Übernahme Linde bietet elf Milliarden Euro für BOC

Der Wiesbadener Technologiekonzern Linde will den britischen Industriegasehersteller BOC für 15 Pfund in bar je Aktie übernehmen. Damit würde Linde mit dem Weltmarktführer Air Liquide gleichziehen. Das Angebot im Wert von rund elf Milliarden Euro ist als freundliche Übernahme gedacht – doch BOC sieht das anders.

Wiesbaden - Da beide Konzerne sich von der Produktpalette und der regionalen Aufstellung ergänzten, rechne Linde  nicht mit unüberwindbaren Schwierigkeiten bei der kartellrechtlichen Genehmigung eines Zusammengangs. Insgesamt beläuft sich die Übernahme rechnerisch auf elf Milliarden Euro.

Zuvor hatte BOC den Eingang einer Offerte bekannt geben und sie als unerwünscht zurückgewiesen. BOC begründete die Ablehnung des Angebots mit den von Linde gestellten Bedingungen und der ungenügenden Würdigung der Wachstumsaussichten des britischen Unternehmens.

Linde ist in Sachen Finanzierung schon weit fortgeschritten und zuversichtlich, dass sie sehr rasch auf sichere Beine gestellt werden kann. Nach Einschätzung von Analysten wäre die Kombination Linde/BOC eine Traumhochzeit. Die Deutsche Bank  schrieb im vorigen Sommer in einer Studie, angesichts der Konsolidierung in der Industriegas-Branche sei dies das wahrscheinlichste Szenario.

BOC in Asien und USA stark

BOC setzte im vergangenen Jahr mit Beteiligungen rund 4,605 Milliarden Pfund um und verdiente operativ 564 Millionen Pfund. Das Unternehmen wurde 1886 von den Brüdern Brin gegründet und hat rund 30.000 Mitarbeiter.

Neben dem Heimatmarkt Großbritannien ist der Konzern vor allem in den USA, Asien, Australien und Südafrika stark vertreten. In den USA arbeiten Linde und BOC projektbezogen im Anlagenbau bereits zusammen.

Mit einer Übernahme von BOC würde Linde auf Augenhöhe mit Weltmarktführer Air Liquide  kommen. Die Franzosen kontrollieren gut 20 Prozent des Gasegeschäfts, dahinter folgen Praxair (13), Linde (11), Air Products (11) und BOC (10).

dpa