Übernahme Was BASF mit Engelhard vorhat

BASF hat sich auf dem weltweiten M&A-Markt bisher zurückgehalten. Doch nun treibt der weltgrößte Chemiekonzern eine milliardenschwere Übernahme in den USA voran: BASF-Chef Hambrecht setzt auf das Wachstum von Umwelttechnologien.

Ludwigshafen/Iselin - Die Botschaft war eindeutig: "Wir halten an unserem Ziel fest, Engelhard zu übernehmen", so Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender der BASF , in einer Pressemitteilung Ende Januar. "Wir ziehen es weiterhin vor, mit dem Board von Engelhard eine einvernehmliche Transaktion auszuarbeiten", hieß es. Vier Monate später scheint der BASF-Chef am Ziel zu sein.

Die bisher bekannten Fakten zu Engelhard  sind schnell aufgezählt. Am Hauptsitz Iselin in New Jersey erwirtschaftete der Konzern im Jahr 2004 einen Jahresumsatz von 4,16 Milliarden Dollar bei 235 Millionen Dollar Nettogewinn und auch für das vergangene Jahr deuten die Zahlen auf ein ähnlich gutes Ergebnis hin.

Als Chemiespezialkonzern verdient Engelhard sein Geld vor allem mit der Technologie für Autokatalysatoren. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen etwa 6500 Mitarbeiter, wobei es auch in Deutschland mit Werken in Hannover und Nienburg zwei kleinere Standorte betreibt.

Seit Jahresanfang zeigt nun BASF offiziell ein starkes Interesse an Engelhard. Hauptpersonen in dem Übernahmekrimi sind der BASF-Chef Hambrecht und der Engelhard-Lenker Barry Perry, der ein möglichst hohes Angebot durch BASF herausholen will. "Perry hält Anteile an Engelhard und ist deshalb offensichtlich an einem hohen Preis interessiert", so Carsten Kunold, Analyst bei Merck Finck & Co., gegenüber manager-magazin.de.

Im Falle seines Ausscheidens würde Perry also kräftig kassieren. Doch fast zwangsläufig handelt er laut Kunold auch im Sinne der Aktionäre: "Holen die Vorstände in den USA nicht eine optimale Wertsteigerung für die Aktionäre heraus, können sie schnell verklagt werden", so der Analyst. Für BASF gilt es daher vor allem, die zehn größten Anteilseigner, die zusammen etwa 55 Prozent an Engelhard besitzen, zu überzeugen.

"Schwankungen aus dem Chemiegeschäft abfedern"

"Schwankungen aus dem Chemiegeschäft abfedern"

Doch warum soll nun unbedingt Engelhard ins BASF-Portfolio? Die 5 Milliarden Euro wären ein stolzer Preis für ein Unternehmen, das in den Medien oft als mausgrau bezeichnet wird. Zu Unrecht, denn der Konzernlenker Perry hat Engelhard fit für die Zukunft gemacht, moderne innovative Umwelttechnologien zeichnen das ertragreiche Unternehmen aus.

"Bei BASF ist viel Cash vorhanden, mit einer Übernahme von Engelhard könnte dieses Geld jetzt angelegt werden, bevor der Aktienkurs von Engelhard noch weiter steigt", sagt Analyst Kunold.

Strengere Auflagen, moderne Umwelttechnologien

"BASF möchte mit Engelhard die zyklischen Schwankungen aus dem Chemiegeschäft abfedern," so Kunold. "Gleichzeitig reizt das Wachstumspotenzial auf dem Markt der Katalysatoren". Die Umweltauflagen dürften nicht nur für die Autoindustrie in den USA in Zukunft eher strenger werden.

Darüber hinaus ist für die Ludwigshafener auch die Zusammenlegung der Forschungsabteilungen von Interesse. So könnte Engelhard BASF durch sein Spezialwissen bei der Entwicklung effizienterer Pflanzenschutzmittel weiter voranbringen.

Für Engelhard wäre eine gelungene Übernahme durch BASF letztendlich so etwas wie eine Rückkehr in die alte Heimat. Denn sechs Jahre vor der Unternehmensgründung im Jahr 1902 wanderte die Familie Engelhard aus dem hessischen Hanau in die USA aus.