Deutsche Post Expansion in Großbritannien

Die Deutsche Post übernimmt den britischen Bank- und Versicherungsdienstleister Williams Lea. Postchef Klaus Zumwinkel setzt damit seine Strategie fort, mit Zukäufen die Marktposition des global operierenden Logistikers zu festigen.

Bonn - Die Deutsche Post World Net  übernehme zunächst 75 Prozent an dem Unternehmen mit Sitz in London, das 2005 mit rund 6500 Mitarbeitern einen Umsatz von 648 Millionen Euro und ein Ebitda von 49 Millionen Euro eingefahren habe, teilte der Bonner Konzern am Montag mit. Für den Anteil erwarte die Post einen Kaufpreis von 370 Millionen Euro, den sie mit Barmitteln begleichen will.

Die Transaktion, die die Kartellbehörden noch genehmigen müssen, solle noch im ersten Quartal abgeschlossen werden. Die Post habe zudem die Option, nach drei Jahren die verbleibenden Anteile an dem Dienstleister für Versicherungen, Banken und Automobilhersteller zu übernehmen.

Williams Lea konzentriere sich in seinem Geschäft vor allem auf Europa, Nordamerika und Asien. Das Briefmonopol der Post in Deutschland wird voraussichtlich Ende 2007 auslaufen.

Ausgleich für sinkende Gewinne in Deutschland

Die Post wird voraussichtlich noch in dieser Woche Eckzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2005 vorlegen. Analysten sagten, es sei sinnvoll, angesichts des Endes des deutschen Briefmonopols das Briefgeschäft in Europa zu stärken. Die Post müsse langfristig auf Märkte außerhalb Deutschlands setzen, sagte LRP-Analyst Per-Ola Hellgren. Kurzfristig habe die Übernahme aber wenig Bedeutung.

Die Post wolle mit dem Zukauf einen Ausgleich für den Fall schaffen, dass sich das Geschäft in Deutschland nach dem Ende des Monopols nicht so profitabel wie gewohnt entwickle, sagte Brief-Vorstand Hans-Dieter Petram.

Briefgeschäft in USA und Großbritannien stärken

Der Konzern hat bereits für 5,5 Milliarden Euro den britischen Logistik-Dienstleister Exel übernommen. Mit Williams Lea soll nun aber auch das Briefgeschäft in den USA und vor allem in Großbritannien gestärkt werden, wo die Konkurrenten UPS  und FedEx den Briefmarkt testen, um zum Sprung nach Kontinentaleuropa anzusetzen. Die US-Riesen haben auch bereits ihre Fühler nach Deutschland ausgestreckt.

Nach Petrams Worten hat das 1820 als Druckerei-Betrieb gegründete britische Unternehmen in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung als Dienstleister genommen. Es wickelt für Versicherungen wie Prudential  in Großbritannien Dienstleistungen um das Schadengeschäft ab - von der Erfassung eines Schadenfalls über die Entsendung von Gutachtern bis zur Überweisung der Schadensumme und der Korrespondenz mit dem Kunden. Hier ergibt sich auch eine Verzahnung mit dem bisherigen Briefgeschäft der Post in Großbrtiannien.

Dort liefert die Deutsche Post bereits in London und anderen Großstädten Briefe aus und will Petram zufolge ihr Zustellnetz ausbauen. Auch in Deutschland erwartet Petram Wachstum im Dienstleistungsgeschäft.

Interesse an einem Einstieg bei einer europäischen Postgesellschaft etwa in Österreich oder Belgien habe der Konzern nach wie vor nicht, bekräftigte Petram. Auch an ein Engagement in Russland werde nicht gedacht. Dort mangele es an Rechtssicherheit, zudem sei der Markt "total reguliert".

rtr

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