Airbus Wohin mit der chinesischen Fabrik?

Airbus will bald Flugzeuge in China bauen. Das hatte die Regierung des Landes zur Bedingung gemacht, bevor die größte Bestellung in der Unternehmensgeschichte unterzeichnet wurde. Während man sich in Deutschland noch um nachwachsende Konkurrenz sorgt, ist in China schon der Standort-Wettbewerb entbrannt.

Hamburg - Die Vorbereitungen des Flugzeugherstellers Airbus für eine eigene Montagefabrik in China kommen voran. Im Moment wird geprüft, welche Städte sich als Standort eignen. Zu den Favoriten soll Shanghai gehören.

Möglichst schon bis zum Juli wollen die Planer bei Airbus eine Entscheidung gefällt haben. Dann soll die Machbarkeitsstudie fertig sein, an der zurzeit gearbeitet wird, wie Airbus-Sprecher Rolf Brandt auf Nachfrage bestätigte. Zu der Untersuchung gehöre auch, dass man sich mögliche Standorte in China ansehe und entscheide, ob sie tauglich sind.

Einem Bericht der Hongkonger "South China Morning Post" zufolge rangeln vier chinesische Städte um den prestigeträchtigen Zuschlag. Die besten Chancen hätten die Provinzhauptstadt Xian im Landeszentrum und die Metropole Shanghai.

Während Shanghai Airbus einen großen Produktionsstandort südlich des Großflughafens Pudong anbiete, versuche Xian mit Know-how zu punkten - die China Aviation Industry Corporation betreibt in der Stadt bereits ein Forschungszentrum, allerdings gemeinsam mit dem Airbus-Konkurrenten Boeing .

Auch die Standorte Zhuhai und Tianjin gehören laut "Morning Post" zu den Bewerbern. Die Millionenstadt Zhuhai, unweit von Macao und Hongkong am Perlfluss gelegen, lockt mit einem kostspieligen Großflughafen, der zurzeit noch völlig unausgelastet ist. Tianjin im Norden soll nur Außenseiterchancen haben. 

Airbus wollte offiziell nicht bestätigen, welche und wie viele Städte überprüft werden.

Know-how-Verlust gefürchtet

Riskante Manöver im Ringen mit Boeing

Auch die weiteren Vorbereitungen scheinen voranzukommen: Laut "Hamburger Abendblatt" ist vor wenigen Tagen der Leiter des China-Projektes benannt worden. Die Entscheidung sei auf den Hamburger Standortchef Ulrich Weber gefallen. Auch dazu wollte Airbus keine Stellung nehmen.

Die Städtekür in der Volksrepublik ist Teil eines Tauschgeschäftes: Im Dezember hatte der chinesische Premier Wen Jiabao bei einer Visite in Frankreich eine Zehn-Milliarden-Dollar-Bestellung für 150 Regional-Airbusse vom Typ A320 unterzeichnet - es war die größte Einzelbestellung in der Geschichte des Unternehmens. Airbus-Chef Gustav Humbert sicherte im Gegenzug zu, den Bau einer Montagelinie in China ins Auge zu fassen.

Wird das Werk gebaut, sollen dort vier Flugzeuge pro Monat endmontiert werden, bestätigte Airbus-Sprecher David Voskuhl. Dabei werde es sich um Single-aisle-Flugzeuge, also um Mittelstreckenmaschinen wie den A320 handeln. Bisher werden die Typen A318, A319 und A321 in Hamburg montiert, der besonders erfolgreiche A320 in Toulouse.

Know-how-Verlust befürchtet

Der Aufbau der Montagelinie in China soll Airbus Pluspunkte im Wettstreit mit Boeing verschaffen. Zuletzt lagen die Amerikaner auf dem boomenden chinesischen Flugzeugmarkt mit einem Marktanteil von 67 Prozent klar in Führung. Humbert hofft, bis 2013 gleichziehen zu können.

Die Fertigung in Fernost werde nicht zu Lasten europäischer Werke gehen, versichert der Airbus-Chef. Kritiker monieren indes, das Montageprojekt werde zu einem Know-how-Verlust führen und den Chinesen ermöglichen, mittelfristig eigene Flugzeuge herzustellen - und damit dem Noch-Partner Airbus Konkurrenz zu machen.

Matthias Streitz

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