WEF Der Geist von Davos

Heute Abend eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel das World Economic Forum in Davos. Bereits Stunden vorher rutschen frierende Anzugträger auf zu glatten Sohlen durch den Schnee. Forumsgründer Klaus Schwab erklärt den Neuankömmlingen den Geist von Davos – und was der Gipfel mit einem fünfstöckigen Sushi-Haus zu tun hat.
Von Karsten Stumm

Davos - Am Mittwoch um 17.30 Uhr wird Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer Eröffnungsrede im großen Kongresssaal von Davos den Startschuss für das 36. Weltwirtschaftsforum geben. Schon vorher ändert sich die Atmosphäre in dem kleinen Alpendorf: Etwas Flüchtiges liegt plötzlich in der Luft.

Gestern noch staksten vor allem Wintersportler über die kleine Hauptstraße des Ortes, rennsportartig ausgerüstet, Skier geschultert. So bedächtig, als müssten sie gemessenen Schrittes einen steilen Pfad hinaufgehen - pro Schritt einmal atmen.

Heute werden diese Sportler stets von Damen und Herren im leichten Hosenanzug und dunkler Kombination überholt.

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Fast alle schlitternden Menschen auf der Überholspur sind Konferenzteilnehmer des Weltwirtschaftsgipfels. Die neuen Gäste allerdings haben keine Zeit zu verlieren: Sie müssen zum offiziellen Registrierungsbüro des Forums, schnell. Denn ohne Forumsticket haben sie keinen Zutritt zu den Veranstaltungen.

So rutschen die neuen Herrscher der Davoser Promenade auf zu glatten Sohlen in Richtung Konferenzzentrum. Unglücklicherweise ist der Weg dorthin in diesem Jahr besonders weit.

Metallgitter wie in Gaza

Metallgitterzäune wie am Gaza-Streifen

Die Sicherheitsleute haben den Zugang zum Teilnehmerbüro kurzerhand verlegt. Über die Hauptstraße von Davos-Platz, Promenada genannt, ist der Zutritt zum Gebäude plötzlich nur noch bereits registrierten Teilnehmern gestattet. Anders als im Lageplan eingezeichnet. Polizisten versperren den frierenden Anzugträgern den Weg zur Eintrittskarte.

Sicherheitsmaßnahmen: Rund 5000 Soldaten des Schweizer Bundesheeres sind in, um und über Davos im Einsatz

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Stacheldraht: Der Schweizer Nobel-Skiort erinnert stellenweise an Gaza

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Schlange vor den Hors d'Oeuvres, kurz vor der Eröffnung: Die meisten Teilnehmer werden bis zum Abschluss des Forums in Davos am Sonntag bleiben

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Foto: DPA




Schutz für die Denker und Lenker
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Die Beamten haben ganze Arbeit geleistet. Die Zugangsstraße wurde mit Schleusen aus Metallgitterzäunen verengt, niemand kommt an den Sicherheitsleuten vorbei. Ein BBC-Reporter glaubt, die Konstruktion an einem Grenzübergang zum Gaza-Streifen schon einmal gesehen zu haben.

Den Konferenzdelegierten und Journalisten bleibt nichts anderes übrig, als sich von der Talseite dem Konferenzgebäude erneut zu nähern. Dazwischen liegen etwa 400 Meter vereiste Straße und 50 Höhenmeter auf glatten Sohlen.

Cocktail für Forumsnovizen

Als Belohnung gibt es ein unscheinbares Plastikkärtchen, die Eintrittskarte zum Forum. Für die meisten Besucher beginnt es gleich gegenüber der Konferenzhalle, im Hotel Belvedere, Saal Atlantis.

Forumsgründer Klaus Schwab selbst lädt zum Cocktail für Forumsnovizen, und für seine Gäste werden die Eintrittskarten zum ersten Mal zu einem Pass für einen All-inclusive-Club.

Bevor Schwab auf die Bühne tritt, werden Fisch- und Fleischspießchen gereicht, dazu Champagner, Rot- oder Weißwein, und ein paar Kleinigkeiten zum Dessert. Nur Schwab lässt auf sich warten, um zu ihnen über den Geist von Davos zu sprechen.

"Spüren Sie den Geist von Davos"

"Spüren Sie den Geist der Gemeinschaft"

Stattdessen erzählt Eric Anstee, Chef des britischen Instituts für Chartered Accountants, von seinen Projekten in China und Indien. Und Stephen Wall vom John-F.-Kennedy-Institut in Washington will wissen, wie die Welt Amerika sieht.

Dann kommt Klaus Schwab.

"Beim ersten Kongress vor 35 Jahren hatten wir gerade einmal vier große Themen zu besprechen", sagt Schwab, "heute sind es viel mehr. Versuchen Sie deshalb nicht, alle Veranstaltungen zu besuchen. Niemand sieht Davos ganz. Lassen Sie sich lieber auf unbekannte Themen ein, und spüren Sie den Geist der Gemeinschaft und Freundschaft hier in Davos."

Schwabs Assistent sagt den verdutzten Forumsteilnehmern noch schnell, der Weltwirtschaftsgipfel gleiche einem fünfstöckigen Sushi-Haus. Fünf Stockwerke, weil sich hier so viele verschiedene Persönlichkeiten ergänzen. Und Sushi sei schließlich eine Erfahrung.

Beim Hinausgehen schüttelt Schwab fast jedem die Hände, so, als verabschiede ein Uni-Professor den diesjährigen Examensjahrgang.

Eric schlägt vor, darauf einen Champagner zu trinken. Vielleicht nicht die schlechteste Idee.

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