Volkswagen Die meisten Optionen floppten

Welche Anreizsysteme bietet Europas größter Autokonzern seinen Mitarbeitern? Die Antworten von Volkswagen.
Von Christian Buchholz und Marleen Gründel

mm.de:

Seit wann bietet Volkswagen  Mitarbeiteraktien und Aktienoptionsprogramme? Nennen Sie die wichtigsten Rahmenbedingungen.

Volkswagen: Volkswagen hat seit 1999 jährlich eine Tranche des Aktienoptionsplans aufgelegt. Dabei haben die Teilnehmer das Recht, VW-Aktien zu einem feststehenden Preis zu erwerben. Dieser garantierte Preis steigt allerdings im Zeitablauf kontinuierlich an und beträgt zwischen 110 und 125 Prozent des so genannten Basispreises. Dieser wiederum wird mit dem Angebot auf die Optionen festgelegt. Grundsätzlich sind alle unbefristet beschäftigten Mitarbeiter von Volkswagen teilnahmeberechtigt, wobei die maximale Anzahl der zu erwerbenden Optionen hierarchisch gestaffelt ist.

mm.de: Nach welchen Haltefristen und in welchen Zeitfenstern können die Mitarbeiter Aktien aus dem Programm an der Börse veräußern?

Volkswagen: Die Sperrfrist der Optionen beträgt zwei Jahre. Daran schließt sich ein dreijähriger Wandlungszeitraum an, in dem die Optionen in Aktien gewandelt werden können. Dies setzt allerdings voraus, dass der dann aktuelle Börsenkurs oberhalb der festgelegten Wandlungspreise liegt.

mm.de: Wie hat sich die Rendite für die Teilnehmer an dem Programm im Laufe der Jahre entwickelt? Wie hoch ist der vom Konzern eingeräumte Rabatt?

Volkswagen: Die Frage ist im Zusammenhang mit einem Aktienoptionsplan missverständlich. Aufgrund der schwierigen allgemeinen Börsenentwicklung, dem sich auch die VW-Aktie nicht entziehen konnte, kam es bisher nur zu geringen Wandlungsmöglichkeiten für die Teilnehmer. Wir sind optimistisch, dass sich dies mittelfristig ändern und es damit im Zuge künftiger Aktienkurssteigerungen auch vermehrt zu Wandlungen kommen wird.

mm.de: Wurden die Konditionen geändert? Wie entwickelte sich beispielsweise die Maximal-Summe, die pro Mitarbeiter in das Programm investiert werden darf?

Volkswagen: Von der Grundkonzeption ist das seit 1999 bestehende Programm kontinuierlich beibehalten worden. Eine Änderung war die Halbierung der maximal möglichen Bezugsmengen ab der Auflegung der vierten Tranche in 2002. Nach Tarif bezahlte Mitarbeiter konnten 2005 mit fünf Optionen insgesamt 50 Aktien erwerben.

Führungskräfte besonders interessiert

mm.de: Wie hat sich die Resonanz über die Jahre entwickelt? Wie hoch ist der Anteil der Mitarbeiter, die das Angebot annehmen?

Volkswagen: Die Resonanz ist durchgängig gut. Bezogen auf alle Teilnahmeberechtigten ergaben sich bisher Beteiligungsquoten zwischen 40 und 50 Prozent.

mm.de: Sind Tendenzen, Trends über die Jahre erkennbar? Nehmen beispielsweise Mitarbeiter höherer Gehaltsklassen das Programm stärker an als solche in unteren Gehaltsklassen?

Volkswagen: In Abhängigkeit von der jeweils aktuellen Aktienkursentwicklung, den bedingungsgemäßen Wandlungspreisen und den Aktienkurserwartungen der Teilnehmer ergeben sich auch unterschiedliche Beteiligungsquoten. Teilnehmer aus dem Management und Topmanagement beteiligen sich überdurchschnittlich stark.

mm.de: Sind Vorstandsmitglieder und andere Angehörige des Konzerns von dem Programm ausgeschlossen? Falls ja: Gibt es "Equity Incentives Pläne" oder Vergleichbares für die Gruppe der Führungskräfte? Wie sind diese aufgebaut?

Volkswagen: Vorstandsmitglieder von Volkswagen sowie Topmanager des Konzerns sind ebenfalls teilnahmeberechtigt.

mm.de: Wie finanziert Volkswagen das Programm? Wie hoch sind die Kosten?

Volkswagen: Der VW-Aktienoptionsplan basiert auf entsprechenden Hauptversammlungsbeschlüssen der Jahre 1997 beziehungsweise 2002. In ihnen wurde jeweils beschlossen, dass zur Umsetzung des Aktienoptionsplans entsprechendes bedingtes Kapital zu schaffen ist. Volkswagen wird gemäß den gültigen Bilanzierungsvorschriften nach IAS, ab dem Geschäftsjahr 2005 den Wert der Optionen als Personalaufwand bilanzieren. Bislang fiel kein Aufwand an.

mm.de: Plant Volkswagen, das Programm in den kommenden Jahren zu modifizieren, abzuschaffen oder auszubauen?

Volkswagen: Volkswagen beobachtet kontinuierlich die Entwicklungen in diesem Bereich. Entscheidungen für eine neue Tranche werden gegebenenfalls in diesem Jahr noch getroffen.

mm.de: Gibt es aus Sicht des Unternehmens seitens des Gesetzgebers Regelungsbedarf in Bezug auf Mitarbeiteraktien und Aktienoptionsprogramme?

Volkswagen: Die internationalen Bilanzierungsvorschriften führen auch bei der von Volkswagen gewählten Plangestaltung zur Bildung von Personalaufwand. Weil dem VW-Aktienoptionsplan bedingtes Kapital zu Grunde liegt, ist es aber eigentlich kein "klassischer Personalaufwand" wie zum Beispiel Löhne und Gehälter. Anders ist dies bei vielen virtuellen Plänen, die das Unternehmen cash bedient. Es wäre wünschenswert, wenn die internationalen Bilanzierungsvorschriften diesen Widerspruch auflösen.

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