Arbeitsmarkt Kein deutsches Jobwunder

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar aufgrund des kräftigen Kälteeinbruchs und einer deutlich höheren Zahl von Entlassungen erstmals seit einem Jahr wieder über die Fünf-Millionen-Marke gestiegen. Insgesamt waren 5,012 Millionen Menschen offiziell als erwerbslos gemeldet.

Nürnberg - Erstmals seit dem Februar des vorigen Jahres ist die Arbeitslosenzahl in Deutschland wieder auf über fünf Millionen gestiegen. Im Januar seien rund 5,012 Millionen Arbeitslose registriert gewesen, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit.

Dies seien 408.000 mehr als im Dezember, aber auf Grundlage revidierter Zahlen rund 75.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg um einen Prozentpunkt auf 12,1 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit habe sich wesentlich ungünstiger entwickelt als für die Jahreszeit üblich, erklärte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. Maßgeblich dafür seien zwei Sonderfaktoren.

Zum einen hätten sich die Auswirkungen der Winterpause vor allem in den Januar verlagert. Zudem hätten sich überdurchschnittlich viel ältere Menschen arbeitslos gemeldet. Ab Februar wird die Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld verkürzt, was vor allem älteren Menschen Nachteile bringt.

Saisonbereinigt stieg die Erwerbslosenzahl im Vergleich zum Vormonat um 69.000. Die Arbeitslosenzahl hatte im Januar vorigen Jahres erstmals in der Nachkriegsgeschichte die Fünf-Millionen-Marke überschritten und im Februar darauf die Höchstmarke erreicht.

Die BA überarbeitete zum Jahresbeginn auch die im vergangenen Jahr veröffentlichten Arbeitslosenzahlen, die zum Teil deutlich angehoben wurden. Demnach waren im Januar 2005 5,087 Millionen und im Februar 2005 5,288 Millionen Menschen arbeitslos.

Eine kräftige Besserung am deutschen Arbeitsmarkt ist nach Einschätzung der HypoVereinsbank derzeit nicht in Sicht. "Ein deutsches Jobwunder steht definitiv nicht bevor", sagte Volkswirt Andreas Rees in München.

Nach Einschätzung von Ökonom Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank flaut zumindest der Abbau der Beschäftigtenzahl ab. Auch HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnet in den kommenden Monaten mit einer Bodenbildung. "Die Kälte hat die Arbeitslosenzahl kräftiger als erwartet steigen lassen und verzerrt das Bild ein wenig", sagte Volkswirt Lothar Hessler.

dpa, reuters

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