BASF "Pro Zehnerpaket fünf Gratisaktien"

Welche Anreizsysteme bietet der Chemiekonzern seinen Mitarbeitern? Die Antworten von BASF.
Von Christian Buchholz und Marleen Gründel

mm.de:

Seit wie vielen Jahren bietet BASF  Mitarbeiteraktien und Aktienoptionsprogramme? Nennen Sie die wichtigsten Rahmenbedingungen.

BASF: BASF bietet seit 1999 sowohl ein Beteiligungsprogramm (Plus) für die breite Belegschaft als auch ein Aktienoptionsprogramm (BOP) für die Oberen Führungskräfte an. Mit beiden Programmen fördert die BASF die Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmen.

Plus: Dieses Programm wird derzeit allen Mitarbeitern - mit Ausnahme der für das BOP Teilnahmeberechtigten - in Deutschland, weiteren europäischen Ländern und Mexiko angeboten. Sofern die Mitarbeiter ihre zum aktuellen Börsenkurs (Stichtag: Tag nach der BASF-Hauptversammlung) erworbenen Aktien über zehn Jahre im Depot belassen, erhalten sie pro Zehnerpaket fünf Gratisaktien vom Unternehmen.

Die Gewährung dieser fünf Gratisaktien erfolgt gestaffelt, und zwar nach einem, drei, fünf, sieben und zehn Jahren. Das Recht auf Gratisaktien verfällt, wenn der Teilnehmer seine Eigeninvestment-Aktien verkauft, seine Tätigkeit für die BASF-Gruppe beendet beziehungsweise ein Jahr nach Pensionierung.

Seit 2002 werden für das erste Zehnerpaket jedes Plus-Programms während der zehnjährigen Frist statt fünf nunmehr zehn Aktien gewährt, das heißt es kommt jedes Jahr eine Gratisaktie hinzu. 2002 wurden zusätzlich jedem unbefristet Beschäftigten einmalig fünf Gratisaktien angeboten. Seit 2003 gilt dieses Angebot auch für alle neu unbefristet eintretenden Mitarbeiter.

BOP: Teilnahmevoraussetzung ist ein Eigeninvestment in BASF-Aktien. Berechnungsbasis für die einzubringende Aktienanzahl ist die Spanne von mindestens 10 Prozent und maximal 30 Prozent des individuellen jährlichen Brutto-Bonus sowie der Basiskurs des jeweiligen BOP-Programms (letzterer ist definiert als gewichteter Durchschnittskurs am Tag nach der ordentlichen Hauptversammlung von BASF).

Für jede so investierte BASF-Aktie erhält ein Teilnehmer vom Unternehmen vier Optionsrechte. Jedes dieser Optionsrechte besteht seinerseits aus den beiden Teilrechten A und B. Deren Werthaltigkeit orientiert sich an unterschiedlichen Erfolgszielen (Hürden): Teilrecht A ist werthaltig, wenn der Kurs der BASF-Aktie gegenüber dem Basiskurs um mehr als 30 Prozent gestiegen ist (absolute Hürde). Der Wert des Teilrechts A ergibt sich dann aus der Differenz zwischen dem Börsenkurs am Ausübungstag und dem Basiskurs.

Teilrecht B ist werthaltig, wenn sich die BASF-Aktie besser entwickelt hat als der Vergleichsindex (relative Hürde). Der Wert des Teilrechts B ergibt sich dann aus der doppelten prozentualen Outperformance der BASF-Aktie bei Ausübung bezogen auf den Basiskurs.

Die bislang letzten Optionen wurden zum 1. Juli 2005 im Rahmen des BOP 2005 gewährt und können zwischen dem 1. Juli 2007 und dem 30. Juni 2013 ausgeübt werden. Während der Ausübungsphase dürfen die Optionen allerdings innerhalb bestimmter Sperrfristen (Closed Periods) nicht ausgeübt werden.

Wichtig ist, dass jedes Optionsrecht nur als Ganzes ausgeübt werden kann. Ist daher bei Ausübung nur eine der beiden Hürden übersprungen, verfällt das an die andere Hürde geknüpfte Teilrecht mit der Ausübung ersatzlos. Der maximal mögliche Ausübungsgewinn eines Teilnehmers ist stets auf das Zehnfache seines Eigeninvestments begrenzt.

Gratisaktien nur bei Fristeinhaltung

mm.de: Nach welchen Haltefristen und in welchen Zeitfenstern können die Mitarbeiter Aktien/Derivate aus dem Programm an der Börse veräußern?

BASF: Eine Haltefrist für die im Rahmen des Plus-Programms erworbenen Aktien besteht nicht. Allerdings ist der über zehn Jahre gestaffelte Bezug der Gratisaktien davon abhängig, dass der Mitarbeiter die von ihm erworbenen Aktien kontinuierlich hält. Der Bezug der Gratisaktien endet, sobald die eigenen Aktien, aufgrund derer die Gratisaktien ausgegeben werden, veräußert werden. Für die seit 2002 einmalig kostenlos gewährten fünf BASF-Aktien besteht eine Haltefrist von zehn Jahren.

Die Eigeninvestment-Aktien müssen zwei Jahre gehalten werden, sonst verfallen die hierfür gewährten Optionsrechte. Die Optionsrechte ihrerseits sind erstmals zwei Jahre nach ihrer Gewährung ausübbar, und zwar derzeit für einen Zeitraum von weiteren sechs Jahren.

mm.de: Wie hat sich die Rendite für die Teilnehmer an dem Programm im Laufe der Jahre entwickelt? Wie hoch war/ist der vom Konzern eingeräumte Rabatt?

