DaimlerChrysler Neue Verdachtsfälle wegen Insiderhandels

"Wir waren früher informiert." Der kurze Satz von Stuttgarts Erstem Bürgermeister birgt Sprengstoff für DaimlerChrysler. Die Wertpapieraufsicht prüft, ob der Konzern Pläne zum Umzug seiner Zentrale und den Abbau von 6000 Arbeitsplätzen zu spät veröffentlicht hat. Auch ein zweiter, ähnlicher Fall wird untersucht.

Stuttgart - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft in zwei weiteren Fällen, ob der Autokonzern DaimlerChrysler gegen Veröffentlichungspflichten verstoßen hat. Wie die Zeitung "Stuttgarter Nachrichten" (Freitagausgabe) unter Berufung auf eine Sprecherin der Behörde berichtet, geht es dabei um den Stellenabbau in der Pkw-Sparte Mercedes Car Group (MCG) und in der Verwaltung.

Der Autohersteller hatte am späten Nachmittag des 28. September den Abbau von 8500 Stellen bei MCG in Deutschland bekannt gegeben. Die Kosten wurden auf 950 Millionen Euro beziffert. Anlass für die Untersuchung ist nach Angaben der BaFin-Sprecherin, dass verschiedene Medien bereits an diesem Tag über den bevorstehenden Jobabbau berichteten.

Sollte es sich dabei um eine Insiderinformation gehandelt haben, hätte diese sobald sie an Außenstehende gelangt ist auch vom Konzern umgehend veröffentlicht werden müssen, heißt es in der Zeitung. Sollte sich herausstellen, dass DaimlerChrysler tatsächlich zu lange mit der Veröffentlichung gewartet hat, könnte dem Konzern ein Bußgeld von bis zu einer Million Euro drohen.

Wie lief der Informationsfluss beim Rücktritt Schrempps?

Auf Anfrage bestätigte ein DaimlerChrysler-Sprecher, dass die BaFin bereits am 30. September ein Auskunftsersuchen an den Konzern gerichtet habe. Die Fragen seien umfassend beantwortet worden.

Noch in einem frühen Prüfungsstadium ist dem Zeitungsbericht zufolge ein weiterer Fall im Zusammenhang mit der Restrukturierung der Verwaltungsorganisation und dem dort geplanten Abbau von 6000 Stellen. Nachdem DaimlerChrysler bekannt gegeben hatte, dass die Konzernzentrale von Stuttgart-Möhringen nach Untertürkheim verlegt wird, hatte Stuttgarts Erster Bürgermeister Michael Föll in einem Interview gesagt, die Stadtverwaltung habe dies nicht erst aus den Medien erfahren: "Wir waren früher informiert." Über eine Untersuchung in diesem Fall sei ihm nichts bekannt, sagte der DaimlerChrysler-Sprecher.

Noch nicht abgeschlossen ist die Untersuchung der BaFin, ob DaimlerChrysler auch die Rückzugsankündigung des damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp Ende Juli 2005 zu spät an die Öffentlichkeit gegeben hat. Die Prüfung laufe noch, sagte die Behörden-Sprecherin der Zeitung. Die DaimlerChrylser-Aktie war kurz nach dieser Ankündigung stark gestiegen.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa

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