AEG-Streit Wiesheu vermittelt

Der Bahn-Vorstand und langjährige bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu hat die Vermittlerrolle im AEG-Konflikt übernommen. Nach ersten Verhandlungen sprechen sowohl die IG Metall als auch der schwedische Mutterkonzern Electrolux bereits von einer „deutlichen Annäherung“.

Nürnberg/München - Bei umfangreichen und schwierigen Sondierungsgesprächen habe Wiesheu "trotz weit auseinander liegender Positionen der beiden Parteien bereits eine deutliche Annäherung bei zentralen Fragen wie dem Faktor für die Abfindungen und der Qualifizierungsgesellschaft erreicht", erklärte AEG-Mutterkonzern Electrolux . Neben Electrolux begrüßten auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und die IG Metall die Vermittlerrolle Wiesheus.

Mit dem Ex-Minister habe man einen erfahrenen Verhandlungsexperten gewinnen können, sagte Electrolux-Verhandlungsführer Horst Winkler. "Die Sondierungsgespräche geben Hoffnung dafür, dass es Herrn Wiesheu trotz der schwierigen Ausgangslage gelingen könnte, einen Kompromiss herbeizuführen", erklärte Winkler. Die Verhandlungen unter Vermittlung Wiesheus sollen heute aufgenommen werden.

Auch Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer lobte Wiesheu als erprobten Krisenmanager und sprach von "erheblicher Bewegung" in den Verhandlungen. "Wir haben einen Entscheidungsrahmen gefunden, der es uns erlaubt, jetzt konkret auf Ziel zu verhandeln", sagte Neugebauer der "Süddeutschen Zeitung". Bis zu einem Durchbruch seien aber noch "einige große Knochen zu kauen".

Fortschritte bei der Vorruhestandsregelung

Dem Zeitungsbericht zufolge gibt es auch bei der Frage der Vorruhestandsregelung für ältere AEG-Mitarbeiter eine Annäherung. Zudem hätten die geheimen Gespräche ergeben, dass nun auch über ein Gesamtpaket verhandelt werden solle, das die tarifliche Einstufung der Beschäftigten in den Dienstleistungsgesellschaften des Unternehmens einschließe.

Electrolux will das AEG-Werk Nürnberg mit 1700 Beschäftigten schließen. Die Belegschaft kämpft seit mehr als einem Monat mit einem Streik für ihre soziale Absicherung. Die Vorstellungen klafften bisher jedoch weit auseinander.

Die IG Metall hatte die Gespräche mit Electrolux vor gut einer Woche überraschend abgebrochen und einen Vermittler gefordert. Das Unternehmen habe sich nur im "Hundertstel-Bereich" bewegt, obwohl die Gewerkschaft zuvor ihr Forderungspaket um rund 10 Prozent reduziert hatte, erklärte Neugebauer.

Nach dem Schließungsbeschluss für das Nürnberger Werk befürchtet die IG Metall zudem eine ähnliche Entwicklung auch für die AEG-Fabrik im mittelfränkischen Rothenburg ob der Tauber. Dort stellen 1300 Beschäftigte Herde und Kochmulden her. Der Mutterkonzern Electrolux habe bereits mit dem Bau eines neuen Herdwerkes in Polen begonnen, das Ende 2006 die Produktion aufnehmen solle, berichtete die IG Metall in Fürth.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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