Flugzeugbau Putin plant Airbus-Gegner

Russlands Präsident Wladimir Putin setzt alles daran, seinen Einfluss auf strategisch wichtige Unternehmen zu verstärken. Jüngster Coup ist die Gründung einer staatlichen Gesellschaft, in der sich alle privaten Flugzeughersteller des Landes vereinen sollen. Damit könnte ein bedeutendes Gegengewicht zu Airbus und Boing entstehen.

Moskau - Russland will die Flugzeughersteller des Landes in einer staatlich kontrollierten Körperschaft zusammenschließen. Präsident Wladimir Putin habe einen entsprechenden Erlass bereits unterzeichnet, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Vorgesehen sei der Zusammenschluss aller zivilen und militärischen Flugzeugbauer - ohne die Hubschrauberhersteller - in einer Gesellschaft.

Mit der Initiative will Russland seine marode Luftfahrtindustrie wieder beleben, die sich seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 in der Rezession befindet. Die neue Gesellschaft soll Schätzungen aus Regierungskreisen zufolge einen Jahresumsatz von sieben bis acht Milliarden Dollar erwirtschaften.

Russland will sich auf diesem Weg gegen die zunehmend stärker werdende Konkurrenz aus dem Ausland rüsten. Sowohl der amerikanische Flugzeughersteller Boeing  als auch dessen europäischer Erzrivale Airbus haben angekündigt, ihren Marktanteil in Russland weiter auszubauen.

Präsident Putins Hang zur Verstaatlichung privater Unternehmen drückt sich auch noch in einer weiteren Initiative aus. Der russische Regierungschef will den neuen Posten eines stellvertretenden Ministerpräsidenten für natürliche Monopole schaffen, der für die Bodenschätze zuständig ist. Das berichtet die örtliche Zeitung "Wremja Nowostei".

Rüstungsagentur bootet GM aus

Als Favorit für das neue Amt gilt dem Bericht zufolge Putins langjähriger Vertrauter Wladimir Kogan, der früher die St. Petersburger Promstroibank besessen hatte. Der Präsident könnte die Personalie bereits am kommenden Montag bekannt geben.

In jüngerer Vergangenheit hat die Kritik an den verstärkten staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft Russlands zugenommen. Für Aufsehen hatte beispielsweise das zunehmende Engagement des staatlichen Gasmonopolisten Gazprom  beim marktbeherrschenden Stromkonzern Unified Energy System gesorgt, das Kritikern zufolge einer ursprünglich beabsichtigten Öffnung des Marktes entgegenläuft.

Nach Medienberichten hat die russische Regierung auch ihr Engagement im Automobilsektor verstärkt. So nutze sie etwa die Rüstungsagentur Rosoboronexport - dessen Vorsitzender ein Freund von Putin ist -, um den US-Autokonzern General Motors  aus seinem wichtigen Joint Venture mit dem russischen Lada-Produzenten Avtovaz zu drängen. Die Agentur hat bereits die gesamte Führungspitze von Avtovas übernommen. Ähnlich wird angeblich beim russischen Lkw-Hersteller Kamaz vorgegangen.

Titan-Engpass droht

Und erst gestern erklärte ein Miteigentümer des weltweit führenden Herstellers von Titanprodukten, VSMPO-Avisma, die Führung des Landes versuche, die Herrschaft über das Unternehmen zu gewinnen. Die Regierung wolle das Unternehmen in eine staatliche Holding integrieren, um ausländische Investoren weiter fernzuhalten.

Die Flugzeugbranche befürchtet bereits einen Engpass des für sie so wichtigen Rohstoffes, wenn VSMPO-Avisma verstaatlicht wird. Das Unternehmen deckt rund 30 Prozent des Weltbedarfs ab und ist eine der wettbewerbsfähigsten Firmen Russlands. Der Titanhersteller setzt rund 400 Millionen Dollar um und fuhr 2003 einen Gewinn in Höhe von 40 Millionen Dollar ein.

manager-magazin.de mit Material von rtr