Aktienrückkauf VW schenkt Porsche mehr Macht

Wenn der VW-Konzern wie geplant 13 Prozent seiner Stammaktien einzieht, erhält Großaktionär Porsche automatisch mehr Macht. Porsche kann sogar eine Sperrminorität erreichen – ohne einen Cent dazu zu bezahlen. Die VW-Kursrally beschert Porsche ohnehin bislang eine zweistellige Rendite.

Stuttgart - Der Sportwagenbauer Porsche  ist auf dem besten Weg, sich eine Sperrminorität bei Volkswagen  zu sichern. "Wenn VW wie angekündigt eigene Stammaktien einzieht, steigt damit automatisch der von Porsche gehaltene Anteil inklusive der Kaufoption auf mehr 25 Prozent", sagte Analyst Frank Biller von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Porsche ist seit Oktober mit 18,53 Prozent größter VW-Einzelaktionär. Nach eigenen Angaben hat sich Porsche zudem eine Option über den Kauf weiterer 3,4 Prozent an VW gesichert und würde dann knapp 22 Prozent der Anteile halten.

Am Freitag hatte Volkswagen angekündigt, 41,7 Millionen Stammaktien aus eigenem Besitz einziehen zu wollen. Damit würde sich die Gesamtzahl der Stammaktien von rund 320 Millionen auf rund 280 Millionen Stück reduzieren. Ein entsprechender Beschluss soll am 24. Februar auf der Aufsichtsratssitzung verabschiedet werden.

Zustimmung des Aufsichtsrates gilt als sicher

Nach Angaben des "Handelsblatt" gilt die Zustimmung des Aufsichtsrates als sicher. Das Kontrollgremium dürfte dem Aktienrückkauf zustimmen, weil mit einer Sperrminorität für Großaktionär Porsche der Schutzwall gegen feindliche Übernahmen gestärkt werde.

Wenn VW wie geplant 13 Prozent der eigenen Aktien einzieht, würde der Porsche-Anteil an den Stimmrechten, der sich dann auf nur noch 87 Prozent des bisherigen Kapitals bezieht, über die Schwelle einer Sperrminorität von 25 Prozent steigen. Um eine Sperrminorität ohne den Einzug der VW-eigenen Aktien sicherzustellen, hätte Porsche dem Handelsblatt zufolge an der Börse mehr als eine halbe Milliarde Euro aufwenden müssen.

Porsche wollte zu den Planspielen keine Stellung nehmen und verwies darauf, dass über die Ausübung der Option noch nicht entschieden worden sei. Außerdem müsse man abwarten, wie sich der VW-Aufsichtsrat entscheide, so ein Sprecher des Unternehmens.

Investment brachte bislang zweistellige Rendite

Bisher beschränkte das VW-Gesetz die Stimmrechte auf 20 Prozent unabhängig von der Zahl der tatsächlich gehaltenen Aktien. "Nach dem erwarteten Fall würde Porsche tatsächlich über mehr als ein Viertel der Stimmen verfügen", so LBBW-Analyst Biller. Eine Erhöhung des Anteils auf mehr als 30 Prozent hat das Unternehmen bisher kategorisch ausgeschlossen, weil dann ein öffentliches Übernahmeangebot an alle VW-Aktionäre vorgelegt werden müsste.

Biller zufolge hat sich das Investment von rund 3,5 Milliarden Euro (inklusive der Kaufoption) bereits jetzt gerechnet: "Seit dem Einstieg von Porsche hat sich der Wert der VW-Beteiligung durch den Kursanstieg mit 15 Prozent verzinst." Der Sportwagenhersteller hat mittelfristig eine zweistellige Rendite auf das eingesetzte Kapital in Aussicht gestellt. Dazu sollen Dividendenzahlungen und Synergieeffekte durch eine verstärkte Zusammenarbeit beitragen.

mm.de / vwd

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