Gasstreit Zwischenhändler im Zwielicht

Wieder einmal ist es der steuergünstige Schweizer Kanton Zug, der in einem internationalen Konflikt eine wichtige Rolle spielt. Dort sitzt die Handelsfirma Rosukrenergo, die im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine als Zwischenhändler auftritt.

Zug/Genf - Nach der jüngsten Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine soll Rosukrenergo in den nächsten fünf Jahren zwischen 51 und 62 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland und vor allem aus Turkmenien an die Ukraine verkaufen.

Das Unternehmen, das über zwei in Wien registrierte Gasfirmen dem russischen Gasproduzenten Gazprom  gehört, soll die Mischkalkulation zwischen 95 Dollar, die die Ukraine zahlen will, und dem russischen Preis von 230 Dollar managen. Die Differenz soll mit deutlich billigerem Gas aus Zentralasien ausgeglichen werden.

Die Mitte 2004 im Steuerparadies Zug gegründete Firma hat nur einen Aufsichtsrat, den Juniorchef der Finanzberatungsfirma Haussmann und Partner in Zürich. Lars Haussmann gibt zur Rosukrenergo keine Auskünfte. Der österreichische Firmenvorstand der Beteiligungsfirma Centragas, Wolfgang Putschek, wird vom "Tages-Anzeiger" mit dem Hinweis zitiert, die Zahlungen für die Gaslieferungen gingen ausschließlich über Wiener Konten, weil die Ukrainer dies so wollten.

Centragas, über dessen Eigentümerschaft in der Öffentlichkeit keine Klarheit besteht, ist neben Agrosgas zur Hälfte an Rosukrenergo beteiligt. Und Rosukrenergo gehe auch davon aus, dass das Unternehmen trotz des niedrigen Verkaufspreises Gewinn machen werde, sagte Putschek.

Spekuliert wird deshalb, dass Gazprom und die Ukraine Teile ihres Geschäftes an die Rosukrenergo abgeben, indem Erdgas in Zentralasien günstig gekauft und teuer an Europa weiterverkauft wird. Diese Gewinne könnten das Verlustgeschäft mit der Ukraine quersubventionieren, schreibt etwa die "Neue Züricher Zeitung".

Rosukrenergo war seit Sommer 2005 für den Transport von turkmenischem Erdgas in die Ukraine verantwortlich. Die ukrainische Staatsanwaltschaft soll in diesem Zusammenhang im vergangenen Sommer Ermittlungen gegen die Schweizer Firma aufgenommen haben, weil die Besitzverhältnisse unklar seien, hieß es in Medienberichten.

Ebenfalls im Schweizer Kanton Zug ist auch die deutsch-russische Northern European Gas Pipeline Company (NEGP) ansässig, die eine Pipeline von Russland nach Europa bauen will. Dort will sich auch Altkanzler Gerhard Schröder engagieren, wobei noch offen ist, in welcher Position. Bisher gibt es auch noch keinen Beschluss, ob der Betrieb der Pipeline sowie der Gashandel operativ von Zug aus geleitet werden. Der russische Gas-Monopolist Gazprom dominiert das Pipeline-Konsortium.

Heinz-Peter Dietrich, DPA

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