Konjunktur Iran-Krise gefährdet Aufschwung

In Deutschland wächst die Sorge, dass eine Eskalation des Atomstreits mit dem Iran den Spritpreis in die Höhe treiben und den Aufschwung ernsthaft gefährden könnte. Energieexperten befürchten einen Anstieg des Ölpreises von derzeit 60 auf bis zu 80 Dollar pro Barrel innerhalb weniger Wochen.

Berlin - Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zeigte sich am Wochenende alarmiert über die Entwicklung und sprach von einem Risiko für die Energiepreise. Vor diesem Hintergrund warnte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger vor den Folgen für die Konjunktur in Deutschland, die nach Expertenschätzungen 2006 um bis zu 2 Prozent wachsen soll.

In der Bundesregierung sieht man die möglichen negativen Folgen des Atomstreits für die deutsche Wirtschaft mit großer Sorge. "Natürlich schafft die Iran-Krise auch ein Risiko für die Energiepreise in Deutschland", sagte Glos der "Bild am Sonntag". "Weil der Gaspreis an den Ölpreis gebunden ist, handelt es sich sogar um ein doppeltes Risiko", erklärte der CSU-Politiker.

Aus Sicht von Bofinger bedroht die Entwicklung im Iran das Wirtschaftswachstum in Deutschland. Die Preise für Energierohstoffe hätten sich in den vergangenen zwei Jahren nahezu verdoppelt. "Die Iran-Krise könnte diese Entwicklung weiter verschärfen. Daher warne ich davor, jetzt schon Champagnerflaschen auf den Aufschwung 2006 zu öffnen", sagte das Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung. Die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute und Banken halten die Konjunktur derzeit für so robust wie zuletzt vor fünf Jahren.

Auf die Gefahren für den Spritpreis weist die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hin. Die steigende Tendenz bei Öl- und Benzinpreisen werde sich in den nächsten Wochen fortsetzen. "Spitzt sich die Iran-Krise weiter zu, könnte der Ölpreis bereits in den nächsten 14 Tagen auf 80 Dollar je Barrel klettern", sagte Kemfert. Dann würde auch Benzin deutlich teurer. "Wir rechnen für diesen Fall mit neuen Höchstständen an den Tankstellen von mehr als 1,50 Euro je Liter Super." Derzeit kostet ein 159-Liter-Barrel Öl rund 60 Dollar.

Auch für die Konjunktur befürchtet die DIW-Expertin negative Folgen. "Bleiben Öl- und Benzinpreise über einen längeren Zeitraum so hoch, mindert dies nach unseren Berechnungen das Wachstum in Deutschland um bis zu 0,2 Prozentpunkte", erklärte Kemfert.

Ähnlich äußerte sich Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. "Die Iran-Krise ist derzeit das größte Risiko für die Weltwirtschaft", sagte Heise der Zeitung. Verschärfe sich die Lage in den nächsten Wochen weiter, könnte sie den Ölpreis wieder auf 70 Dollar je Barrel treiben. Die in der Folge steigenden Benzinpreise würden auch die Konjunktur in Deutschland belasten. "Der Wirtschaftsaufschwung, der in diesem Jahr bis zu 2 Prozent Wachstum bringen könnte, wäre gefährdet", warnte der Allianz-Ökonom.

ddp

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