Engelhard-Übernahme Zweifelhaftes Angebot an BASF

Der US-Konzern Engelhard will BASF Einblick in seine Bücher gewähren - falls die Ludwigshafener im Gegenzug ihren feindlichen Übernahmeversuch aufgeben und "wie andere Interessenten auch" ein Stillhalteabkommen unterzeichnen. Von derlei weiteren Interessenten für eine freundliche Übernahme hat BASF jedoch keine Kenntnis.

New Jersey - Der US-Spezialchemiekonzern Engelhard will potenziellen Bietern nur im Zusammenhang mit einem Stillhalteabkommen Einsicht in seine Bücher gewähren. Für den Interessenten BASF  komme eine Einwilligung - und damit der Blick in Engelhards Bücher - einem Verzicht auf sein 4,9 Milliarden Dollar schweres feindliches Übernahmeangebot gleich, hieß es am Dienstag aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen.

Das bisherige Angebot des weltgrößten Chemiekonzerns aus Ludwigshafen von 37 Dollar je Aktie in bar hat Engelhard bisher abgelehnt.

Wie am Dienstag aus einer Mitteilung Engelhards an die US-Börsenaufsicht SEC hervorging, haben alle potenziellen Käufer für die Büchereinsicht ein Vertraulichkeitsabkommen unterzeichnet - außer BASF. Damit machte das Unternehmen klar, dass es außer den Ludwigshafenern noch andere Interessenten gibt.

Um welche Unternehmen es sich dabei handelt, teilte Engelhard nicht mit. Die Interessenten müssen demnach zunächst ein Stillhalteabkommen unterzeichnen. Das bedeutet, dass, wenn kein Geschäft zustandekommt, der Bieter diese Informationen nicht für ein Gebot ohne die Zustimmung des Unternehmens nutzen darf.

Zugang zu den Daten nur bei freundlicher Übernahme

Sollte BASF das Vertraulichkeitsabkommen unterzeichnen, würde sich somit die Tür für freundliche Übernahmeverhandlungen mit Engelhard öffnen, auch wenn das US-Unternehmen auch mit anderen potenziellen Bietern Gespräche führt.

Hält BASF dagegen an seiner feindlichen Offerte fest, dann dürften die potenziellen Konkurrenten einen Vorteil durch den Zugang zu den Daten des Übernahmekandidaten haben.

Entwurf für Vertraulichkeitsabkommen erhalten

BASF bestätigte am Dienstag den Erhalt eines Entwurfs für ein Vertraulichkeitsabkommen. Der Konzern habe diesen Entwurf in Reaktion auf eine Anfrage um nicht-öffentliche Informationen über Engelhard erhalten.

"Wir sind im Prozess, den Entwurf zu überprüfen und werden zu diesem Zeitpunkt keine weitere Stellungnahme abgeben", erklärte der Konzern. Engelhard teilte mit: "Das BASF zugesandte Abkommen ist dasselbe, das im eingeleiteten Prozess der Erforschung strategischer Alternativen zur Wertsteigerung für die Aktionäre auch anderen zugeschickt wurde."

BASF: "Keine Kenntnis von weiteren Interessenten"

"Keine Kenntnis von weiteren Interessenten"

BASF habe keine Kenntnis über weitere Interessenten für den US-Spezialchemiekonzern Engelhard. Das sagte das Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski am Mittwoch in Ludwighafen. Gleichzeitig bestätigte er, dass der BASF ein Vertraulichkeitsabkommen von Engelhard zugestellt worden sei.

Engelhard wäre der größte Zukauf in der Firmengeschichte von BASF. Dass mehr als die bislang gebotenen 37 Dollar möglich sind, hatten die Ludwigshafener schon angedeutet. Wenn die Amerikaner Einblick in die Bücher gewährten und die Erkenntnisse daraus es rechtfertigten, wären 38 Dollar je Aktie drin, hatte BASF im Januar mitgeteilt.

Allerdings hat Engelhard selbst einen Preis von 38 Dollar je Aktie als nicht ausreichend für den Eintritt in Verhandlungen gesehen. Um sich die Anteilsmehrheit zu sichern, muss BASF mehr als 65 Millionen Aktien der Spezialchemie-Firma einsammeln. Im Umlauf waren nach früheren BASF-Angaben rund 120 Millionen Engelhard-Aktien, hinzu kamen elf Millionen aus laufenden Optionsprogrammen.

rtr