Entführte Deutsche Geiselnehmer sprechen von letzter Chance

Die Sorge um die deutschen Geiseln im Irak wächst. Die Entführer drohten in einem neuen Video erneut mit der Tötung der beiden Männer. Außenminister Steinmeier zeigte sich schockiert.

Bagdad/Jerusalem - Das vom Sender al-Arabija gestern Abend gesendete Video sei für die deutsche Regierung die "letzte Chance", die Forderungen für eine Freilassung ihrer Geiseln zu erfüllen, erklärten die Geiselnehmer laut einem Mitarbeiter des arabischen Nachrichtensenders. Allerdings sollen sie darauf verzichtet haben, ein erneutes Ultimatium zu stellen. Die beiden Deutschen sitzen gefesselt auf dem Boden. Wie die Häftlinge in dem US-Lager Guantanamo trugen sie orangefarbene Hemden. Hinter ihnen stehen die schwarz vermummten, bewaffneten Entführer, von denen einer eine Erklärung verliest. Der Ton des Videobandes war bei al-Arabija nicht zu hören.

Die Information, in der Videobotschaft werde keine Frist gesetzt, kam von einem Mitarbeiter des Senders al-Arabija. Er wollte seinen Namen nicht genannt wissen, weil er nicht autorisiert sei, mit den Medien zu sprechen. Er fügte hinzu, der Sender habe nicht das gesamte Video senden wollen, weil es zum großen Teil aus Propaganda bestehe. Die zwei Geiseln hätten ihre Regierung in dem Video auf Deutsch gebeten, ihr Leben zu retten.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den Film gestern Abend als "schockierendes Zeugnis menschlicher Erniedrigung". Der SPD-Politiker teilte in Jerusalem mit, die Experten im Berliner Krisenstab würden sofort daran gehen, das Video auszuwerten. "Und ich kann nur versichern, dass wir unsere Bemühungen fortsetzen, die beiden so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen. Wir tun, was wir können."

Am Morgen gab es jedoch keine neue Entwicklung. Am Vormittag wird der Krisenstab wieder zu einer Sitzung zusammenkommen. Steinmeier wird laut Angaben des Auswärtigen Amtes laufend informiert.

Bräunlich und Nitzschke wurden am 24. Januar in der nordirakischen Stadt Beidschi verschleppt. In einem früheren Video vom 31. Januar hatten die Kidnapper die Bundesregierung aufgefordert, die Botschaft in Bagdad zu schließen und alle Kontakte zum Irak abzubrechen. Als Entführer wurde die bislang unbekannte Gruppe Tawhid- und Sunnah-Brigade (Anhänger der göttlichen Einheit und des Vorbildes des Propheten) identifiziert.

Im Video vom 31. Januar war eine Frist von 72 Stunden gesetzt worden, die Forderungen zu erfüllen. Es war vom Sender al-Dschasira ausgestrahlt worden. Das neue Video wurde kurz nach 18 Uhr (MEZ) gesendet. Es sei nur wenige Minuten davor bei al-Arabija eingetroffen.

An einer Mahnwache für die im Irak entführten Ingenieure beteiligten sich gestern Abend an der Leipziger Nikolaikirche rund 400 Menschen.

lan/AP/dpa

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