Hafen-Streit Zwangspause für die Globalisierung

Hafenarbeiter haben am Mittwoch europaweit die Arbeit niedergelegt, um gegen die EU-Hafenrichtlinie Port Package II zu protestieren. Ihr Vorwurf: Das Papier ermögliche den Einstieg asiatischer Reedereien in europäische Häfen und gefährde tausende Arbeitsplätze in der Boombranche.

Hamburg - Tag und Nacht brummt es normalerweise im Hamburger Hafen. Die Folgen der Globalisierung und der Boom in China zeigen sich in der Schifffahrt besonders stark, denn der Umschlag in den Häfen wächst und wächst. Ganz anders sieht es am Mittwoch im zweitgrößten Hafen Europas und vielen anderen Seehäfen aus - kein Container soll für 24 Stunden mehr bewegt werden.

Viele Schiffe wurden angewiesen, langsamer zu fahren - sie werden sich im Laufe des Tages zwangsläufig vor den Häfen stauen. Bis zu 50.000 Hafenarbeiter werden europaweit demonstrieren, nachdem die Europäische Transportarbeiter-Föderation zu Protesten gegen die Hafenrichtlinie Port Package II aufgerufen hat.

Die Gewerkschaften kämpfen um tausende qualifizierter Hafenarbeitsplätze, da sie fürchten, asiatische Terminalbetreiber könnten sich in die Häfen einkaufen und wären dann nicht verpflichtet, den alten Mitarbeiterbestand zu übernehmen.

Über das Papier wird das Europäische Parlament Anfang nächster Woche abstimmen. Mit der Richtlinie will die EU-Kommission für mehr Wettbewerb zwischen den Häfen sorgen. Wird Port Package II umgesetzt, dann werden Hafenlizenzen ausgeschrieben und zeitlich begrenzt.

"In unser Folgenabschätzung zu Port Package II gehen wir von höheren Kosten für die Hafenbetreiber und damit auch für deren Kunden aus, hinzu kommen eine geringere Effizienz und ein Rückgang der Investitionen", kritisiert Burkhard Lemper vom Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) die geplante EU-Richtlinie.

"Uneinsichtigkeit einiger Brüsseler Abgeordneter"

"Uneinsichtigkeit einiger Brüsseler Abgeordneter"

Verdi-Sprecher Uwe Schröder erwartet einen totalen Stillstand im Hamburger Hafen und setzt dabei auf das Verständnis der Hafenbetreiber: "Ich rechne in dieser Sache mit keinen Repressionen gegen die Beschäftigten", sagt Schröder gegenüber manager-magazin.de.

Mit Beginn der Nachtschicht wurden in Hamburg die Terminals lahm gelegt. Die Arbeit an vier großen Containerterminals sei gegen Mitternacht niedergelegt worden, sagte ein Verdi-Sprecher. Auch die Frühschicht habe die Arbeit nicht aufgenommen. "Zu den Leidtragenden dieses Streiks gehören die Reeder mit finanziellen Einbußen, aber auch Hafenbetreiber wie HHLA und Eurogate, denen Konventionalstrafen drohen könnten", so Branchenexperte Lemper im Gespräch mit manager-magazin.de.

Die beiden Hafenbetreiber lehnen die Richtlinie zwar auch ab, bezeichnen den Aktionstag aber als unzulässig. "Wir verstehen die Sorgen unser Mitarbeiter, halten die Protestaktion aber für bedenklich. Wir bedauern, dass es auf Grund der Uneinsichtigkeit einiger Brüsseler Abgeordneter so weit kommen musste", so Eurogate-Sprecherin Corinna Romke gegenüber manager-magazin.de.

Mit dieser Kritik könnte auch Georg Jarzembowski (CDU) Berichterstatter im EU-Parlament, gemeint sein. Der Politiker fürchtet die Zurückweisung des Papiers im Plenum. Gegenüber der Nachrichtenagentur DPA sagte Jarzembowski, "die bestehenden Hafenunternehmen könnten dann weiter ohne Ausschreibung der Dienstleistungen mit den Städten und Regionen kungeln".

Im Tagesverlauf plant die Gewerkschaft Verdi in Hamburg weitere Aktionen in einem Streit, der sicher noch lange Zeit Thema Nummer eins in den europäischen Seehäfen bleiben wird.

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