DaimlerChrysler Zetsches Fett-weg-Programm

Flexibler soll DaimlerChrysler unter Dieter Zetsche werden - und das schnell. Den geplanten Abbau von 6000 Stellen in der Verwaltung verteidigte Zetsche vor der Belegschaft. Der Betriebsrat kritisierte gegenüber manager-magazin.de, dass Zetsche zu wenig Konkretes präsentierte. Ein Großaktionär rät derweil zum Verkauf von Smart.

Stuttgart - DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche hat den angekündigten Abbau von weltweit 6000 Stellen in der Verwaltung gegenüber den Mitarbeitern in der Zentrale persönlich erkläret. "Es geht um die Optimierung unsere gesamten Organisation in Bezug auf Schnelligkeit, Flexibilität und Effizienz und um klare und eindeutige Verantwortlichkeit", betonte der Konzernchef in einer Rede vor den Mitarbeitern.

Am Dienstag hatte er bereits mitgeteilt, dass die Zentrale aus dem Vorort Stuttgart-Möhringen in das wenige Kilometer entfernte Mercedes-Motorenwerk Untertürkheim verlegt wird. "Wir wollen den Vorstand dort haben, wo die Action ist", begründete Zetsche den Schritt in einer Telefonkonferenz.

Auch der Vorstand wird nach Möhringen umziehen. Der Stellenabbau, der bis 2008 abgeschlossen werden soll, wird etwa zwei Milliarden Euro kosten. Jährlich soll auf diese Weise eine Milliarde Euro eingespart werden. Betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland sind ausgeschlossen, da für die Mitarbeiter bis Ende 2011 eine Beschäftigungssicherung gilt. Die DaimlerChrysler-Aktie  baute am Mittwoch zu Börsenbeginn ihre Gewinne vom Vortag aus. Das Papier verteuerte sich zunächst um rund zwei Prozent auf 45,15 Euro.

"Andere Situation als zu Schrempps Zeiten"

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" verzichtete Zetsche auf Absprachen im Voraus mit Betriebsratschef Erich Klemm über seine Umbaupläne. Das Klima zwischen Klemm und Zetsche sei "deutlich eisiger" als zwischen Klemm und Ex-Vorstandschef Jürgen Schrempp. Gegenüber manager-magazin.de erklärte Betriebsratssprecherin Silke Ernst, dass "Gespräche und Auseinandersetzungen zwischen den Beteiligten auf einer sachlichen Ebene geführt werden". Allerdings gebe es "eindeutig mehr Gesprächspotenzial" als zuletzt mit Schrempp. Dies resultiere schlicht daraus, dass Zetsche weit reichende Personalabbaupläne auf den Tisch gelegt habe.

"Zu dieser neuen Situation haben wir die Frage nach der Sinnhaftigkeit gestellt", so die Sprecherin. Aus Sicht des Betriebsrats hätte gleichzeitig mit Verkündung der Abbauzahlen präziser gesagt werden müssen, an welchen Stellen konkret gekürzt werden soll. Bei den bisherigen Überlegungen zur Personalreduzierung seien bereits Rationalisierungsfortschritte berücksichtigt, die erst noch erreicht werden müssen.

Als problematisch wird seitens der Mitarbeitervertretung auch Zetsches Plan beurteilt, die Marken Chrysler und Mercedes zentral von Stuttgart aus zu führen. "Wer zu stark zentralisiert, läuft Gefahr, sich selbst zu lähmen", so die Betriebsratssprecherin.

"Umbau läuft nicht völlig gegen Betriebsrat"

"Umbau läuft nicht völlig gegen Betriebsrat"

Der Betriebsrat stelle sich aber "selbstverständlich nicht" gegen Bemühungen, Doppelfunktionen abzuschaffen und bürokratische Prozesse zu reduzieren. "Die Umbaupläne laufen also nicht völlig gegen den Betriebsrat", so die Sprecherin. Aber erst nach der nun erfolgten Bildung von Arbeitsgruppen, die für das Management Konzepte zur Umsetzung der Personalziele präsentieren sollen, könne detailliert über das Thema gesprochen werden. Die entsprechenden Beschlüsse dazu sollen nach bisheriger Planung im April gefasst werden.

