Michael Glos "Gutes Geld für gute Arbeit"

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und der Wirtschaftsweise Peter Bofinger haben für höhere Löhne geworben. Lohnabschlüsse seien zwar Sache der Tarifparteien. Die Binnenkonjunktur sei jedoch darauf angewiesen, dass es "für gute Arbeit gutes Geld" gebe.

Berlin - "Die Menschen müssen (...) für gute Arbeit gutes Geld verdienen und es dann auch ausgeben können", sagte Glos der "Bild"-Zeitung. Eine hohe Kaufkraft kurbele auch die Binnenkonjunktur an, sagte er mit Blick auf die Tarifabschlüsse 2006. Davon könne unter anderem der Einzelhandel profitieren.

Wesentliche Teile der deutschen Wirtschaft wie Einzelhandel und Handwerk seien auf kaufkräftige Nachfrage angewiesen. Gleichzeitig unterstrich der Minister aber, die Verhandlungen seien "Sache der Tarifparteien". Besonders in der Metallindustrie stehen im kommenden Jahr harte Tarifauseinandersetzungen an.

Mit Blick auf die Konjunktur sieht Glos bereits erste Anzeichen für einen "Merkel-Aufschwung". "Wir bauen unsere Position als Exportweltmeister weiter aus", betonte der CSU-Politiker. Die Experten trauten der großen Koalition unter Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) offenbar zu, "dass der Aufschwung auch im Inland Fuß fasst". Wenn sich die Bürger von dieser Zuversicht anstecken ließen, werde auch der Inlandskonsum wieder zunehmen. Und wenn der Aufschwung richtig laufe, "gehen auch die Arbeitslosenzahlen zurück", so Glos.

Kritik von HDE und Verdi

Der Sprecher des Einzelhandelsverbands HDE, Hubertus Pellengahr, warnte, höhere Löhne könnten womöglich zum Abbau von Arbeitsplätzen führen. Das sei nicht gut für den Einzelhandel: "Wir brauchen mehr sozialversicherungspflichtige Jobs", unterstrich Pellengahr. Die Konsumbremse werde erst gelöst, wenn die Angst um Arbeitsplätze nicht mehr überwiege.

Auch die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Glos-Äußerungen: "Die Schlussfolgerung ist richtig, nur das politische Handeln lässt zu wünschen übrig", sagte der für Tarife zuständige Bundesvorstand Kurt Martin.

Die öffentliche Hand lange ihren Beamtinnen und Beamten "kräftig in die Tasche", sagte er mit Blick auf die jüngsten Gehaltskürzungen. Martin kritisierte insbesondere die Pläne der großen Koalition, im Rahmen der Föderalismusreform das Beamtenrecht wieder zur Ländersache zu machen. Jedes Land wäre dann frei, die Bezüge im öffentlichen Dienst zu senken.

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