Arcelor-Übernahme Europas Abwehr formiert sich

Nach Frankreich und Luxemburg hat auch Spanien eine Übernahme des Luxemburger Stahlkonzerns Arcelor durch Marktführer Mittal Steel abgelehnt. Die Nummer zwei der Branche will der feindlichen Annäherung nun offenbar mit einem eigenen Zukauf in China begegnen.

Madrid - Der spanische Wirtschaftsminister Pedro Solbes habe der Mittal-Führung bei einem Treffen klar gemacht, dass die Regierung in Madrid die feindliche Übernahme Arcelors  ablehne, sagte eine Ministeriumssprecherin am Donnerstag. "Die Position der spanischen Regierung wird sich auf der Linie der Regierungen Frankreichs und Luxemburgs bewegen."

Frankreich und Luxemburg wollen gemeinsam eine Übernahme verhindern. Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker hatte nach Gesprächen mit der Regierung in Paris am Mittwoch gesagt: "Dieses feindliche Angebot von Mittal verlangt nach einer Antwort, die mindestens ebenso feindlich ist." Beide Länder würden ihre Reaktion auf das Übernahmeangebot in Höhe von 18,6 Milliarden Euro abstimmen, kündigte er an. Luxemburg hält als größter Anteilseigner rund 5,62 Prozent an dem Stahlkonzern.

Anders als die Regierungen Spaniens, Frankreichs und Luxemburgs haben sich indes die belgische Regierung und die Regierung der belgischen Region Wallonie noch nicht auf eine Ablehnung des Übernahmeangebots festlegen wollen.

Mittal wehrt sich gegen Kritik

Mittal  kritisierte die Ablehnung der Übernahme-Offerte aus der Politik. Es gebe eine "Desinformationskampagne" im Zusammenhang mit der Offerte für Arcelor, sagte Mittal-Finanzchef Aditya Mittal in Madrid. "Dies ist eine Fusion europäischer Unternehmen", warb Mittal. Der Sitz des Konzerns sei in den Niederlanden. Die Großaktionäre hätten zudem Unterstützung für Mittal signalisiert.

Der Finanzchef von Arcelor erklärte dagegen, bisher höre Arcelor keine Stimme seitens der eigenen Aktionäre, das Übernahmeangebot von Mittal anzunehmen. Michel Wurth sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Arcelor wolle zwar die Konsolidierung der Branche, aber nicht um jeden Preis.

Auch Metallgewerkschaften aus mehreren europäischen Ländern sprachen sich gegen die Übernahme aus. Das ergab nach Rundfunkberichten ein Treffen von Gewerkschaftern aus Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien und Deutschland in Brüssel. In den kommenden Wochen wollen die Gewerkschaften eine gemeinsame Abwehrstrategie planen.

Arcelor prüft Zukauf in China

Arcelor prüft Zukauf in China

Der als harter Sanierer bekannte Stahlmagnat und Mittal-Eigner Lakshmi Mittal bemüht sich derzeit im Rahmen einer Reise durch europäische Hauptstädte, zusammen mit seinem Sohn und Finanzchef Aditya Mittal die Bedenken gegen die Übernahme-Pläne und Ängste um Arbeitsplätze zu zerstreuen. Er wolle alle "sozialen Zusagen" des Arcelor-Konzerns an die Belegschaft einhalten, hatte er bereits angekündigt. Zudem werde es keine Entlassungen geben, wenn Mittal den Zuschlag für Arcelor erhalte. Es könne auch Gespräche über die künftige Rolle von Arcelor-Chef Guy Dollé in einem fusionierten Unternehmen geben.

Hoffnungen von Analysten, Mittal könne die Barkomponente der Offerte erhöhen, um die Attraktivität des Angebots zu erhöhen, erteilte Mittal eine Absage. "Wir haben nicht die Absicht, dies zu tun", sagte Aditya Mittal der Nachrichtenagentur Reuters.

Arcelor will sich offenbar seinerseits mit einem Zukauf gegen die feindliche Übernahme wehren. "Wir stehen kurz vor dem Abschluss eines größeren Deals in China", sagte Arcelor-Finanzchef Michel Wurth der Zeitung "Die Welt". Firmennamen wollte der designierte Nachfolger von Arcelor-Chef Dollé allerdings nicht nennen.

Nach Informationen der "Welt" handelt es sich um den chinesischen Konkurrenten Lai Wu. "Die Übernahme ist zu 95 Prozent ausgehandelt", heißt es in Finanzkreisen. Wurth betonte, dass es sich bei dem Zukauf um einen strategisch wichtigen Schritt handele und nicht um eine Giftpille.

Arcelor sucht Unterstützung bei den Banken

Arcelor bestätigte unterdessen, dass die drei Investmentbanken BNP Paribas , Deutsche Bank  und Merrill Lynch  das Unternehmen bei der Erarbeitung einer Abwehrstrategie unterstützen sollen. Die Banken sollten Arcelor "in dieser Sache" beraten, sagte ein Sprecher.

Arcelor war 2001 aus dem Zusammenschluss von Arbed (Luxemburg), Usinor (Frankreich) und Aceralia (Spanien) entstanden und hat die meisten seiner 90.000 Mitarbeiter in Europa und Südamerika. Mittal sitzt in Rotterdam und produziert vor allem in Osteuropa, Nordamerika und Südafrika. Zusammen entstünde ein Konzern mit 320.000 Mitarbeitern, fast 70 Milliarden Dollar Umsatz und 7,2 Milliarden Dollar Gewinn.

dpa, rtr, vwd

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