Airbus vs. Boeing Showdown in Singapur

Nach den Rekorden im Vorjahr werden die beiden Flugzeughersteller Airbus und Boeing 2006 offenbar Einbußen bei den Bestellungen hinnehmen müssen. Auf der Luftfahrtmesse Asian Aerospace in Singapur überbieten sich die Konkurrenten derzeit mit Plänen, um im Wettbewerb am Jahresende die Nase vorn zu haben.

Singapur - Der europäische Flugzeugbauer Airbus rechnet 2006 mit deutlich weniger Flugzeugbestellungen als im vergangenen Jahr. Sowohl die Tochter des EADS-Konzerns  als auch sein Konkurrent Boeing  könnten wohl nur noch mit jeweils 800 Bestellungen rechnen, sagte Airbus-Vertriebschef John Leahy auf der Luftfahrtmesse Asian Aerospace in Singapur. Airbus und Boeing verbuchten im vergangenen Jahr die Rekordzahl von insgesamt 2057 Bestellungen.

In den kommenden Monaten dürften sich mehrere Fluggesellschaften für das 2010 zur Auslieferung anstehende Airbus-Modell A350 entscheiden, sagte Leahy. Außerdem rechne er mit zwei neuen Kunden für das Großraumflugzeug A380 in diesem Jahr.

Angesprochen auf mögliche neue Modelle, sagte Leahy, es werde unter anderem an Plänen für einen auf 1000 Sitzplätze erweiterten A380 und eine Frachtversion des A330-200 Passagierflugzeugs gearbeitet. Fluggesellschaften hätten auch angefragt, ob Änderungen am A340 vorgesehen seien. Das Flugzeug ist hinter das Konkurrenzmodell Boeing 777 zurückgefallen, da angesichts gestiegener Treibstoffpreise zunehmend verbrauchsärmere Flugzeuge verlangt werden.

Im globalen Wettkampf mit Boeing will Airbus verstärkt durch industrielle Kooperation in Führung bleiben. "Wir verkaufen überall in der Welt, jetzt stellen wir uns auch industriell überall auf", sagte Airbus-Vorstandschef Gustav Humbert auf der Luftfahrtmesse. Eine Schlüsselrolle fällt dabei nach Angaben von Humbert Asien zu. Derzeit untersuche das Unternehmen gemeinsam mit chinesischen Partnern Standorte für eine mögliche Endlinie der A320-Familie in China.

Ein Risiko für die bereits bestehenden A320-Endlinien in Hamburg und Toulouse sieht Humbert nicht davon ausgehen. "In China denken wir über vier Flugzeuge pro Monat nach. Das reicht noch nicht einmal für die dortige Nachfrage", sagte der Airbus-Chef.

Airbus plant Joint Venture in Indien

Airbus plant Joint Venture in Indien

Auch in Indien sieht Humbert Kooperationsmöglichkeiten. Dort plant Airbus ein Joint Venture für ein Technik- und Servicecenter, aus dem die schnell wachsende indische Luftfahrtbranche direkt beliefert werden kann. Der Airbus-Chef hofft, bis zum Ende des Jahres die ersten Verträge abgeschlossen zu haben.

Das geplante Servicecenter soll sich auf Informationssoftware konzentrieren. Im Technikbereich will Airbus Luftfahrtingenieure beschäftigen und die Teilmontage von Komponenten etablieren. Wer mögliche Joint-Venture-Partner in Indien und wie hoch die geplanten Investitionen seien, sagte Humbert nicht. Indiens Luftverkehr wächst derzeit sowohl im Passagier als auch im Transportbereich jährlich um rund 25 Prozent.

Darüber hinaus strebt Airbus eine engere Verzahnung mit der russischen Luftfahrtindustrie an. "Wir sprechen über eine Partnerschaft auf Lebenszeit", sagte der Leiter des Bereichs Unternehmensentwicklung, Axel Krein, dem "Handelsblatt". Die russische Industrie könnte dann möglicherweise über einen längeren Zeitraum hinweg jährlich mit einem Umsatzvolumen von rund einer Milliarde Dollar rechnen. Unter Berufung auf Kreise schreibt die Zeitung weiter, Russland werde in die Entwicklung eines A320-Nachfolgers eingebunden. Außerdem gelte es als sicher, dass Airbus eine Beteiligung an einem neuen russischen Luftfahrtkonsortium anstrebt, berichtet die Zeitung.

Präsident Wladimir Putin habe im Februar einen Erlass unterzeichnet, der die Vereinigung aller Flugzeughersteller des Landes in einer staatlich kontrollierten Gesellschaft vorsehe. In der Holding namens United Aircraft sollen die beiden Kampfflugzeughersteller Mig und Sukhoi, die zivilen Flugzeugbauer Tupolew und Iljuschin sowie weitere Firmen gebündelt werden.

Boeing setzt auf starke Familie

Boeing setzt auf starke Familie

Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing will dagegen durch eine immer stärkere Familienstruktur innerhalb seiner Produktpalette weiter Marktanteile gegenüber Airbus gewinnen. "Wir haben weniger Familienmitglieder - diese bieten aber mehr Möglichkeiten", sagte Boeing-Entwicklungsdirektor Dan Mooney auf der Flugmesse.

Kernstück der Produktpalette sind die Boeing 777- und 787-Baureihen mit ihren jeweils unterschiedlich großen Versionen. Damit will Boeing den Markt für Flugzeuge mit Platz für 200 bis 400 Passagiere abdecken. Die 777 wurde seit ihrem Start Anfang der 90er Jahre nach Angaben von Mooney mehr als 800 Mal verkauft. Die neue 787 soll 2008 in den Linienbetrieb gehen. Für das Segment der 100- bis 200-Sitzer bietet das Unternehmen weiterhin die erfolgreiche 737-Baureihe an.

Neuen Erfolg im Segment der Jets für 400 und mehr Passagiere soll die neue Jumbo-Variante 747-8 bringen. Boeing kündigte im Herbst 2005 an, das Programm starten zu wollen. "Das Flugzeug wird die Erfahrung der 777 mit der neuen Technologie aus der 787 verbinden", kündigte Mooney an.

Für die Frachtversion liegen bereits Bestellungen von Cargolux und Nippon Cargo vor. Einen Erstkunden für die Passagierversion der 747-8 konnte Boeing auch in Singapur noch nicht nennen. "Wir führen sehr intensive Verkaufsgespräche", sagte Mooney.

Durch die stärkere Integration innerhalb der Produktfamilie können die Fluggesellschaften nach Einschätzung von Boeing ihre Wartungs- und Betriebskosten senken. So sollen zum Beispiel aufwändige Schulungsprogramme für Piloten oder Wartungstechniker beim Wechsel zwischen einzelnen Modellen entfallen.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters, vwd