Rente mit 67 Bonus bei Knochenjobs?

Während Unternehmen Beschäftigte über 58 Jahre in Frührente schicken, setzt die Politik das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre herauf. Auch wenn hinter diesem Konzept eher eine verkappte Rentenkürzung steckt – in der SPD wächst der Druck, Ausnahmen von der "Rente erst mit 67" vorzusehen.

Berlin - In der Debatte um die Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre hat sich SPD-Fraktionschef Peter Struck für Ausnahmeregelungen eingesetzt. In seiner Partei sei es "unstrittig, dass alle, die 45 Berufsjahre vorweisen können, weiterhin mit 65 in Rente gehen werden", sagte Struck der Tageszeitung "Die Welt". Darüber hinaus müsse über Individuallösungen nachgedacht werden. Wenn ein Bauarbeiter kaputte Knie habe, werde er nicht bis 67 arbeiten müssen. "Wir müssen darüber nachdenken, ob und wie die Erwerbsunfähigkeitsrente wieder aufleben kann", sagte Struck weiter.

Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hingegen wandte sich gegen Sonderregelungen. Am Beschluss des Kabinetts gebe es "nichts zu deuteln", sagte der Bundeslandwirtschaftsminister der "Süddeutschen Zeitung". Ausnahmen für einzelne Berufe seien technisch nicht machbar. "Wie soll man das denn abgrenzen?", fragte Seehofer.

Lehrer in Problembezirken früher in Rente?

Im Zweifel müssten dann für Beschäftigte, die im Steinkohlebergbau über Tage arbeiteten, andere Regeln gelten als für die Kumpels unter Tage. Auch Lehrer in Problembezirken hätten möglicherweise einen anstrengenderen Job als ihre Kollegen in gutbürgerlichen Gegenden.

In Unternehmenskreisen wird das Konzept "Rente mit 67" unterdessen eher als Konzept zur Kürzung der Renten bewertet. In einer Arbeitswelt, in der Menschen im Alter von 55 Jahren häufig in den frühzeitigen Ruhestand geschickt werden oder im Fall eines Jobverlusts kaum noch Chancen auf eine Neueinstellung haben, sei eine Lebensarbeitszeit von 67 Jahren nicht realistisch. Eher diene das Konzept dazu, Menschen, die mit 63 oder 65 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden, die Rente zu kürzen.

Zu wenig Beschäftigungschancen für ältere Mitarbeiter

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dringt auf bessere Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer. Mit Blick auf die geplante Anhebung des Rentenalters richtete DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun in der "Rheinischen Post" einen entsprechenden Appell an die Wirtschaft. "Die Unternehmen sollten künftig aus eigenem Interesse alles tun, um ältere Mitarbeiter länger in Beschäftigung zu halten", sagte er dem Blatt.

Das verlange mehr Weiterbildungs-Anstrengungen auch für Mitarbeiter jenseits der 45. "Davon profitieren letztlich alle: Betrieb, Mitarbeiter, Sozialsysteme und öffentliche Haushalte", sagte Braun.

Allerdings müssten sich nicht nur die künftigen Rentenempfänger auf das spätere Renteneintrittsalter einstellen, sondern auch die Unternehmen. Scharfe Kritik übte Braun am neuen VW-Modell der Frührente mit 58,5 Jahren. "Das ist ein weiteres Mal, dass ein großes Unternehmen seine Probleme zum Teil auf Rechnung der Solidargemeinschaft löst. Das Modell ist kein Vorbild mehr für Deutschland", sagte der Wirtschaftsvertreter dem Zeitungsbericht zufolge.

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