende Staaten erfordern eine neue Machtbalance. Viele bevölkerungsreiche Länder drohen zu Verlierern der Globalisierung zu werden und entwerfen Gegenmodelle zum westlichen, kapitalistischen System: Nach Einschätzung des früheren schwedischen Ministerpräsidenten Carl Bildt sind dies die Voraussetzungen für einen "perfekten Sturm".

Im Mittleren Osten, im Irak und im Iran ist das Risiko derzeit am höchsten, dass alte Konflikte und neue Spannungen einen solchen Sturm entfachen. Sollte Irak in einen Bürgerkrieg geraten, werden nach Einschätzung von Bildt auch Iran, Afghanistan und die saudi-arabische Welt destabilisiert. Sollte der Atomstreit mit dem Iran eskalieren und Sanktionen der Vereinten Nationen nach sich ziehen, könnte dies dramatische Auswirkungen auf den Ölpreis haben: Iran könnte als Reaktion die Meeresstraße von Hormus blockieren, durch die täglich rund 40 Prozent des weltweit gehandelten Öls transportiert werden.

Abseits der Konflikte im Mittleren Osten wird der Aufstieg von China für eine Kräfteverschiebung sorgen. Von Chinas Wachstum profitieren sämtliche Nachbarländer, Asien wird durch diesen Prozess entscheidend gestärkt. Schon bald dürfte die aufstrebende Mittelschicht in vielen asiatischen Ländern selbstbewusster auftreten, Asien wird einen stärkeren Führungsanspruch formulieren und ein wirtschaftliches Gegengewicht zu der militärischen Führungsmacht USA bilden. Die Zukunft von Taiwan sowie von Nordkorea, dessen kommunistisches Regime nach Atomwaffen strebt, sind weiterhin unklar: Dass sich die USA und Nord Korea in der Atomfrage arrangieren, ist ebenso unwahrscheinlich wie die These, dass ein aufstrebendes China seinen Anspruch auf Taiwan aufgeben wird.

Als wahrscheinlich dagegen gilt, dass die Globalisierung weiterhin für eine weltweite Kräfteverschiebung sorgen und Gewinner wie Verlierer produzieren wird: Die Globalisierungsverlierer von heute können die politischen Krisenherde von morgen sein.

Krise der WTO

Welthandelsfragen und Krise der WTO

Welthandel fördert das Wachstum - die Entwicklung einzelner Länder seit den ersten multilateralen Handelsvereinbarungen 1947 spricht eine deutliche Sprache. Dennoch kommen die Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) über eine weitere Liberalisierung des Welthandels nicht voran. Das 2001 in Doha formulierte Ziel, die Probleme der Entwicklungsländer stärker zu berücksichtigen und deren Einkommen zu steigern, bleibt auch 2006 noch weit hinter der Wirklichkeit zurück.

Die so genannte Doha-Entwicklungsrunde hat das ehrgeizige Ziel, Ungleichgewichte im Welthandel abzubauen und Entwicklungsländer beim Aufbau ihrer Handelskapazitäten zu unterstützen - sie ist noch immer nicht abgeschlossen. Dass sich die WTO-Mitgliedsstaaten auf die in Doha formulierte Agenda einigen, ist für die betroffenen Entwicklungsländer jedoch von größerer Bedeutung als ein scheinbar großzügiger Schuldenerlass oder eine Erhöhung der Entwicklungshilfe.

Die WTO-Unterhändler sehen sich wachsendem Widerstand konfrontiert, meint Carla Hills, frühere Handelsbeauftragte der USA. Immer mehr Regierungen zögen sich auf regionale oder bilaterale Handelsabkommen zurück. Zudem verteidigen viele reiche Industrienationen ihre etablierten Subventionssysteme, die für Entwicklungsländer klare Handelshemmnisse bedeuten.

Ein Scheitern der Doha-Runde bedeute "ein Risiko und drei verpasste Gelegenheiten", so Hills. Ein Scheitern der Verhandlungen würde den Einfluss der WTO empfindlich schmälern, da Regierungen sich künftig stärker auf regionale Handelsabkommen verlegen würden. Damit würde die Gelegenheit, die Liberalisierung der Weltwirtschaft voranzutreiben, verpasst. Zweitens würde die Chance verpasst, Ungleichgewichte des bestehenden Systems zu korrigieren. Die dritte Chance, durch eine Umsetzung der Doha-Agenda etwas gegen die Armut in vielen Ländern zu tun, bleibe außerdem auf der Strecke.

