Arbeitsmarkt Wirtschaftsweise warnt vor Mindestlöhnen

Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro hat die Bundesregierung aufgefordert, dringende Reformen am Arbeitsmarkt zügig in Angriff zu nehmen. Sie warnt vor Mindestlöhnen und deren "negativer Wirkung" auf die Beschäftigung.

Berlin - "Was mich negativ stimmt ist, dass beim Arbeitsmarkt der Kern des Problems bislang völlig ausgeklammert wird: die dringend notwendige größere Flexibilisierung und Differenzierung bei der Lohnfindung", sagte Weder di Mauro der "Berliner Zeitung". Statt dessen beschäftige man sich mit "Maßnahmen, die sogar kontraproduktiv wirken" könnten: "Mindestlöhne zum Beispiel können leicht eine negative Wirkung auf die Beschäftigung haben", sagte die Wirtschaftsweise.

Weder di Mauro zeigte sich zudem enttäuscht von der Finanzpolitik: "Man hat zunächst einmal höhere Ausgaben beschlossen, und die Haushaltskonsolidierung soll überwiegend über Steuererhöhungen laufen. Die Mehrwertsteuer hätten wir aber dringend zur Finanzierung der Steuer- und Gesundheitsreformen gebraucht", betonte sie.

Wachstum ohne Jobs?

Die Wirtschaftsweise zeigte sich zugleich davon überzeugt, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland 2006 für einen Stellenaufbau ausreichen werde. "Die alte Faustregel, dass mindestens zwei Prozent Wachstum nötig sind, damit Jobs entstehen, stimmt so nicht mehr", sagte sie.

"Die Beschäftigungsschwelle liegt heute möglicherweise schon bei 1,5 Prozent." Die Wirtschaftsweisen gehen offiziell noch von einem Wachstum von rund einem Prozent aus.

Am Dienstag gab die Bundesagentur für Arbeit außerdem die Arbeitsmarktzahlen für Februar bekannt. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Punkte auf 12,2 Prozent. Mit 5,048 Millionen waren 241.000 weniger Menschen ohne Arbeit als im Februar 2004, berichtete die Bundesagentur.

dpa/rtr

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.