Personalpolitik Die Alterswaage bei BMW

Während sich viele andere Konzerne bevorzugt von alten Mitarbeitern trennen, folgt der Münchener Autobauer einem anderen Motto. Ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen jungen und älteren Mitarbeitern hält BMW-Vorstand Ernst Baumann für ideal. Stellenabbau ist für BMW aber momentan auch kein Thema.

München - Die ausgeglichene Beschäftigung älterer und junger Mitarbeiter gewährleistet nach Einschätzung von BMW-Personalvorstand Ernst Baumann optimale Ergebnisse. Alle Unternehmen seien gut beraten, "wenn sie die unterschiedlichen Lebensalter mit ihren jeweiligen Vorzügen gut miteinander kombinieren", sagte Baumann der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag).

Bei dem Münchner Autohersteller habe man schon lange erkannt, welche Vorteile Nachhaltigkeit in der Personalpolitik habe. Ein junger Mitarbeiter könne in der Regel schnell Dinge aufnehmen, er sei sehr flexibel, entscheide rasch und gehe aktiv voran.

"Umgekehrt neigt er aber mit der nicht ausreichenden Erfahrung eher dazu, Schlüsse zu ziehen, ohne alle Konsequenzen zu beachten", sagte Baumann. "Ältere Mitarbeiter werden aufgrund ihrer Erfahrung Entscheidungen genauso schnell treffen, aber in der Regel mit einer höheren Treffsicherheit. Sie agieren in einem Gruppenzusammenspiel in der Tendenz ausgleichender, was auch in der Gruppe positiv wirkt."

"Mit Gutmenschentum hat es nicht das Geringste zu tun"

BMW  werde weiterhin vor allem in Deutschland produzieren und auch weiter Mitarbeiter einstellen, kündigte Baumann vor dem Hintergrund der Probleme anderer Automobilkonzerne an. Gegenüber dem "Handelsblatt" hatte Baumann kürzlich erklärt: "Es hat mit Gutmenschentum nicht das Geringste zu tun, auch Mitarbeiter über 40 und 50 Jahre zu engagieren. Denn langfristig rechnet sich diese Strategie für uns."

Damit agieren die Münchener anders als beispielsweise DaimlerChrysler : Der Konzern richtete im Rahmen seines Stellenabbauprogramms gezielt Anreize für Mitarbeiter ab 53 Jahren ein, das Unternehmen zu verlassen.

BMW werde in den nächsten Jahren seine Belegschaft nicht mehr vergrößern, sagte Baumann gegenüber der "SZ". Um zu verhindern, dass eines Tages auch Stellen abgebaut werden müssen, würden heute schon einige Mitarbeiter auf zukunftsträchtige Tätigkeiten umgeschult.

Baumann: Längere Arbeitszeiten könnten notwendig sein

Längere Arbeitszeiten sind für den BMW-Personalchef auch ein Mittel, um den Bedarf an qualifiziertem Personal zu decken. "Wir werden alle älter, und wir werden immer weniger", sagte Baumann. Menschen müssten womöglich auch aus dem Grund mehr arbeiten, weil es die nötige Menge an Mitarbeitern nicht mehr gebe.

Bereits im Januar hatte BMW-Chef Helmut Panke erklärt, dass der Konzern 2006 nicht mehr so stark einstellen werde wie in den vergangenen Jahren. "Wir haben so viel Personal an Bord wie wir für weiteres Wachstum brauchen", sagte er damals. BMW habe von 2001 bis 2004 in Deutschland 11.000 Arbeitsplätze geschaffen, im vergangenen Jahr wurden im Konzern allein rund 1000 Beschäftigte eingestellt. Insgesamt beschäftigt BMW weltweit 105.972 Mitarbeiter, davon rund 80 Prozent in Deutschland.

manager-magazin.de mit Material von dpa, rtr

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