VW-Sparkurs Mehr Arbeit, weniger Lohn

Die Konzernspitze von Volkswagen plant drastische Schnitte für die Belegschaft. So könnte etwa das Modell "Auto 5000" auf alle Beschäftigten in den deutschen Werken übertragen werden. Damit drohen längere Arbeitszeiten und Lohnkürzungen.

Frankfurt am Main - Volkswagen  erwägt offenbar, die Arbeitsbedingungen seiner kostengünstigen Tochter "Auto 5000" auf möglichst alle Beschäftigten in den deutschen Werken zu übertragen. Dies würde bedeuten, dass auf die bislang nach VW-Haustarif beschäftigten Arbeiter erhebliche Lohneinbußen zukommen könnten beziehungsweise entsprechende Mehrarbeit für das gleiche Geld.

Die im Tarifmodell "Auto 5000" beschäftigten VW-Arbeiter, die das Modell Touran fertigen, verdienen monatlich knapp 2600 Euro und müssen dafür bis zu 42 Stunden pro Woche ableisten. Ihre nach VW-Haustarif bezahlten Kollegen kommen auf den gleichen Lohn dagegen schon für 28,8 Arbeitsstunden die Woche.

Das Magazin "Focus" hatte am Wochenende vorab ohne Quellenangabe berichtet, dass der Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder und VW-Markenchef Wolfgang Bernhard nach der Ankündigung der neuen Sparrunde das deutlich günstigere Tarifmodell in den Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall auf den Tisch legen wollten.

Wenn sich Pischetsrieder und Bernhard bei den Verhandlungen mit den Gewerkschaften durchsetzen sollten, müssten die Beschäftigten unter dem Strich mit rund 20 Prozent weniger Stundenlohn rechnen. Sollten Betriebsrat und IG Metall die kostenlose Mehrarbeit ablehnen, würde der Konzern notfalls aus dem 2004 geschlossenen Tarifvertrag aussteigen und mit betriebsbedingten Kündigungen drohen, heißt es in dem Bericht weiter.

Ein VW-Sprecher lehnte einen Kommentar ab und sagte lediglich: "Wir werden uns jetzt erstmal mit der Arbeitnehmerseite unterhalten."

Am Vortag hatte die Konzernführung bei Bekanntgabe ihrer Geschäftszahlen für 2005 mitgeteilt, dass im Zuge eines neuen Sanierungsprogramms bis zu 20.000 Stellen in den unrentablen und zu schwach ausgelasteten westdeutschen VW-Werken auf dem Prüfstand stünden. Von der Neustrukturierung der Montage- und Komponentenwerke in Inland könnte innerhalb von drei Jahren damit jeder fünfte der gut 100.000 Beschäftigten der Kernmarke VW betroffen sein.

"Es geht nicht darum, 20.000 Arbeitsplätze abzubauen", hatte Pischetsrieder aber betont. Ziel sei vielmehr eine deutliche Senkung der Arbeitskosten, damit VW wieder rentabel produziere. Im vergangenen Jahr landete die Marke operativ nur knapp über der Null-Linie, was Pischetsrieder als "völlig unbefriedigend" bezeichnete. "Insbesondere die Exportfähigkeit der deutschen VW-Werke ist nicht gewährleistet", sagte er. In den USA erwirtschafte VW mit Autos aus Deutschland hohe Verluste.

Börsianer hatten zum Wochenschluss mit massiven Zukäufen auf die Ankündigung reagiert und der VW-Aktie zu einem Kurssprung von fast 10 Prozent auf 55,40 Euro verholfen. Das Papier ist damit so viel wert wie seit Juni 2002 nicht mehr.

Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche, ohne Lohnausgleich

Auch Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche ist möglich

Nach Informationen des SPIEGEL will Pischetsrieder mit dem Betriebsrat auch über eine Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche mit 35 Stunden sprechen - ohne Lohnausgleich. In einigen Bereichen wie der Entwicklung sollten auch 40 Stunden möglich sein, berichtete das Nachrichten-Magazin vorab ohne Quellennennung. Dies würde die Schließung eines Montagewerkes fast zwangsläufig nach sich ziehen, hieß es.

Die Fabrik in Brüssel, wo die Modelle Golf und Lupo produziert werden, sei dann besonders gefährdet. Dafür könnten ihre Kapazitäten auf die deutschen Werke übertragen werden. "Auch das wird schon länger immer mal diskutiert", verlautete dazu aus Konzernkreisen.

Die IG-Metall hatte nach Bekanntgabe der neuerlichen Sparpläne erklärt, die Gewerkschaft sehe zwar die Notwendigkeit zur Verbesserung von Prozessen und Strukturen bei Europas größtem Autobauer. Doch sei völlig unklar, worüber das Unternehmen verhandeln wolle. Ziel bleibe die Beschäftigungssicherung.

Vor einem Jahr hatte die Belegschaft eine Nullrunde akzeptiert. Im Gegenzug sagte Volkswagen zu, bis zum Jahr 2011 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Die Vereinbarung, mit der VW die Personalkosten um zusätzliche zwei Milliarden Euro senken wollte, läuft Anfang 2007 aus.

Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern den operativen Gewinn um 70 Prozent auf 2,79 Milliarden Euro. Mit 3,5 Milliarden Euro übertraf VW auch sein Sparziel aus dem Programm "ForMotion" von 3,1 Milliarden. Der Nettogewinn stieg um 61 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro.

reuters/vwd