AEG Nürnberg Keine Hoffnung

Die Mitarbeiter streiken. Doch die Schließung des AEG-Werks in Nürnberg "ist unwiderruflich", sagt Electrolux-Chef Hans Stråberg. In Presseberichten macht er die Gewerkschaft IG Metall für die Misere verantwortlich.

Nürnberg - Bereits 2004 habe der Konzern mit der IG Metall über längere Arbeitszeiten und eine höhere Produktivität verhandelt. Der Betriebsrat habe zwar einer Lösung zugestimmt, nicht jedoch die IG Metall. "AEG in Nürnberg würden wir jetzt nicht schließen, wenn die Gewerkschaft sich unserem Vorschlag damals nicht verweigert hätte", sagte Stråberg der "Welt am Sonntag".

Der kleine Gewinn, den AEG in Nürnberg erwirtschafte, komme aus dem Exportgeschäft. Bei jeder in Deutschland verkauften Geschirrspülmaschine verliere Electrolux 45 Euro, bei jeder Waschmaschine sogar 60 Euro. Auch durch eine Personalreduzierung werde das Hausgerätewerk nicht wirtschaftlicher.

Das AEG-Hausgerätewerk in Nürnberg wird seit dem 20. Januar bestreikt. Der Mutterkonzern Electrolux  hatte die Schließung des Werkes bis Ende 2007 beschlossen. Trotz einer knapp gewonnenen Urabstimmung verzichtete die Gewerkschaft auf eine Ausweitung des Streiks auf die Ersatzteilsparte in Rothenburg. Damit wolle man ein Zeichen für eine Verhandlungslösung setzen, sagte der bayerische IG- Metall-Chef Werner Neugebauer. Electrolux-Verhandlungsführer Walter Koch begrüßte den vorläufigen Streikverzicht als positives Signal für die Fortführung der Gespräche.

Jetzt wird aus Sachsen geliefert

Als Reaktion auf den Streik bei AEG Logistik in Nürnberg und Dormagen hat Electrolux die Auslieferung von AEG-Geräten an ein Unternehmen im sächsischen Zwenkau vergeben. Das dortige Lager biete Platz für rund 20 000 Haushaltsgeräte. Damit könne die Belieferung des Handels aufrechterhalten werden, sagte ein Electrolux-Sprecher am Sonnabend. Es sei noch nicht entschieden, ob die Firma in Zwenkau die Logistik-Aufgaben dauerhaft übernehmen werde oder nur während des Arbeitskampfes.

Dagegen erklärte der Streikleiter des AEG-Hausgerätewerkes, Jürgen Wechsler, er frage sich, welche Produkte das Unternehmen in Zwenkau ausliefern wolle. Spätestens Ende nächster Woche wird nach seiner Einschätzung das AEG-Werk in Polen keine Trockner mehr produzieren können, da die Zulieferteile aus Nürnberg fehlten.

Electrolux-Chef Stråberg forderte die IG Metall erneut auf, eine Lösung nicht länger zu verzögern. "Die Verhandlungsposition verbessert sich nicht, wenn die IG Metall auf Zeit spielt", sagte er der Zeitung. Beide Seiten treffen sich am kommenden Donnerstag in Nürnberg erneut zu Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag. Stråberg bezeichnete das von seinem Konzern vorgelegte Angebot als "fair". Jeder Arbeitnehmer werde danach im Schnitt rund 60.000 Euro erhalten.

Wechsler schätzt die Chancen für eine Einigung am Donnerstag eher gering ein, außer "wenn die ein gewaltig verbessertes Angebot vorlegen". Der Electrolux-Konzern hatte für Abfindungen und Qualifizierungsmaßnahmen ein Gesamtpaket von rund 100 Millionen Euro angeboten. Die Gewerkschaft fordert rund 400 Millionen.

dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.