AEG Electrolux schließt Verkauf der Marke aus

Im Streit um das AEG-Stammwerk in Nürnberg schließt der Electrolux-Konzern einen Verkauf der Marke AEG an einen externen Investor kategorisch aus. "Dazu sagen wir klar Nein", erklärte AEG-Verhandlungsführer Dieter Lange. Die IG Metall hatte diese Möglichkeit zuvor als neuen Vorschlag in die Gespräche eingebracht.

Nürnberg - Die Verhandlungen zwischen der IG Metall und dem schwedischen AEG-Mutterkonzern über die geplante Schließung des Werks mit 1700 Beschäftigten treten damit weiterhin auf der Stelle. Beide Seiten trennten sich am Samstag nach rund zweieinhalbstündigen Verhandlungen ohne Annäherung und vertagten sich auf den kommenden Mittwoch. Der Streik bei AEG geht unterdessen in die dritte Woche.

"Wir sind keinen Millimeter weitergekommen", sagte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. "Wir sind nach wie vor meilenweit auseinander." Auch der AEG-Verhandlungsführer Dieter Lange unterstrich: "Von einer Annäherung kann man nicht sprechen." Er bekräftigte, dass der Beschluss, das Hausgerätewerk bis zum Jahresende 2007 zu schließen und die Produktion nach Polen und Italien zu verlagern, endgültig sei.

Nach seinen Worten besteht sogar die Gefahr, dass das Werk wegen des Streiks früher als geplant geschlossen wird. "Täglich wandern Produktvolumina von Nürnberg in andere Werke ab", sagte er. "Ob wir diese zurückbekommen, ist zweifelhaft." Neugebauer nannte diese Drohung "Windbeutelei". Kein anderes Electrolux-Werk sei in der Lage, die Nürnberger Produktion von 1,2 Millionen Waschmaschinen und Geschirrspülern pro Jahr zu übernehmen. Streikleiter Jürgen Wechsler erklärte, insbesondere die "Premium- Produkte" könnten derzeit weder in Italien noch in Polen gefertigt werden.

Nach dem von Electrolux  vorgelegten "Abbauplan" solle rund die Hälfte der Belegschaft bis Ende 2006 entlassen werden, die andere Hälfte bis Ende 2007, sagte Lange. Ein neues Angebot für einen Sozialtarifvertrag präsentierte der Konzern am Samstag nicht. "Beide Seiten müssen sich noch bewegen", unterstrich Lange. Streikleiter Wechsler beklagte, dass der Electrolux-Konzern auf seiner Position beharre. "Wenn sie sich nicht gewaltig bewegen, gibt es in absehbarer Zeit kein Ergebnis."

Die IG Metall hatte am Samstag einen umfangreichen Katalog mit knapp 50 Fragen zum Electrolux-Angebot vorgelegt. Darin war unter anderem die Frage nach einem Verkauf von Werk und Marke aufgeworfen worden. "Unsere Aufgabe ist es, die Arbeitsplätze zu erhalten", sagte Wechsler. Ob es tatsächlich ernsthafte Interessenten gibt, ließ die Gewerkschaft offen. AEG-Verhandlungsführer Lange sagte, dem Unternehmen sei keine potenzieller seriöser Investor bekannt.

Das Electrolux-Angebot sieht eine Abfindung in Höhe von 0,7 Monatsgehältern pro Dienstjahr oder wahlweise die Übernahme in eine Beschäftigungsgesellschaft für zwölf Monate bei vollem Lohnausgleich vor. Das Angebot hat ein Volumen von rund 100 Millionen Euro.

Neugebauer nannte die Offerte "aus der Welt von Lilliput". Die Gewerkschaft will die Schließungskosten bis auf mindestens eine halbe Milliarde Euro hochtreiben. Sie fordert bis zu drei Monatsgehälter je Dienstjahr Abfindung und die Qualifizierung der Betroffenen bis Ende 2010 bei vollem Lohnausgleich. Von Mittwoch an sollen auch die ausgegliederten AEG-Dienstleister wie Logistik und Vertrieb in die Verhandlungen einbezogen werden. Für sie fordert die IG Metall die Rückkehr in die Tarifbindung der Metall- und Elektroindustrie.

dpa

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