Montag, 6. April 2020

Airbus Flügel weg, Test bestanden

Bei einem Test der A380 hat eine Tragfläche Risse bekommen. Im Entwicklungsprogramm ist das Routine, doch die Meldungen darüber erschütterten die Flugzeugwelt und den Börsenkurs der Airbus-Mutter EADS. Die bemüht sich nun um Schadensbegrenzung, am Flieger wie am Image.

Hamburg/Toulouse - Die Zahl schien zu unscheinbar, zu speziell. Als David Vosskuhl am vergangenen Donnerstag in den Feierabend ging, hatte er kurz zuvor eine Notiz auf den Schreibtisch bekommen. Es ging um Testreihen, die der Airbus A380 gerade absolviert. Fachpublikationen hatten darüber schon mehrfach berichtet. Nun wurde gemeldet, ein Grenzwert sei knapp verfehlt worden. Kleinkram.

Fit für den ersten Kunden? Eine A380, schon in den Farben der Singapore Airlines
"Zwischenfall bei Statik-Test - Riss in Tragfläche des Airbus A380". So stand es am nächsten Morgen in den Zeitungen. Und Pressesprecher Vosskuhl hatte alle Hände voll zu tun mit den Anfragen der Medien. Eine Agentur hatte gar geschrieben, ein Flügel sei gebrochen. Das las sich verheerend. Das weltgrößte Flugzeug, 10 Milliarden Euro Entwicklungskosten, erste Liefertermine noch in diesem Jahr, es stand ohne Flügel da.

Passiert war folgendes: Die Tragfläche eines Testflugzeugs sollte im Test das 1,5-Fache der Last aushalten, die maximal im Flugbetrieb auftritt. Doch zeigte das Teil schon Risse, als man die Belastung vom Faktor 1,45 auf 1,5 erhöhte. Um 7,40 Meter war der Flügel da verbogen.

Airbus versuchte zu beschwichtigen. Man sei zuversichtlich, die Anforderungen noch zu erfüllen, "eventuell mit einigen Optimierungen".

Das weckte eher mehr Misstrauen. Drei Versuchsflugzeuge der A380 fliegen bereits. Darf man in diesem Stadium noch an der Konstruktion der Tragflächen herumbasteln? Das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL verwies auf die sportlichen Vorgaben zur Gewichtsersparnis, nach denen das Flugzeug konstruiert ist. War an der falschen Stelle gespart worden? Die Aktie des EADS-Konzerns Börsen-Chart zeigen stürzte ab, um über 7 Prozent.

Zwar versuchte die europäische Zulassungsbehörde EASA (European Aviation Safety Agency) ebenfalls, die Wogen zu glätten. Man müsse sich nun mit Airbus zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung finden, hieß es. An der Bedingung, dass die Konstruktion den Belastungsfaktor 1,5 verkraften muss, werde allerdings nicht gerüttelt. Das klang wie ein Widerspruch: Ist der Wert nun verhandelbar oder nicht?

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