Energienotstand China baut 32 Atomkraftwerke

Um seinen rapide wachsenden Energiebedarf zu sättigen und die Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren, will China in den nächsten 15 Jahren 32 neue Atomkraftwerke bauen. Die Anlagen sind jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Sein Hauptaugenmerk will das Reich der Mitte auf erneuerbare Energien setzen.

Peking - Mit dem Bau der 32 neuen Reaktoren soll dem rasant wachsenden Energiebedarf der Volksrepublik Rechnung getragen werden, erklärte der Vizedirektor der staatlichen Nuklearbehörde, Shen Wenquan, laut einem Bericht in einer Fachzeitschrift für Energiefragen.

Momentan sind in China neun Reaktoren im Einsatz. Die neuen Meiler sollen innerhalb der nächsten 15 Jahre entstehen.

Die Regierung möchte den Atomstrom künftig weitaus stärker nutzen, um die Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren. So sollen die neuen Kernkraftwerke nicht nur in den Industriegebieten an der Küste, sondern auch in einigen abgelegenen Agrarregionen entstehen.

Chinas Boomwirtschaft ist zunehmend durch die unzureichende Energieversorgung gefährdet. Unternehmen klagen immer wieder über Stromausfälle. Fabriken in den Metropolen Shanghai und Peking arbeiten im Sommer nur nachts, weil am Tage Millionen von Klimaanlagen die Räume kühlen und das Netz zusammenbricht. Die veralteten Kohlekraftwerke, die derzeit für 70 Prozent der Energie sorgen müssen, können den Bedarf kaum decken.

Wasser statt Atomenergie

Doch ohne ausreichend Energie kann China seine Wachstumsziele nicht erfüllen, und das könnte dramatische Folgen für das Land haben. Schon jetzt ziehen massenhaft verarmte Bauern auf der Suche nach Arbeit in die Städte.

Die gigantische Wanderbewegung verunsichert den Staatsapparat. Letztes Frühjahr warnte Ministerpräsident Wen Jiabao vor einer Gefahr für den sozialen Frieden im Land. Tatsächlich hat es nach Regierungsangaben 2004 rund 70.000 teilweise gewalttätige Vorfälle infolge sozialer Spannungen gegeben.

Unter dem Motto "Bescheidener Wohlstand für alle" hat China deshalb ein Programm zur Verbesserung des Lebensstandards gestartet, das von einem raschen weiteren Wirtschaftswachstum ausgeht. Bis 2020 soll das Pro-Kopf-Einkommen von derzeit knapp 1000 Dollar auf 3000 Dollar steigen. Um das Ziel zu erreichen muss China das Bruttoinlandsprodukt bis dahin vervierfachen, was im Schnitt einer Zunahme von jährlich 7 Prozent entspricht.

Ohne eine grundlegende Erneuerung der maroden Energieinfrastruktur scheint das erreichen solch ehrgeiziger Ziele unmöglich. Die neuen Atommeiler können allerdings nur einen kleinen Beitrag zur künftigen Energieversorgung liefern. Bei Vollendung der heute verkündeten Pläne würde die Kapazität der Kernkraftwerke auf 40 Gigawatt ansteigen - damit würde Atomstrom 4 Prozent der Gesamtversorgung ausmachen. Zurzeit sind es 1,59 Prozent, also weitaus weniger als die Hälfte.

Die Hauptanstrengung will China in den nächsten Jahren jedoch auf die Entwicklung erneuerbarer Energien und dabei vor allem auf die Wasserkraft setzen. Derzeit liegt der Anteil der Stromerzeugung aus Wasserkraftwerken zwischen 15 und 18 Prozent.

ap

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