WEF Hubschrauber, Stacheldraht und 5000 Soldaten

Wenige Stunden vor Beginn des bedeutendsten Wirtschaftsereignisses der Welt gleicht der Schweizer Wintersportort Davos jedem anderen beschaulichen Alpenort – wenn nicht überall Soldaten Posten beziehen würden. Denn am Mittwoch beginnt hier das Weltwirtschaftsforum, und dann gleicht Davos keinem anderen Alpenort mehr.
Von Karsten Stumm

Davos - Noch ist Davos die Ruhe selbst. Einen Tag vor Beginn des Weltwirtschaftsforums (WWF) gehört der Wintersportort noch den Skifahrern. Bei minus zwölf Grad Celsius sind sie die Einzigen, die am Morgen bei strahlendem Sonnenschein über die Hauptstraße des Ortes laufen, auf dem Weg zur nächsten Ski-Bushaltestelle. Und dann weiter zu den Pisten.

Doch etwas ist anders heute.

Der Krach von Hubschrauberrotoren übertönt im Minutentakt das Schneekettenklappern der Autos auf der Hauptstraße von Davos. Soldaten, Polizisten und Angestellte privater Sicherheitsfirmen wie etwa von Securitas patroullieren über die verschneiten und dick vereisten Bürgersteige der Promenade.

Sie sollen zusammen mit mehr als 5000 Soldaten des Schweizer Bundesheeres und der Polizei dafür sorgen, dass die Konferenz von Mittwoch bis Sonntag sicher über die Bühne gehen wird, und zumindest technisch scheinen sie auf alles erdenklich Mögliche eingestellt zu sein.

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WWF 2006: Die doppelte Angie in Davos
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Selbst an den Eingängen zu den größeren Hotels, wie etwa dem Hotel Post in Davos' kleinem Zentrum, haben sie Metalldetektoren und Durchleuchtungsmaschinen der Firma Heimann installieren lassen. Die gleichen Geräte, die Reisende von den Sicherheitsschleusen an Flughäfen kennen - und stets verfluchen, weil sich vor ihnen immer wieder lange Schlangen bilden.

Merkel eröffnet das Spitzentreffen

Detektoren vor jedem Hotel

Das ist im Hotel Post nicht anders, aber das stört die Sicherheitsleute nicht. Sie durchleuchten die Hotelgäste, und ihr Gepäck gleich mit. Wer weiß schon, was darin sein mag.

Sie wollen sich nicht nachsagen lassen, etwas unversucht gelassen zu haben. Noch vor sechs Jahren haben Globalisierungsgegner den Sicherheitsbehörden eine Schlacht geliefert. Und schon in den vergangenen Tagen sind Protestler in vielen Städten der Schweiz eingetroffen, darunter in der Hauptstadt Bern, Basel, Genf und Zürich.

In der Finanzmetropole des Landes haben Farbbeutelwerfer auf die Schweizer Nationalbank offenbar bereits Schäden im Wert von 100.000 Schweizer Franken angerichtet. Ein Sprecher der Polizei in Davos erwartet Ähnliches oder gar terroristische Attacken in dem Alpenort allerdings nicht. "Es gibt keinen Hinweis auf so ein Ereignis", sagte er manager-magazin.de.

Merkel hält die Eröffnungsrede

Die Durchleuchtungsprozedur an den Eingängen brauchen die wirklich bedeutenden Gäste des World Economic Forums 2006 allerdings nicht zu fürchten.

15 Staatschefs und Ministerpräsidenten, 60 Minister, zahlreiche Spitzenfunktionäre und 735 Firmenchefs haben ihren Besuch angekündigt, darunter der pakistanische Präsident Pervez Musharraf und Polens Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz, der britische Schatzkanzler Gordon Brown, Fifa-Chef Joseph Blatter sowie Megaunternehmer und Microsoft-Chef Bill Gates.

Das alles ist zwar ein Rekord, doch so viel Glanz wie in den Vorjahren fällt in diesem Jahr nicht auf das wohl bedeutendste Gesellschaftstreffen der Welt. Von den Staats- und Regierungschefs der führenden Industriestaaten wird einzig Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel in Davos erwartet.

Ihre Eröffnungsrede am Mittwoch um 17.45 Uhr wird im Vorfeld des Forums dann auch mit besonderer Spannung erwartet. Ob Merkel sich in ihrer Ansprache ebenfalls dem Hauptthema des diesjährigen Forums, "The Creative Imperative", widmen wird, ist allerdings noch ungewiss.

China und Indien im Blick

China und Indien im Blick

In vielen der insgesamt mehr als 230 Konferenzen und Gesprächskreisen jedenfalls, die an den Kongresstagen nach Merkels Rede beginnen, werden sich die Delegierten über den Aufstieg Chinas und Indiens zu neuen Wirtschaftsmächten Gedanken machen.

"Der Aufstieg der beiden Staaten ist das Thema schlechthin, das uns in den kommenden Jahrzehnten beschäftigen wird", sagte Klaus Schwab, Gründer und Chef des Wirtschaftsforums, der Nachrichtenagentur ap vor Beginn des diesjährigen Forums.

Im Moment halten seine Mitarbeiter allerdings noch die letzten der technischen Aufbauten im Davoser Kongresssaal im Atem. Dort, wo Angela Merkel in etwa 30 Stunden zusammen mit Forumschef Schwab den Weltwirtschaftsgipfel eröffnen wird. Mehrere hundert Journalisten werden neben den Festgästen erwartet, dazu dutzende Kamerateams aus aller Welt. Die ersten Fernsehleute bauen bereits ihre aufwändigen Gerätschaften auf. Kilometerweise müssen Kabel verlegt werden. Noch wenige Stunden bis zur Eröffnung.

Zeit genug für die Bewohner von Davos, sich auf den Ansturm der 2340 Gäste des Weltwirtschaftsforums vorzubereiten. Die Schweizer Bahn erwartet die meisten von ihnen zwischen Dienstagabend und Mittwochnachmittag. Bis dahin gehört Davos noch den Skifahrern. Und den Soldaten, Polizisten und Security-Leuten.

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