Schere zwischen Arm und Reich, Klimawandel

Schere zwischen Arm und Reich

Die Weltwirtschaft wächst, doch das Wachstum ist ungleich verteilt. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich nehmen ebenso zu wie das weltweite Bruttosozialprodukt. Die Globalisierung sorgt nicht für das erhoffte Gleichgewicht, sondern schafft Profiteure und Verlierer - einige Staaten drohen vollends den Anschluss zu verlieren. Das ist für die Betroffenen fatal und kann auch für die Weltwirtschaft ernste Folgen haben.

Um der Armut in den unterschiedlichen Regionen der Welt zu begegnen, gebe es kein einheitliches Patentrezept, meint Jeffrey Sachs vom Earth Institute der Columbia Universität. Arme Länder sowie wirtschaftliche Entwicklungsländer unterscheiden sich enorm: In Asien zum Beispiel sorgen "starke integrative und innovative Kräfte" dafür, dass viele vormals arme Länder an einem robusten Wachstum in der Region teilhaben und steigende Einkommen vorweisen. Asien werde auf diese Weise für eine Kräfteverschiebung sorgen und einen neuen Schwerpunkt der Weltwirtschaft bilden.

Im Gegensatz dazu geraten viele Länder in Afrika völlig aus dem Blickfeld. Extreme Armut, ein schwieriges Klima, Krankheiten, unzureichende Infrastruktur sowie Bürgerkriege und fehlende politische Stabilität sorgen dafür, dass diese Länder gleichsam "aus der weltwirtschaftlichen Landkarte herausfallen", so Sachs. Statt an der Wirtschaftsentwicklung teilzuhaben, sehen sich diese Länder mit immer größeren Problemen konfrontiert. Entwicklungsländer in der Region Zentral- und Südamerika hätten dagegen weit größere Chancen auf stärkeres Wachstum, da die Bildung stabiler demokratischer Systeme, Ausbildung und Urbanisierung vorangeschritten seien. Insbesondere Brasilien habe gute Möglichkeiten, seinen weltweiten Export in naher Zukunft zu steigern.

Ein hohes Risiko berge außerdem die Gruppe der "Aussichtslosen": Länder, die nicht zu den Ärmsten der Armen zählen, die aber auf Grund vieler Jahre der Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit die Hoffnung auf Besserung verloren haben. Dazu gehören Regionen im Mittleren Osten ebenso wie in Lateinamerika, meint Sachs: "Dort gibt es viele enttäuschte, arbeitslose junge Menschen, die sehr viel zur Destabilisierung der Welt beitragen können." Eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder hänge stark von politischen Kooperationen mit den führenden Wirtschaftsnationen ab.

Klimawandel, Erderwärmung

Die globale Erwärmung gilt als einer der größten Unsicherheits- und Risikofaktoren der Gegenwart. Das im Kyoto-Protokoll formulierte Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2012 deutlich unter das Niveau von 1990 zu senken, unterstützen jedoch nur wenige Nationen. Sie glaube nicht, dass die USA das Kyoto-Protokoll jemals ratifizieren werde, meint Carol Browner, ehemals Leiterin der US-Umweltschutzagentur. Dennoch sei es wahrscheinlich, dass sich die US-Legislative in naher Zukunft stärker mit dem Thema Klimawandel befassen werde: Wachsender Druck komme von US-Unternehmen, die vor allem in Europa schärfere umweltpolitische Vorgaben erfüllen müssten.

Der Grund für die Behäbigkeit: Wissenschaftler streiten noch immer über die Ursachen und Folgen der globalen Erwärmung. Unbestritten ist, dass der Gehalt an Kohlenstoff in der Erdatmosphäre seit der industriellen Revolution um mehr als 30 Prozent zugenommen hat. In welchem Maße die Kohlendioxid-Emissionen zur Erderwärmung beitragen, ist jedoch ebenso umstritten wie die Folgen, die der Klimawandel mit sich bringt. Es sei nicht einmal sicher, ob eine globale Erwärmung ausschließlich negative Folgen haben werde, meint David Henderson von der Naval Postgraduate School in Monterey.

Selbst wenn die Ziele des Kyoto-Protokolls erreicht würden, bedeute dies lediglich einen Zeitgewinn von etwa sechs Jahren, so Henderson. Dagegen stünden hohe Kosten, die durch die Umsetzung der Klimarahmenkonvention entstehen. Effektiver als der Versuch, Kyoto doch noch flächendeckend umzusetzen, seien die freien Kräfte des Marktes: Der stark steigende Ölpreis sei für Industrieländer wie für energiehungrige aufstrebende Nationen wie China ein gewichtiger Grund, verstärkt auf alternative Energien zu setzen.

