Konjunktur Optimismus für 2006 steigt

Trotz einer Wachstumspause zum Jahresende 2005 stehen die Zeichen in der deutschen Wirtschaft weiter auf Aufschwung. Die Firmen blicken laut DIHK-Umfrage so optimistisch in die Zukunft wie seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr. Das Institut erhöht seine Wachstumsprognose für 2006.

Köln - "Damit springt die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland endlich auf den Zug der Weltkonjunktur auf", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Dienstag zur Umfrage unter 25.000 Firmen. Auch die Finanzmärkte blieben zuversichtlich: Das ZEW-Konjunkturbarometer stabilisierte sich auf hohem Niveau.

Zum Jahresende 2005 hatte die deutsche Wirtschaft stagniert und dabei vor allem unter sinkenden Ausgaben der Verbraucher gelitten. Allein steigende Investitionen der Unternehmen lieferten Wachstumsimpulse.

Trotz der Wachstumspause erwarten Bundesregierung und Experten, dass die Erholung in Deutschland an Breite gewinnt. "Der Aufschwung ist nicht unterbrochen", sagte Stephan Rieke von der BHF-Bank. Wie andere Volkswirte geht er davon aus, dass die Konjunktur schon seit Jahresbeginn wieder angezogen hat.

DIHK erhöht Prognose auf zwei Prozent - Unternehmen investieren

Nach der traditionellen Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) steht die Wirtschaft vor einem kräftigen Aufschwung, der allmählich auch den Arbeitsmarkt erreicht. "Die Vorzeichen für 2006 sind so günstig wie seit fünf Jahren nicht mehr", sagte Wansleben.

Die Firmen erwarten stark wachsende Exporte und sind so investitionsfreudig wie zuletzt vor elf Jahren. Der Abbau von Vollzeitstellen komme zum Stillstand, im Jahresschnitt werde die Arbeitslosenzahl um 200.000 sinken. Angesichts der guten Firmenstimmung erhöhte der DIHK seine Wachstumsprognose für Deutschland auf 2,0 von 1,5 Prozent - und ist damit deutlich optimistischer als die Bundesregierung und die meisten Volkswirte.

"Stimmung ist etwas besser als die Lage"

Für einige Experten kam die Stagnation der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal überraschend. Im Sommer war Deutschlands Wirtschaft noch um 0,6 Prozent zum Vorquartal gewachsen. "Positive Wachstumsimpulse kamen im Vorquartalsvergleich ausschließlich von den Investitionen, insbesondere von den Bauten", erklärten nun die Statistiker. Dagegen bremsten die sparsamen Verbraucher erneut das Wachstum. Der Konsum sank nach bisherigem Stand damit erstmals vier Quartale in Folge.

Trotz der noch schwachen Binnennachfrage gewinnt die Erholung nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) 2006 an Breite. Wichtige Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima - das im Januar ein Fünfeinhalb-Jahres-Hoch erreicht hatte - zeigten, dass sich die Lage der Wirtschaft bessere. Auch Jörg Lüschow von der WestLB sagte, der Aufschwung sei keinesfalls vorbei. "Es zeigt sich aber, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, was manch einer sich vielleicht angesichts der Stimmungsindikatoren erhofft hatte", mahnte Lüschow. "Die Stimmung ist im Moment etwas besser als die wirkliche Lage."

ZEW-Index und ifo-Index schüren Optimismus

Den aktuellen Konjunktur-Optimismus belegte der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der zwar auf 69,8 von 71,0 Punkten sank, aber immer noch deutlich über dem historischen Mittelwert von 34,9 Zählern lag. Das Mannheimer ZEW selbst wie auch Volkswirte gehen davon aus, dass sich das Stimmungsbarometer im kommenden Monat auf diesem hohen Niveau stabilisiert. Allerdings räumte Andreas Scheuerle von der DekaBank ein: "Die Luft nach oben ist einfach dünner geworden bei den Erwartungsindikatoren."

Auch in anderen Ländern wie den USA oder Frankreich hatte die Konjunktur im vierten Quartal an Schwung verloren, während die Wirtschaft in Spanien und den Niederlanden erneut kräftig wuchs. In der gesamten Euro-Zone halbierte sich das Wachstum Ende 2005 auf 0,3 nach 0,6 Prozent im Vorquartal.

reuters

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