Ein deutliches Zeichen dafür, dass Zetsche nicht nur bei den Angestellten, sondern auch in der Führungsriege Personalabbau betreiben will, ist seine Ankündigung, den Vorstand dauerhaft um drei auf neun Personen zu reduzieren. Dennoch wird keiner der amtierenden Spitzenmanager sein Amt verlieren. Es werden lediglich freigewordene Stellen nicht neu besetzt.

Die Reduktion betrifft unter anderem den Vorstand, der für Beteiligungen wie die Luft- und Raumfahrttochter EADS  und Mitsubishi  (DaimlerChrysler hält 85 Prozent an Mitsubishis Nutzfahrzeugmarke Fuso) zuständig war. Amtsinhaber war Manfred Bischoff, der altersbedingt mit 60 Jahren ausschied. Konzernentwicklungs-Vorstand Rüdiger Grube hat das Aufgabenfeld zusätzlich übernommen.

Goldman Sachs mit Kauf-Empfehlung für die Aktie

Die Aufgaben von Dienstleistungsvorstand Klaus Mangold, heute ebenfalls in den Ruheständler, übernahm Finanzvorstand Bodo Uebber trägt jetzt die Verantwortung, insbesondere für die Sparte Financial Services.

Der dritte Posten, der nicht neu besetzt werden soll, ist jener von Eckhard Cordes, der laut Vertrag noch bis Ende 2008 als Chef der Marke Mercedes agieren sollte, kürzlich aber zum Chef des Duisburger Mischkonzerns Haniel ernannt wurde. Cordes Posten hat Zetsche zusätzlich übernommen.

Einen Tag nach Bekanntgabe der Umbaupläne hat Goldman Sachs  die Einschätzung für DaimlerChrysler-Aktien auf "Outperform" bestätigt. Wie es am Mittwoch in einer Studie hieß, könnten sich die angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen positiv auf das Ergebnis auswirken. Die Einsparungen könnten im Jahr 2008 etwa 0,60 Euro zum Ergebnis je Aktie beitragen. Allerdings sei noch offen, ob DaimlerChrysler die durch den Stellenabbau frei werdenden Mittel für weitere Investitionen verwendet. Auch könnten höhere Rohstoffkosten und der Preisdruck in der Branche den Einspareffekt schmälern.

Schrempps Rücktritt vor Gericht

Schrempps Rücktrittsmeldung vor Gericht

DaimlerChrysler hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass der Abbau von weltweit 6.000 Verwaltungsstellen zunächst zwei Milliarden Euro kosten, dann aber die jährlichen Kosten um eine Milliarde Euro netto reduzieren wird. Hinzu kommen 500 Millionen Euro aus dem bereits laufenden Sparprgramm CORE in der Mercedes Car Group.

Die Markengruppe sieht Goldman Sachs auf einem guten Weg, um bis 2007 die angepeilte Umsatzrendite von 7 Prozent erreichen zu können. Insgesamt weisen die Analysten aber auf den harten Gegenwind hin, mit dem alle europäischen Autohersteller in den kommenden Jahren wegen des scharfen Wettbewerbs zu kämpfen hätten.

Neben der Meldung über den Personalabbau steht DaimlerChrysler heute auch wegen eines Gerichtsverfahrens im Fokus. Es geht um die überraschende Rücktrittsankündigung des Zetsche-Vorgängers Jürgen Schrempp.

Insider-Fall laut Richterin nicht entscheidungsreif

Verhandelt wird in zwei Verfahren in Stuttgart der mit dem Rücktritt ausgelöste Kurssprung der Aktie. Zwei Aktionäre haben DaimlerChrysler wegen entgangener Kursgewinne auf Schadenersatz verklagt. Sie werfen dem Konzern vor, zu spät über den Rücktritt von Schrempp informiert zu haben. Damit seien ihnen Kursgewinne entgangen. Die beiden Kläger verlangen Schadenersatz von rund 6000 und 3500 Euro.