BASF: Dies ist bezogen auf Plus und BOP schwer zu beziffern. Deshalb stattdessen folgende Renditebetrachtung: Aktionäre, die Ende 1995 umgerechnet 1000 Euro in BASF-Aktien investiert haben und die ihnen zugeflossene Dividende (ohne Steuergutschrift) wieder in BASF-Aktien investierten, verfügten nach zehn Jahren, am Jahresende 2005, über einen Depotwert von 5343 Euro. Diese Wertsteigerung von 434,3 Prozent entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 18,2 Prozent. Sie liegt deutlich über dem vergleichbaren Wert des Dax  von 9,1 Prozent und des Euro Stoxx 50  von 11,2 Prozent.

mm.de: Wurden die Konditionen geändert? Wie entwickelte sich beispielsweise die Maximal-Summe, die pro Mitarbeiter in das Programm investiert werden darf?

BASF: Eine Veränderung der Konditionen beim Plus-Programm hat ausschließlich 2002 durch Einführung von "Doppel-Plus" stattgefunden, indem für das erste erworbene Zehnerpaket eines Jahres über zehn Jahre hinweg jedes Jahr eine Gratisaktie gewährt wird. Bezüglich des maximalen Bezugs bedeutet dies, dass außertarifliche Mitarbeiter ein Drittel ihres Bonus (etwa 8 Prozent des Jahreseinkommens), Tarifmitarbeiter ihre Freiwillige Erfolgsbeteiligung (etwa 5 Prozent des Jahreseinkommens) investieren können.

Beim BOP hat es in den letzen Jahren, konkret in 2005, lediglich einen Wechsel des Vergleichsindex gegeben. Statt des unter Umständen durch Wechselkursschwankungen beeinflussten Dow Jones Global Chemicals TR Index wird die BASF-Performance seit 2005 am MSCI World Chemicals Index in lokaler Währung gemessen. Die maximale Investitionssumme definiert sich seit 1999 unverändert aus 10 bis 30 Prozent des individuellen jährlichen Brutto-Bonus.

Vergütungsabhängige Teilnahmequote

mm.de: Wie hat sich die Resonanz über die Jahre entwickelt? Wie hoch war/ist der Anteil der Mitarbeiter, die das Angebot annahmen/annehmen?

BASF: Die Teilnahmequote am Plus-Programm liegt stabil bei 35 bis 38 Prozent. Die Teilnahmequote am BOP liegt konstant zwischen 75 und 80 Prozent.

mm.de: Sind Tendenzen, Trends über die Jahre erkennbar? Nehmen beispielsweise Mitarbeiter höherer Gehaltsklassen das Programm stärker an als solche in unteren Gehaltsklassen?

BASF: Die Teilnahme am Plus-Programm ist eindeutig entgeltabhängig: Je höher die Eingruppierung, desto höher die Teilnahmequote.

Sowohl die Teilnahmequote als auch der relative Umfang der Teilnahme (eingesetzter Prozentsatz des jährlichen Bonus als Eigeninvestment) am BOP ist unabhängig von der Hierarchieebene relativ einheitlich.

mm.de: Sind Vorstandsmitglieder und andere Angehörige des Konzerns von dem Programm ausgeschlossen? Falls ja: Gibt es "Equity Incentives Pläne" oder Vergleichbares für die Gruppe der Führungskräfte? Wie sind diese aufgebaut?

BASF: Die Mitglieder des Vorstands sind nach den gleichen Regeln wie die übrigen oberen Führungskräfte der BASF-Gruppe für das BOP teilnahmeberechtigt.

mm.de: Wie finanziert das Unternehmen das Programm? Wie hoch sind die Kosten?

BASF: Beim Plus-Programm werden die aus der variablen Vergütung erworbenen Aktien durch das Unternehmen zum Börsenkurs beschafft und an die Mitarbeiter weitergegeben. Die Kosten für die Gewährung der Gratisaktien werden auf Basis des Schlusskurses der BASF-Aktie entsprechend zeitanteilig zurückgestellt. Der Personalaufwand für das Plus-Programm betrug im Jahr 2004 13,5 Millionen Euro (im Jahr 2003 waren es 10,8 Millionen Euro).

Die Optionsrechte werden bei Ausübung derzeit ausschließlich durch Barvergütung erfüllt. Die zum Jahresende bestehenden Optionen werden mit ihrem Marktwert am Bilanzstichtag bewertet. Dieser Betrag wird verteilt über die Sperrfrist der Optionen entsprechend zeitanteilig zurückgestellt. Im Jahr 2004 entstand hieraus ein Personalaufwand in Höhe von 36,4 Millionen Euro (im Jahr 2003 waren es 28,1 Millionen Euro).

mm.de: Plant das Unternehmen, das Programm in den kommenden Jahren zu modifizieren, abzuschaffen oder auszubauen?

BASF: Derzeit nicht.

mm.de: Gibt es aus Sicht des Unternehmens seitens des Gesetzgebers Regelungsbedarf in Bezug auf Mitarbeiteraktien und Aktienoptionsprogramme?

BASF: Nein, weder bei Plus - noch bei BOP.

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