Infineon-HV Vorstand bittet Aktionäre um Geduld

Aktionäre haben auf der Hauptversammlung das Management des Chipherstellers Infineon scharf angegriffen. Beifall erntete dagegen Aufsichtsratschef Dietrich Kley. Mit Blick auf die laufende Sanierung bat Vorstandschef Wolfgang Ziebart die Aktionäre um Geduld.

München - Die Spitze des Chipherstellers Infineon  ist auf der Hauptversammlung von Aktionärsschützern scharf angegriffen worden. "Jahr für Jahr ist Infineon eine Enttäuschung für die Aktionäre", sagte Daniela Bergdolt, Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), am Donnerstag in München.

Scharf kritisiert wurde unter anderem die Entscheidung, die Aktionäre nicht über die geplante Abspaltung der Chipsparte abstimmen zu lassen. Infineon-Chef Wolfgang Ziebart verteidigte unterdessen die Entscheidung.

Infineon will den Geschäftsbereich Speicherprodukte, der rund 40 Prozent des Umsatzes ausmacht, bis zum 1. Juli in eine rechtlich selbstständige Einheit ausgliedern. "Fokussierte Unternehmen bieten den Aktionären ein klares Profil", sagte Ziebart vor den Aktionären. Sie passten sich besser den Kunden an, gäben den Mitarbeitern eine klare Vision und "sind damit in der Regel erfolgreicher".

Der Aufsichtsrat von Infineon hatte im November die Abspaltung beschlossen und Ziebart zufolge eine "überwältigende Zustimmung sowohl von Seiten der Anteilseigner als auch von Seiten der Kunden erhalten". Nach der Abspaltung soll die Sparte an die Börse gebracht werden.

"Sie fürchten Anfechtungsklagen"

Aktionärsschützerin Bergdolt befürwortete zwar die geplante Abspaltung der Speicherchip-Sparte, übte aber heftige Kritik an der Vorstandsentscheidung, die Aktionäre nicht über die Maßnahme abstimmen zu lassen. "Sie fürchten Anfechtungsklagen", sagte die DSW-Vertreterin. Auch Willi Bender, der für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) das Wort ergriffen hatte, sagte: "Es ist für die Aktienkultur nicht gut, dass wir darüber nicht entscheiden dürfen."

Viele Aktionäre zeigten sich von den Ausführungen Ziebarts nicht überzeugt. Anteilseigner Martin Voigt stellte den Antrag, alle Schritte zur Aufspaltung von Infineon zu stoppen. Aktionär Matthias Gäbler warf Ziebart, der seit knapp anderthalb Jahren an der Spitze von Infineon steht, vor: "Sie haben die Wende nicht geschafft."

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2005/06 (Oktober bis Dezember) hatte Infineon einen Verlust von 183 Millionen Euro erzielt nach einem Gewinn von 142 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Sanierung: Ziebart bittet Aktionäre um Geduld

Bei der Sanierung bat Ziebart die Aktionäre um Geduld. Die Verlustbringer Kommunikation und Chipkarte erreichten im Startquartal des nächsten Geschäftsjahrs die schwarzen Zahlen. "Wir wollen in den Bereichen, wo wir sehr erfolgreich sind, stärker als der Markt wachsen." In der Sparte Automobil-, Industrieelektronik und Chipkarten erwartete Ziebart weiteres Wachstum. Das Logik-Unternehmen "Infineon Neu" habe deshalb eine gute Ausgangsposition.

Die Restrukturierung sei gut vorangekommen, sagte Ziebart weiter. Die Kosten wurden demnach deutlich gesenkt, unrentable Geschäftsfelder verkauft oder eingestellt, das technisch überholte Werk in München-Perlach wird zum Jahresende 2006 dicht gemacht.

Bender von der SdK konnten Ziebarts Ausführungen nicht überzeugen. "Es wurde wieder Kapital der Eigentümer verbrannt." Die Aktionäre der ersten Stunde hätten zwischen 70 und 90 Prozent ihres Kapitals verloren.

Abfindungsvertrag mit Schumacher aufgehoben

Beifall der Anteilseigner erntete auf Seiten des Managements lediglich der Aufsichtsratsvorsitzende Max Dietrich Kley, als er verkündete, dass sowohl der Abfindungs- als auch der Anstellungsvertrag des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher aufgehoben worden sei. Interne und staatsanwaltschaftliche Untersuchungen hätten Fakten zu Tage gebracht, die das Unternehmen zum Handeln gezwungen hätten, begründete Kley den Schritt.

Schumacher hatte mit seinem ehemaligen Arbeitgeber eine Abfindung von 5,25 Millionen Euro vereinbart. Die erste Rate ist bereits ausgezahlt, die zweite noch nicht. Ob Schumacher die bereits gezahlte Abfindung behalten darf, sei noch offen, wurde erklärt.

Die im Leitindex Dax  notierte Aktie schloss am Donnerstag rund 0,40 Prozent leichter auf 8,17 Euro. Auf diesem Niveau dümpelt das Papier seit rund eineinhalb Jahren.

ddp/ap