Sonntag, 15. September 2019

Unternehmensteuern Radikales Modell der Wirtschaftsweisen

Die fünf Wirtschaftsweisen wollen die Steuerlast der Unternehmen um bis zu 22 Milliarden Euro entlasten. Deren Kapitaleinnahmen sollen demnach nur noch mit 25 Prozent besteuert werden. Finanzminister Steinbrück will das Modell prüfen.

Berlin - Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung schlägt die Einführung einer dualen Einkommensteuer vor. Gewinne eines Unternehmens sollen - abhängig von der Höhe seines Eigenkapitals - unterschiedlich stark belangt werden. Das geht aus dem Konzept hervor, welches das Beratergremium der Bundesregierung am Montag vorlegte.

Steuerreform 2008: Finanzminister Steinbrück will mit dem Konzept der Wirtschaftsweisen arbeiten
Das Finanzministerium sagte eine Prüfung des Modells zu. Die Regierung will dieses Jahr eine große Unternehmensteuerreform auf den Weg bringen, die 2008 in Kraft treten soll. Vorgesehen ist die Abschaffung der unterschiedlichen Besteuerung kleiner und großer Betriebe. Das Modell der Wirtschaftsweisen ist das radikalste der drei bisher vorliegenden. Die Stiftung Marktwirtschaft und der Heidelberger Steuerkreis streben eine Entlastung von rund zehn Milliarden Euro an, sie wollen die Steuersätze weniger senken.

Die Mindereinnahmen aus dem Entwurf der Wirtschaftsweisen entstehen nach deren Darstellung durch einen Steuersatz von 25 Prozent auf alle Kapitaleinkünfte. Eine Gegenfinanzierung habe das Gremium nicht berücksichtigt. Ziel des Modells ist es, Kapitaleinkommen steuerlich günstiger zu behandeln als Arbeitseinkünfte, bei denen in der Spitze weiterhin 42 Prozent fällig würden.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück will das Konzept des Rats und das Modell der "Stiftung Marktwirtschaft" zur Grundlage für die Erarbeitung einer großen Steuerreform machen, die 2008 in Kraft treten soll. Dabei sollen alle Unternehmen unabhängig von ihrer Rechtsform behandelt werden. Derzeit zahlen Kapitalgesellschaften Körperschaftsteuer und Personengesellschaften Einkommensteuer.

Steinbrück hat zudem klargestellt, dass der Staat keine Einnahmeausfälle hinnehmen wolle. Sein Ressort erklärte nun, zwar steige die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts bei niedrigen Steuersätzen. Allerdings führe der Vorschlag zu Einnahmeausfällen zwischen zehn und 20 Milliarden Euro. Die Wirtschaftsweisen übermittelten dem Finanzministerium vorerst nur den ersten Teil ihres Konzepts. Ende März wollen sie dann den vollständig ausgearbeiteten Vorschlag präsentieren.

reuters

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