Airbus Sieger im Fotofinish

Allen Prognosen zum Trotz hat Airbus 2005 seinen Rang als Marktführer knapp verteidigt. Insgesamt kam der europäische Flugzeugbauer in den vergangenen zwölf Monaten auf 1055 Flugzeug-Bestellungen - 53 mehr als Boeing.

Paris - Als Boeing  vor zwei Wochen bekannt gab, man habe im Jahr 2005 insgesamt 1002 Bestellungen für Flugzeuge erhalten, waren sich die Auguren sicher: Damit würde Airbus nie im Leben mithalten können. Schließlich hatten die Europäer noch im Dezember erklärt, dass sie mit insgesamt rund 800 Bestellungen im Gesamtjahr rechneten.

Der Jahresschluss 2005 aber war eine hektische Zeit für die Flugzeughersteller - fast täglich gingen neue Milliardenbestellungen ein. "Wir hatten einen sehr arbeitsreichen Dezember", sagte Airbus-Chef Gustav Humbert heute.

So wurde eine Rekordorder aus China über 150 Maschinen der A320-Familie noch in eine Festbestellung umgewandelt. Damit hat der Konzern es doch noch geschafft, Boeing abermals zu deklassieren. Außerdem hat der Flugzeughersteller 2005 seinen eigenen Vorjahreswert von 366 Bestellungen fast verdreifacht.

"2005 war das bisher beste Jahr für Airbus", sagte Humbert, der sein Amt im Juni angetreten hat. "Wir sind die Besten geblieben, was Auslieferungen und Bestellungen angeht." Insgesamt lieferte Airbus 378 Maschinen aus, 58 mehr als im Vorjahr. Boeing hatte für 2005 290 Auslieferungen gemeldet.

Margen bei Boeing oft höher

A350 als Spätstarter, A340 auf dem Prüfstand

Damit liegt Airbus bei den Auslieferungen im dritten und bei den Bestellungen im fünften Jahr in Folge vor Boeing. Der Umsatz von Airbus stieg um rund zehn Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. Dabei konnte Airbus trotz des Preiskampfes mit Boeing die Umsatzrendite um einen Punkt auf gut zehn Prozent steigern. Humbert räumte allerdings ein, dass Boeing bei Langstreckenflugzeugen, die mehr Marge abwerfen, die Nase vorn hat. Die US-Konkurrenz komme in diesem Bereich auf einen Marktanteil von 55 Prozent. Hier müsse Airbus besser werden.

Während Boeing zum Beispiel 235 Bestellungen für seine neue 787 (Dreamliner) verbuchte, holte Airbus nur 87 feste Aufträge (samt Kaufverpflichtungen: 172 Bestellungen) für das Konkurrenzmodell A350 herein. Angepeilt waren etwa 200 Festaufträge und Verpflichtungen. Doch der A350 sei später gestartet als die 787 und in steilem Steigflug, sagte Humbert.

Der Langstreckenjet A340, der 2005 bis Ende November nur 19 Mal geordert wurde, stehe nun auf dem Prüfstand, sagte der Airbus-Chef. Dieses Modell konkurriert mit der ebenfalls sehr erfolgreichen Boeing 777. Beim Flaggschiff A380 rechnet Airbus nicht mit einem neuen Auftragsschub, bis das größte Flugzeug der zivilen Luftfahrt Ende des Jahres in den Liniendienst gestellt wird.

A320-Output soll hochgefahren werden

In den Auftragsbüchern hat Airbus nun 2177 Flugzeuge stehen, das sind rund 55 Prozent des Gesamtmarkts. Das Unternehmen will die Produktionsrate für die erfolgreiche A320-Familie in diesem Jahr auf monatlich 30 und 2007 auf 32 erhöhen. Derzeit produziert Airbus jeden Monat durchschnittlich 28,5 Exemplare der Mittel- und Kurzstreckenjets.

Im neuen Jahr wolle Airbus insgesamt auf "mehr als 400 Auslieferungen" kommen, sagte Humbert. Boeing hat sich ungefähr 395 Flugzeuge als Ziel gesetzt.