Übernahme Goldene Aktie gefährdet Eon-Plan

Spaniens Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero hat Medienberichten zufolge Eon darüber informiert, dass er eine Übernahme Endesas durch Deutschlands größten Energiekonzern ablehne. Eon hatte am Dienstag ein Barangebot in Höhe von 29,1 Milliarden Euro für den spanischen Energieversorger Endesa vorgelegt.

Madrid - Damit überbot Eon  die bereits von der Regierung in Madrid gebilligte knapp 22 Milliarden Euro schwere Offerte des spanischen Konzerns Gas Natural  deutlich.

Die spanische Tageszeitung "El Pais" berichtete in ihrer Mittwochausgabe, Zapatero habe dem Eon-Vorstand in Madrid gesagt, ihm missfalle die Offerte. Zudem habe er zum Ausdruck gebracht, dass die Regierung Endesa  als strategisch wichtig für das Land betrachte.

Die spanische Regierung suche nach rechtlichen Möglichkeiten, um das Geschäft zu verhindern, hieß es in dem Bericht weiter. Sie habe die Möglichkeit, ein Veto einzulegen, da sie über eine so genannte Goldene Aktie ("golden share") verfüge, die noch bis Juni 2007 gültig sei.

Auch die Zeitung "El Mundo" berichtete auf ihrer Internet-Seite, Zapatero habe Eon-Chef Wulf Bernotat gesagt, er lehne die Offerte ab. In Regierungskreisen hieß es jedoch, Zapatero sei nicht soweit gegangen, das Geschäft abzulehnen. Er habe vielmehr gesagt, die Auswirkungen der Offerte müssten analysiert werden.

Zapateros Sprecher Fernando Moraleda hatte zuvor dem Radiosender "SER" gesagt, Spanien werde alle Regeln des Marktes respektieren. Er fügte jedoch hinzu: "Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, damit die Spanier einen Energie-Sektor haben, dessen Basis und Mutter national sind." Für Spaniens Regierung würde der Eon-Vorstoß das Ende der Pläne bedeuten, einen großen nationalen Energieversorger zu schmieden. Eon will durch die Übernahme an die Weltspitze der Strom- und Gasversorger rücken.

Die EU-Kommission hat Spanien unterdessen zum Verzicht auf den Griff zur Goldenen Aktie zur Abwehr der Eon-Übernahmeofferte für Endesa gedrängt. Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy wolle die spanischen Behörden daran erinnern, im spanischen Energiemarkt keine speziellen Rechte, die gegen EU-Regeln verstoßen, geltend zu machen, sagte sein Sprecher in Brüssel.

Endesa bezeichnete das Angebot als nicht angemessen. Zusammen mit den Schulden, Rückstellungen und Restrukturierungskosten des spanischen Stromriesen geht es für Eon um ein Gesamtvolumen von gut 55 Milliarden Euro. Dies wäre die teuerste Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland.

reuters