Autokonzerne Ermittlungen, Entlassungen, Vorwürfe

Die Serie der Skandalmeldungen deutscher Autokonzerne reißt nicht ab. So soll DaimlerChrysler mehrere Manager unter Korruptionsverdacht entlassen haben. In der Volkswagen-Schmiergeldaffäre wurden Vorwürfe gegen Konzernchef Pischetsrieder laut. Bei BMW und Opel sind Mitarbeiter ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

Stuttgart - Gleich vier deutsche Autokonzerne sorgten am Wochenende mit skandalträchtigen Schlagzeilen für Aufsehen. DaimlerChrysler  soll mehrere Manager im Zuge der Korruptionsaffäre um das UN-Hilfsprogramm "Öl für Lebensmittel" beurlaubt haben.

Nach Angaben des Magazins DER SPIEGEL wurden neun Manager vom Dienst freigestellt, die "Bild"-Zeitung berichtet von sechs hochrangigen Managern der DaimlerChrysler-Vertriebssparte Overseas und ihren Mitarbeitern. Die Vereinten Nationen (UN) und die US-Börsenaufsicht SEC untersuchen mögliche Verstöße DaimlerChryslers und anderer Unternehmen gegen Irak-Sanktionen der Weltorganisation bereits seit Monaten.

DaimlerChrysler äußerte sich auf Anfrage nicht näher zu den Berichten. "Wir stellen den Ermittlern auf freiwilliger Basis Informationen über die internen Untersuchungen zur Verfügung", sagte ein Sprecher am Samstag lediglich.

Mehrere Mitarbeiter des Konzerns werden laut SPIEGEL verdächtigt, Schmiergelder gezahlt zu haben, um im Rahmen des Programms "Oil for Food" Lastwagen an das ehemalige irakische Regime von Saddam Hussein verkaufen zu können. Im Ende Oktober veröffentlichten Bericht über Korruption und Bestechung im Rahmen des Programms waren mehr als 2200 Unternehmen genannt, die Schmiergelder an irakische Stellen gezahlt hatten, um Aufträge zu bekommen.

Das US-Justizministerium ermittelt nach Informationen des Magazins außerdem gegen DaimlerChrysler, weil führende Manager angeblich in mehr als einem Dutzend Länder Schmiergelder gezahlt haben sollen. Diese Untersuchungen sollen auf die Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters des Konzerns zurückgehen. Der Mann behaupte, er sei entlassen worden, weil er sich intern über Schmiergeldzahlungen beschwert habe.

In der Korruptionsaffäre um angebliche Schmiergelder in Millionenhöhe ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen drei Mitarbeiter des Autokonzerns BMW . Den Beschäftigten sei bereits gekündigt worden, sagte ein BMW-Sprecher am Samstag in München. Damit bestätigte er einen Bericht des SPIEGEL. Allerdings lägen die Kündigungen bereits mehrere Monate zurück, betonte er.

Zu den drei Entlassenen gehört dem Bericht zufolge auch ein ehemaliger Einkaufsmanager, der von mehreren Zulieferern mit mindestens einer Millionen Dollar bestochen worden sein soll. Parallel zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft habe BMW auch eigene Prüfungen bei den Zulieferern aufgenommen, sagte der Sprecher.

Untreueverdacht gegen Opel-Betriebsrat

Untreueverdacht gegen Opel-Betriebsrat

Die Staatsanwaltschaft Bochum prüft Ermittlungen gegen einen Betriebsrat des Autokonzerns Opel wegen des Verdachts der Veruntreuung von Spendengeldern. Einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Sonntag. "Wir sind zu der Prüfung verpflichtet, weil drei Opel-Mitarbeiter Anzeige erstattet haben", sagte der Sprecher. Der Betriebsrat habe beim Arbeitskampf im Herbst 2004 rund 28.000 Euro gesammelt, das Geld aber später an Nicht-Opelaner gespendet, schreibt das Magazin.

Auch in der Schmiergeldaffäre bei Volkswagen  sind neue Vorwürfe laut geworden. Wie der "Focus" berichtet soll VW-Vorstandschef Bernd Pischetsreider weitaus früher als bisher bekannt über verdächtige Machenschaften des ehemaligen Skoda-Personalvorstands Helmuth Schuster informiert gewesen sein. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG fanden laut ihres vertraulichen Berichts, der Focus eigenen Angaben zufolge vorliegt, heraus, dass sich Pischetsrieder bereits am 21. Oktober 2004 mit dem Fall Schuster befasste, etwa acht Monate vor der Entlassung Schusters im Zuge der VW-Affäre.

Ein VW-Sprecher bestätigte dem Magazin, dass die Revision Pischetsrieder im Oktober 2004 über den Vorgang informiert hatte: "Zum damaligen Zeitpunkt lagen aber keine Anhaltspunkte dafür vor, dass Herr Schuster im Eigeninteresse hatte handeln wollen oder seine Vertrauensposition anderweitig missbrauchte."

ap, dpa, rtr, vwd