Das Urteil soll erst am 15. März ergehen. "Der Fall ist noch nicht entscheidungsreif", sagte Richterin Elisabeth Schulz am Mittwoch bei der mündlichen Anhörung vor dem Amtsgericht Stuttgart. "Allein die Überlegung von Schrempp, den Vorstand verlassen zu wollen, ist eine Insiderinformation und führt zu einer Kursbeeinflussung", sagte dagegen Rechtsanwalt Franz Braun von der Münchner Kanzlei CLLB.

Die entscheidende Frage ist der Richterin zufolge, seit wann der vorzeitige Rückzug von Schrempp feststand und zu welchem Zeitpunkt dies hätte bekannt gegeben werden müssen. "Es muss sich bei Insiderinformationen nicht um Tatsachen handeln, es genügen bereits Umstände und Prognosen", sagte Schulz mit Blick auf das Anlegerschutzverbesserungsgesetz.

Offiziell wurde Schrempps Ausscheiden zum Jahresende 2005 und die Ernennung seines Nachfolgers Dieter Zetsche am 28. Juli um 10.32 Uhr in einer Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht. Der Kurs zog daraufhin steil an und notierte zum Teil mit einem Plus von mehr als zehn Prozent. Der Kläger verkaufte bereits am 26. Juli DaimlerChrysler-Aktien.

DaimlerChrysler-Anwalt Georg Thoma räumte ein, dass Schrempp mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper bereits seit Mai 2005 einen "Dialog über die Nachfolge im Unternehmen" geführt habe. "Es gab aber keinen konkreten Plan zum vorzeitigen Ausscheiden von Schrempp", sagte Thoma.

Großaktionär rät zum Smart-Verkauf

Das Verfahren könnte nach Ansicht von Rechtsexperten richtungsweisend für den Umgang mit fehlerhaften Ad-hoc-Nachrichten werden. Im Zusammenhang mit dem Schrempp-Rücktritt hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart vor kurzem Ermittlungen gegen Kopper wegen eines möglichen Verstoßes gegen Insiderregeln eingeleitet.

Großaktionär rät zum Smart-Verkauf

Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos äußerte sich heute der größte Aktionär des Konzerns ungewöhnlich konkret über das kleinste Modell der Mercedes Car Group. "Meiner Ansicht nach ist Daimler mit Smart nicht erfolgreich gewesen, die Umsätze wurden dadurch gedrückt, also müssen sie diese Firma einmal loswerden", sagte der Geschäftsführer der staatlichen Kuwait Investment Authority (KIA), Bader al-Saad, dem Wirtschafts-Fernsehsender Bloomberg TV.

Über Kia hält der Golf-Staat Kuweit 7,2 Prozent an DaimlerChrysler und ist damit der größte Einzelaktionär. Das Land hat allerdings keinen Sitz im Aufsichtsrat des deutsch-amerikanischen Autobauers.

Der 1998 mit dem schweizerischen Uhrenhersteller Swatch gegründete Kleinwagenbauer macht seit dem Start Verluste. Zetsche hat der Sparte deswegen ein Sanierungsprogramm verordnet, nach dem Smart 2007 mit nahezu halbierter Belegschaft und weniger Modellen schwarze Zahlen schreiben soll.

Zetsche hatte zuletzt betont, die Sanierung aus eigener Kraft habe Vorrang vor der Partnersuche. In den vergangenen Tagen waren dennoch Spekulationen um die Zukunft von Smart laut geworden. DaimlerChrysler hat laut Presseberichten die Investmentbank Goldman Sachs  beauftragt, nach möglichen Partnern für Smart zu suchen. Branchenkreisen zufolge sollen auch die Chancen für einen möglichen Verkauf ausgelotet werden.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa

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