Commerzbank Auf Akquisitionskurs

Die Commerzbank hat das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte erwirtschaftet, doch Klaus-Peter Müller, Vorstandssprecher des Finanzhauses, gibt sich spröde bei seiner Renditeprognose. Zugleich befeuert er jedoch die Kursfantasie - die Pläne für eine Akquisition im Ausland seien sehr konkret.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Ein noch größeres und vor allem stabileres Haus Commerzbank will Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller bauen - das Ziel liegt für das laufende Geschäftsjahr bei 10 Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern. Sehr ambitioniert ist das nicht, zumal bei steuerlich nutzbaren Verlustvorträgen von 3,5 Milliarden Euro.

Das zweitgrößte Finanzhaus Deutschlands hat bereits im Geschäftsjahr 2005 eine um die Erträge aus Beteiligungsverkäufen bereinigte Eigenkapitalrendite von 9,6 Prozent erwirtschaftet. Müller gibt sich wie immer konservativ - aus gutem Grund. Erst Ende April steht das Modell für die Zusammenarbeit zwischen der Commerzbank und der Eurohypo.

Im November vorigen Jahres hatte die Commerzbank Europas größten Immobilienfinanzierer für 4,5 Milliarden Euro übernommen. Im Mai sei es dann an der Zeit, den mit der jetzigen Renditevorgabe bestehenden "Raum für Fantasie" auszuloten, kündigte Müller an. Allerdings dürfte es bei zurückhaltenden Prognosen bleiben. Denn nach der Phase der Kostensenkungsmaßnahmen müssen nun Renditeverbesserungen vor allem aus Ertragswachstum kommen.

An der einen oder anderen Stelle könne die Commerzbank noch die Kosten drücken, sagte Müller. So bestehe noch Potenzial im Bereich der IT, wo der für diesen Bereich verantwortliche Vorstand, Martin Blessing, "Handlungsbedarf" sieht. Bis zum Jahr 2008 sollen dort etwa 20 Prozent eingespart werden.

Für die nächsten Jahre wird der Commerzbank-Chef dann doch noch etwas fordernder, die Eigenkapitalrendite soll schließlich auf 15 Prozent steigen. Das ließ die Commerzbank-Aktie  schließlich in einem nur stabilen Gesamtmarkt zeitweise um knapp 2 Prozent zulegen, zumal Müller auch in Aussicht stellt, dass die Commerzbank auf Akquisitionskurs bleibt. Zwei interessante Angebote aus dem In- und Ausland habe er auf Tisch liegen, avisierte Müller unlängst.

Das eine Angebot sei die Berliner Bank, die von der Bankgesellschaft Berlin verkauft werden muss. Allerdings stehen insgesamt 22 Institute und Finanzinvestoren in der Bieterschlange. Der Vorstandssprecher stellte klar, dass sein Haus nicht automatisch auch für die ebenfalls zur Privatisierung anstehende Bankgesellschaft Berlin bieten werde, wenn sie bei der Berliner Bank nicht den Zuschlag erhält.

Elektrisierender ist indes Müllers Ankündigung, dass die Pläne für den Zukauf im Ausland "sehr konkret" seien. Genauere Auskünfte gebe er aber nicht, da er den Wettbewerbern "nicht in die Puschen helfen" wolle. Die Commerzbank hat bei Zukäufen vor allem das Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden im Blick. Geografisch stehen Mittel- und Osteuropa im Interesse des Bank, wenngleich er nicht bereit sei, den vier- oder fünffachen Buchwert zu bezahlen, wie dies in Russland oder der Ukraine der Fall sei. Die Commerzbank ist in Polen bereits mit dem polnischen Institut BRE im Privatkundengeschäft positioniert.

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