Tarifstreit IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn

Die IG Metall strebt in der bevorstehenden Tarifrunde eine Lohnerhöhung um fünf Prozent an. Gesamtmetallchef Martin Kannegiesser hält dies für unbezahlbar. Betroffen sind 3,4 Millionen Beschäftigte.

Frankfurt am Main - IG-Metall-Chef Jürgen Peters schloss am Freitag zwar eine Zuspitzung des Tarifkonflikts nicht aus. Die IG Metall wolle aber schnell zum Abschluss kommen und Unternehmen wie Beschäftigten damit Planungssicherheit geben.

"Wir sind nicht an Konflikten interessiert. Aber wir werden Konflikte auch nicht scheuen, wenn sie von den Arbeitgebern provoziert werden", sagte Peters in Frankfurt. Das vom Hauptverstand der Gewerkschaft einstimmig beschlossene Forderungsvolumen von fünf Prozent für die 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie bezeichnete Peters als bezahlbar. Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser lehnte die Forderungen umgehend als unbezahlbar ab.

Verhandlungen ab Februar

Die regionalen Verhandlungen sollen Anfang Februar beginnen. Mit Ablauf der Friedenspflicht am 28. März können die Metall- und Elektrobeschäftigten mit Warnstreiks Druck machen.

"Unsere Forderungen sind bezahlbar. Sie entsprechen der Leistungsfähigkeit der deutschen Metall- und Elektroindustrie", sagte Peters. Eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um fünf Prozent bedeute für die Unternehmen lediglich eine zusätzliche Kostenbelastung von knapp einem Prozent.

Der von den Arbeitgebern unternommene Versuch, an die Verzichtsbereitschaft der Menschen zu appellieren, werde scheitern. Die deutsche Wirtschaft müsse sich "vom Damoklesschwert der Exportabhängigkeit befreien". Dazu müsse die Kaufkraft im Inland gestärkt werden.

"Erwartungen, die wir nicht erfüllen können"

Gesamtmetall-Chef Kannegiesser lehnte die verlangte Lohnerhöhung ab: "Diese Forderung erweckt Erwartungen, die wir nicht erfüllen können." Es könne nur das verteilt werden, was zusätzlich erarbeitet worden sei. Die gesamtwirtschaftliche Produktivität liege deutlich unterhalb der Forderung der Gewerkschaft.

Die Arbeitgeber betonten, sie wollten nur eine kostenneutrale Einkommensentwicklung akzeptieren. Sie verlangten zudem mehr Möglichkeiten, um vom Flächentarifvertrag abzuweichen. Der Arbeitgeberverband warnte in Berlin, eine weitere Erhöhung der Arbeitskosten würde Arbeitsplätze aus dem Land treiben.

Zwei Prozent Inflation, zwei Prozent Fortschritt

Die Lohnforderung setzt sich nach Gewerkschaftsangaben zusammen aus einem Ausgleich für die gesamtwirtschaftliche Preissteigerungsrate von zwei Prozent und der Teilhabe am Produktivitätsfortschritt von ebenfalls zwei Prozent. Hinzu kommt ein weiterer Prozentpunkt, den die IG Metall mit der guten Wirtschaftslage vieler Metallunternehmen begründet.

Die Tarifforderung ist damit höher als vor zwei Jahren, als die IG Metall vier Prozent durchsetzen wollte. Damals wurden nach der Drohung mit einem Streik eine Anhebung der Löhne und Gehälter um 2,2 Prozent ab März 2004 und um weitere 2,7 Prozent ab März 2005 vereinbart.

rtr