Virus Vogelgrippe erreicht Ankara

In der türkischen Hauptstadt Ankara wurden nach Behördenangaben am Sonntag drei Menschen in einer Klinik positiv auf den gefährlichen Vogelgrippe-Virus vom Typ H5N1 getestet. Darunter sind zwei Kinder.

Schärfere Kontrollen gefordert

Ankara - Bei den in Ankara in einem Krankenhaus getesteten Menschen handele es sich um zwei Kinder und einen Erwachsenen, teilte der Stadtgoverneur Kamal Onal am Sonntag mit. Seinen Angaben zufolge handelt es sich um den gefährlichen H5N1-Typ, an dem im Osten der Türkei bereits mindestens zwei, vermutlich drei Kinder gestorben sind. Bei zwei weiteren Kindern ist dort ebenfalls H5N1 nachgewiesen worden. Die Todesfälle waren die ersten bei Menschen durch den gefährlichen Virusstamm außerhalb Südostasiens.Wie Behördenvertreter mitteilten, wurde das Virus auch bei toten Vögeln in zwei Dörfern an der Schwarzmeerküste entdeckt. Der Gouverneur der Region Zonguldak habe die beiden Dörfer in dem Montanindustrie-Gebiet unter Quarantäne gestellt, berichtet die Nachrichtenagentur Anatolia. Infektionen beim Menschen seien nicht aufgetreten.Tiere vorsorglich geschlachtetFast 1500 Tiere würden vorsorglich geschlachtet, kündigte der Gouverneur an. Die Türkei hatte jüngst mit Massenschlachtungen von Geflügel im Osten desLandes begonnen. Der türkische Gesundheitsminister Recep Akdag hatte am Morgen noch betont, dass es abgesehen von den nachweislich mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 infizierten Patienten in der Klinik der osttürkischen Stadt Van "in keinem anderen Teil des Landes starke Verdachtsfälle" gebe.In der Gegend um Dogubayazit, dem Heimatort der verstorbenen Geschwister, wurden schon etwa 30.000 Vögel vorsorglich getötet, wie der türkische Fernsehsender NTV am Sonntag berichtete. Viele Dorfbewohner wehrten sich nach Behördenangaben verzweifelt dagegen, weil sie ihre Lebensgrundlage bedroht sehen. Die Sorglosigkeit der Menschen im Umgang mit infiziertem oder potentiell infiziertem Geflügel gilt Experten derzeit als der Hauptgrund für die Übertragung des Virus' auf Menschen. Die türkische Regierung verstärkte ihre Informationskampagne, um die Menschen über die Gefahren einer Infektion aufzuklären. Die Jagd auf Vögel wurde landesweit verboten.Klaus Stöhr, der Chef des Influenza-Programmes der Weltgesundheitsorganisation WHO, hatte noch am Morgen in einem Interview gesagt, es gebe keine neuen Hinweise, dass das Virus sich von Mensch zu Mensch übertragen könne. "Das Gefahrenpotential hat sich nicht verändert", sagte Stöhr im NDR. Die Seuche sei in der Türkei offenbar schon viel länger verbreitet als angenommen. Ausgebreitet habe sie sich wegen eines unzureichenden Seuchenschutzes. Nach Stöhrs Angaben hat sich die Zahl der Verdachtsfälle bei Menschen in der Türkei auf 50 erhöht.Insgesamt geht die WHO nun von 146 bestätigten Infektionsfällen in Kambodscha, China, Indonesien, Thailand, der Türkei und Vietnam aus. 76 Menschen sind demnach gestorben. Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) kündigte am Wochenende an, wenn die Regierung in Ankara es wünsche, reisten sofort Virologen des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit von der Insel Riems in das südeuropäische Land. Die Wissenschaftler könnten helfen, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen und zu bekämpfen. Derweil wird in Deutschland der Ruf nach besseren Grenzkontrollen und einer erneuten Stallpflicht lauter.Um eine Einschleppung der Erkrankung zu verhindern, plädierten Experten für verstärkte Vorsichtsmaßnahmen. "Wir brauchen schärfere Kontrollen aller Reisenden aus den Risikogebieten", sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl. Er betonte: "An den Flughäfen muss stärker kontrolliert werden, aber auch Bahnhöfe und Lkw-Transporte müssen schärfer von Polizei und Zoll untersucht werden."Illegal eingeführte Lebensmittel seien die größte Gefahrenquelle, warnte der Direktor der Vogelklinik der Universität Gießen, Erhard Kaleta. Er fügte hinzu: "Wir machen am Frankfurter Flughafen bereits 24 Stunden am Tag stichprobenartige Kontrollen." Aber das reiche nicht aus. Der Leiter der Tierseuchenbekämpfung am hessischen Umweltministerium, Thomas Fröhlich, appellierte an die EU-Kommission, "die Kontrollen an den anderen europäischen Flughäfen zu erhöhen und auch die Außengrenzen besser zu prüfen". Auch nach Einschätzung der Bundesärztekammer müssten an den Flughäfen engmaschige Kontrollen bestehen. Präsident Jörg-Dietrich Hoppe forderte: "Wir müssen uns auf den Tag X vorbereiten, an dem die Vogelgrippe auch hierzulande festgestellt wird.""Bei milden Temperaturen kann der Vogelzug nach Deutschland schon innerhalb der nächsten Wochen einsetzen. Darauf müssen wir reagieren können", sagte er.

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