Energiepreise Welche Branchen besonders leiden

Sorgen um eine Eskalation im Atomstreit mit dem Iran haben den Ölpreis in Richtung eines Dreimonatshochs getrieben. Dies kostet die deutsche Industrie viel Geld: Ein Vergleich zeigt, wie stark Schlüsselbranchen wie Autoindustrie, Maschinenbau oder Chemie durch steigende Energiepreise belastet werden.

Hamburg - Selten sind Energiepreise so rasant gestiegen wie im vergangenen Jahr. Der Ölpreis kletterte 2005 von 40 auf zeitweise 70 US-Dollar je Barrel. Pünktlich zum Neujahr 2006 drehte der russische Gazprom-Konzern  der Ukraine den Gashahn zu, um eine Vervierfachung der Preise durchzusetzen. Wer darauf gesetzt hat, dass sich die Preise für Öl, Strom und Gas nach der Vorjahresrally wieder ein wenig beruhigen werden, sieht sich getäuscht.

Wichtigster Preistreiber auf dem Ölmarkt ist derzeit der Streit um Irans Atomanlagen. Die USA haben bereits mit Sanktionen gedroht, sollte die iranische Regierung ihr nukleares Forschungsprogramm wie geplant fortsetzen. Der Streit könnte in Kürze im Uno-Sicherheitsrat diskutiert werden: Iran ist zweitgrößter Exporteur innerhalb der Opec. Dies macht den westlichen Industrienationen einmal mehr bewusst, dass sie den Großteil ihres Öls aus politisch unsicheren Regionen beziehen.

Ölpreis nahe 64 Dollar

Der Ölpreis notierte am Donnerstag erneut über der Marke von 64 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Analysten halten es für möglich, dass der Ölpreis in diesem Jahr die Marke von 70 US-Dollar, den Rekordstand von August 2005, erneut testet.

Dazu bedarf es nicht einmal neuer Naturkatastrophen wie im Herbst 2005, als Hurrikan "Katrina" im Golf von Mexiko einen Großteil der US-Förderanlagen beschädigte. Bereits die politischen Unsicherheiten in wichtigen Ölförderländern - neben dem Iran nennt Fondsmanager Craig Pennington von Schroders Investment den Irak, Venezuela und Nigeria - dürften bei steigender globaler Nachfrage die Preise auf einem hohen Niveau halten.

China wächst schneller - und braucht mehr Öl

"Wir gehen davon aus, dass sich die Steigerung der Nachfrage beschleunigt", sagte Pennington mit Blick Asien und China. China hat erst vor wenigen Wochen sein Bruttoinlandsprodukt für 2004 um knapp 18 Prozent nach oben korrigiert. Mit dem rascheren Wachstum wächst auch der Energiehunger: Seit mehreren Jahren geht der Netto-Ölkonsum großer Emerging Markets wie Indien und China rasant nach oben, so eine Studie der DWS.

Eine Beschleunigung des Wachstums dürfte eine weitere Nachfragesteigerung bei Öl zur Folge haben, ergänzt Pennington. "Wir gehen davon aus, dass die Ölpreise hoch bleiben, insofern sie die hohe Nachfrage der Schwellenmärkte sowie die Kapazitätsengpässe in der vor- und nachgelagerten Produktion widerspiegeln", so sein Fazit.

Welche Branchen die Zeche zahlen

Für die deutschen Schlüsselindustrien bedeuten die hohen Energiepreise Kosten in Milliardenhöhe. Die einzelnen Branchen werden jedoch unterschiedlich stark belastet, wie ein Vergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts ergab.

Die schwerste Last trägt die metallerzeugende und metallbearbeitende Industrie. Bei einem Produktionswert von rund 140 Milliarden Euro mussten die Metallbetriebe in Deutschland bereits im Jahr 2003 rund 5,1 Milliarden Euro für ihre Energierechnung bezahlen, so das Statistische Bundesamt.

Diese Summe dürfte in den Jahren 2004 und 2005 noch einmal deutlich gestiegen sein. Neben ihrem hohen Energieverbrauch beim Produktionsprozess stehen die Metallerzeuger zusätzlich vor dem Problem, dass sie hohe Energiepreise auf Grund des scharfen internationalen Wettbewerbs nicht ohne weiteres an ihre Kunden weitergeben können.

Gewinnkiller Ölpreis

Höhere Energiekosten schlagen damit direkt auf die Gewinne durch, so die Einschätzung des IW. Die Neigung, in weitere Produktionsstätten zu investieren, dürfte bei weiterhin hohen Energiekosten abnehmen.

Die chemische Industrie in Deutschland gab 2003 bei gleichem Produktionswert mit 4,1 Milliarden Euro rund 20 Prozent weniger für Energie aus als die Metallhersteller. Sie gilt ebenfalls als energieintensive Branche, hat aber im Vergleich zum Spitzenreiter bereits deutlich geringere Kosten.

Große Chemieunternehmen wie BASF  sichern sich zudem durch Beteiligungen an Energieunternehmen wie der BASF-Tochter Wintershall gegen steigende Energiepreise ab.

Autobranche und Maschinenbau: 1 Prozent Kosten

Für die Autohersteller und den Maschinenbau in Deutschland fällt die Bilanz schon besser aus. Sie haben einen Energiekostenanteil an der Jahresproduktion von unter 1 Prozent. Gemessen an der Jahresproduktionsleistung im Wert von knapp 310 Milliarden Euro bedeutete das, dass die deutschen Fahrzeugbauer im Jahr 2003 knapp zwei Milliarden Euro für Energie aufwenden mussten.

In der Maschinenbaubranche war der Kostenblock für Energie mit 1,3 Milliarden Euro noch geringer - die Energiekosten in der Metallindustrie sind viermal so hoch. Gleichzeitig lag der Wert der Jahresproduktion im Maschinenbau 2003 bei rund 162 Milliarden Euro und damit höher als in der Metallindustrie, was das Verhältnis zwischen Energiekosten und Produktionswert für die Maschinenbauer weiter verbessert.

Für Metallindustrie und Chemiebranche besteht jedoch Anlass zur Besorgnis. Die Preise für Öl, Gas und Strom sind seit der jüngsten Erhebung des Statistischen Bundesamts noch einmal kräftig gestiegen: Die Möglichkeit, im Produktionsprozess Energie zu sparen und auf diese Weise Kosten zu drücken, sind beschränkt.

Damit sind die hohen Energiepreise nicht nur für Verbraucher ein Ärgernis. Sie wirken für zahlreiche Unternehmen im gerade begonnenen Aufschwung immer stärker als Gewinnbremse. Nachdem die Gewinne der Dax-Unternehmen im vergangenen Jahr im Durchschnitt um mehr als 25 Prozent gestiegen sind, dürfte diese Gewinndynamik im laufenden Jahr wieder nachlassen.

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