WEF Die hinter der Linie

Heute Abend eröffnet Angela Merkel das Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort herrscht Ausnahmezustand. Das Sicherheitspersonal hat den Ort des Weltwirtschaftsgipfels in eine Alpenfestung umgebaut – und den Wintersportort zu einer geteilten Stadt gemacht.
Von Karsten Stumm

Davos - Das hatte Klaus Schwab nicht vor, als er vor mehr als drei Jahrzehnten das Weltwirtschaftsforum gründete. Nie und nimmer wollte er seinem Veranstaltungsort im schweizerischen Davos so etwas antun. Doch im dritten Jahrzehnt des Gipfeltreffens ist es dann passiert, niemand weiß mehr so recht, wann genau. Schwabs Weltwirtschaftsgipfel hat das Alpendorf zur Frontstadt gemacht. Ein neuer eiserner Vorhang teilt in diesen Tagen Davos, 16 Jahre nachdem Berlins Mauer eingerissen worden ist.

Mächtige Checkpoints markieren die Linie, die Davos Feriengäste und Bewohner während der vier Kongresstage nicht überschreiten dürfen. Dahinter, am letzten Drittel der Promenade des Wintersportortes, liegt die verbotene Zone um das Kongresszentrum von Davos.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird heute dort sprechen, in den kommenden Tagen auch Polens Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz, ebenso wie die Computerkonkurrenten Bill Gates und Michael Dell und Amerikas Starschauspielerin Angelina Jolie. Doch ohne Passierschein im Checkkartenformat hat niemand Zutritt zur verbotenen Zone der Mächtigen und Berühmten.

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Polizeihundertschaften, mehr als 5000 Schweizer Soldaten und private Sicherheitsfirmen haben eine undurchdringliche Kette aus Metallabsperrgittern und Zugangskontrollen um die Konferenzzone und quer durch die Stadt Davos gezogen. Selbst wer die goldene Eintrittskarte zur abgesperrten Zone besitzt, muss vor Eintritt in die Konferenzgebäude Sicherheitschecks über sich ergehen lassen.

Schützenpanzer am Umsteigebahnhof

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Elektronische Sicherheitsschleusen mit Durchleuchtungsgeräte sind in den Foyers der Hotel- und Konferenzsäle untergebracht. Die Zugangskarten der Konferenzteilnehmer werden zusätzlich von elektronischen Geräten auf Echtheit überprüft.

Fotografen haben zuvor spezielle Photos von den 2340 Delegierten, Journalisten und mehr als 1000 weiteren Servicemitarbeitern des Forums aufgenommen, mit denen die Konferenzteilnehmer zusätzlich identifiziert werden können - elektronisch natürlich.

Schwabs Wirtschaftskongress verleiht Davos Berühmtheit und Glanz. Der Preis dafür ist für die Bewohner der Verzicht auf einen Teil der eigenen Stadt. Und einiges an Bewegungsfreiheit dazu.

Denn die Sicherheitskontrollen beginnen nicht erst in Davos selbst. Schon Kilometer vor dem Wintersportort haben Sicherheitskräfte Position bezogen und kontrollieren, wer sich auf den Weg in die Ortschaft begibt.

In Langquart beispielsweise, einem wichtigen Umsteigebahnhof für Zugreisende nach Davos, sind zwischenzeitlich sogar drei Schützenpanzer des Schweizer Bundesheeres zur Unterstützung der Polizeibeamten in Stellung gegangen.

Bundesgrenzschutz hilft mit

Die überwachen derweil die gewundene Bergstrasse von dort hinauf nach Davos, errichten Straßensperren und Kontrollpunkte. Selbst deutsche Polizisten sind in der Schweiz angekommen, begleitet von Kolonnen grüner Bundesgrenzschutz-Mannschaftswagen.

Mehr noch: Vier Tage lang bleibt der Luftraum über Davos gesperrt. Hobbypiloten sollten die Warnung Ernst nehmen. Die Schweizer Luftwaffe kontrolliert das Flugverbot über der Kongressgegend, zusammen mit österreichischen Luftstreitkräften; ein Teil des gesperrten Fluggebietes gehört zu Österreich.

Die Einwohner von Davos nehmen die Abschottung ihres Ortes dennoch gelassen hin und nutzen ihre Stadt so weit es geht - bis zum Beginn der abgesperrten Zone, in etwa auf Höhe des Hotels Belvedere an der Promenade. Ihr Gleichmut kommt vielleicht nicht von ungefähr: Die Teilung ihrer Stadt dauert vier Tage. Die Teilung Berlins dauerte dagegen vier Jahrzehnte.

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