Hedgefonds, Derivate, Vogelgrippe

Hedgefonds und Derivate

Sie gelten als Wunderwaffen der Finanzmärkte. Kenner wie Warren Buffet sehen Derivate jedoch eher als "finanzielle Massenvernichtungswaffen". Zu den Derivaten zählen Termin- und Optionsgeschäfte: Mit vergleichsweise geringem Einsatz und hohem Risiko setzen spekulative Investoren rund um den Globus enorme Summen in Bewegung. Vor allem Hedgefonds, die eine vom Auf und Ab der Märkte losgelöste (absolute) Rendite anstreben, jonglieren mit Derivaten und gehen riskante Wetten auf Aktien, Rohstoffe und Währungen ein.

Das Risiko durch Hedgefonds steigt mit ihrem Erfolg: Mehr als 8000 Hedgefonds tummeln sich inzwischen auf dem Weltmarkt, ihnen fließen enorme Summen zu. Um ihre überdurchschnittlichen Renditen und damit ihre eigenen Erfolgsprovisionen auch in Zukunft zu erzielen, müssen Hedgefondsmanager künftig immer höhere Risiken eingehen und stärker als bisher mit geliehenem Geld spekulieren, warnt Robert Pozen von MFS Investment. Da Hedgefonds außerdem zu den besten Kunden der Investmentbanken zählen und an manchen Tagen für einen Großteil des Handelsvolumens verantwortlich sind, entstehe zudem ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen großen Finanzhäusern und Finanzjongleuren.

1998 brachte der Fast-Zusammenbruch des Hedgefonds LTCM die Weltmärkte ins Wanken. LTCM konnte nur durch Milliardenhilfe beteiligter Banken gerettet werden. "Es ist nicht die Frage ob, sondern wann sich eine Krise wie bei LTCM wiederholt", warnt Jochen Sanio, Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin. Auf diesen Fall sei "bislang niemand vorbereitet".

Selbst Kenneth Griffin, Chef der milliardenschweren Hedgefonds-Gruppe Citadel, konnte die Bedenken gegen seine Branche nicht zerstreuen: Zwar leisteten Hedgefonds Finanzhäusern und Not leidenden Unternehmen wertvolle Dienste, indem sie den einen Kreditrisiken abnähmen und den anderen Turnaround-Kapital zur Verfügung stellten. Fraglich sei jedoch, ob die Expertise und fachliche Kompetenz der Hedgefondsmanager ebenso schnell wachse wie das ihnen anvertraute Kapital.

Weltweite Seuchen

Gesundheitsfragen beeinflussen die Weltwirtschaft auf unterschiedliche Weise: Eine gute Gesundheitsversorgung führt zu einer steigenden Lebenserwartung in den Industrienationen - mit allen Konsequenzen für die staatlichen Renten- und Sozialsysteme. Gleichzeitig wird der Zugang zu ausreichend sauberem Trinkwasser in vielen Ländern zu einer politischen Frage, die leicht zu militärischen Konflikten führen kann. Als größter Risikofaktor gilt derzeit jedoch das Auftreten einer länderübergreifenden Seuche.

Mit der Vogelgrippe ist das Risiko einer weltweiten Epidemie wieder in den Vordergrund gerückt. Sollte das H5N1 Virus sich so verändern, dass es nicht nur von Vögeln auf Menschen, sondern auch zwischen Menschen weitergegeben werden kann, könnte dies zu einer Pandemie mit verheerenden Folgen führen.

An der Spanischen Grippe im Jahr 1918 sind weltweit etwa 50 Millionen Menschen gestorben. Während Industrieländer wie Deutschland der Vogelgrippe durch das Auslegen von Seuchenmatten und Hühnerschlachtungen beizukommen versuchen, wächst auf Grund der Lebensverhältnisse in Südostasien mit jedem Monat das Risiko, dass ein neues, hochgefährliches Virus entsteht.

Ein Virus kennt ebenso wie die Globalisierung keine Grenzen - ein Virus in der globalisierten Welt ist umso gefährlicher, da es die wichtigsten Elemente des modernen Wirtschaftssystems (weltweiter Handel, rascher Transport von Waren und Menschen an jeden Ort der Welt) zu seiner Verbreitung nutzt. Brauchte die berüchtigte Hongkong-Grippe aus dem Jahr 1968 mit weltweit rund vier Millionen Todesopfern noch einen Zeitraum von mehr als drei Wochen, um sich auszubreiten, bliebe Medizinern und Seuchenexperten heute deutlich weniger Zeit, um auf das Virus zu reagieren.

Im Fall einer Pandemie drohen nicht nur Millionen Todesopfer. Die Lebensadern der globalen Wirtschaft kämen zum Erliegen, wenn weltweite Handel- und Transportsysteme eingestellt würden. "Ein Virus ist grenzenlos", warnt Joshua Epstein vom Brookings-Institut. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit aller Länder der Welt, um das Virus zu erkennen und zu bekämpfen: Eine Devise, die auch für den Umgang mit den übrigen Top-Risiken für die Weltwirtschaft gilt.

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