Finanzinvestoren Wird Märklin verkauft?

Die Eisenbahnanlage - das ist eine heile Welt, in der man selbst entscheidet, wann die Züge fahren, und in der es für Finanzinvestoren keine Figürchen gibt. Mehrere Investoren planen aber nun die Übernahme des schwäbischen Traditionsherstellers Märklin, erfuhr manager-magazin.de exklusiv.
Von Klaus Boldt

Göppingen - Märklin, der größte Modelleisenbahn-Hersteller der Welt, steht offenbar zum Verkauf. Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, haben Finanzinvestoren ihre Fühler ins Schwäbische ausgestreckt und ihren Appetit sowohl wie ihr Interesse an einer Übernahme des Göppinger Traditionshauses energisch angemeldet. Die Marke genießt Kultstatus und übt seit Jahren eine magnetische Wirkung auf Firmenjäger aus.

Erste Gespräche finden dieser Tage statt, offenbar unter der Leitung des ehemaligen WMF-Chefs und heutigen Märklin-Beirats Rolf Allmendinger; bei einer Stuttgarter Wirtschaftskanzlei, berichten Teilnehmer, sei ein Datenraum zur Prüfung der Märklin-Bücher eingerichtet worden. Noch im ersten Quartal 2006 könnte die Firma ihren Besitzer wechseln.

Unternehmenschef Paul Adams (47) will Verkaufsabsichten weder bestätigen noch dementieren: "Zu Gerüchten nehmen wir keine Stellung."

Knuffig: Nebenbahnlokomotive Baureihe E 69 der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft

Knuffig: Nebenbahnlokomotive Baureihe E 69 der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft

Foto: Märklin
Nützlich: Hochbordwagen E 040 der Deutschen Bundesbahn

Nützlich: Hochbordwagen E 040 der Deutschen Bundesbahn

Foto: Märklin
Gewaltig: Dampflokomotive

Gewaltig: Dampflokomotive

Foto: Märklin
Niedlich: Rangierlok mit Lorenkipper für Einsteiger

Niedlich: Rangierlok mit Lorenkipper für Einsteiger

Foto: Märklin
Modern: Güterlok der Reihe 659 der Österreichischen Bundesbahnen

Modern: Güterlok der Reihe 659 der Österreichischen Bundesbahnen

Foto: DPA
Königlich: Dampflok der Königlich Bayrischen Staatsbahn

Königlich: Dampflok der Königlich Bayrischen Staatsbahn

Foto: DPA
Königlich mit Anhang: Modell der Schnellzuglokomotive 54562

Königlich mit Anhang: Modell der Schnellzuglokomotive 54562

Foto: DPA
Fasziniert: Besucher der Modellbahn-Ausstellung in Köln

Fasziniert: Besucher der Modellbahn-Ausstellung in Köln

Foto: DPA




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Bankkaufleute der Region indes lassen unter Seufzern vernehmen, dass sie gegen einen Verkauf des legendären Unternehmens an finanzkräftige Investoren weiß Gott nichts einzuwenden hätten: Märklin stehe, wie es intern heißt, mit mindestens 60 Millionen Euro in den Schuldbüchern, wobei der Verschuldungsgrad infolge des saisonalen Geschäfts stark schwanke. Die größten Gläubiger seien die Landesbank Baden-Württemberg und die Kreissparkasse Göppingen mit geschätzten 25 beziehungsweise 20 Millionen Euro sowie die Volksbank Göppingen, die DZ Bank und die Commerzbank mit jeweils rund fünf Millionen Euro.

Stellenabbau und qualmende Bilanzen

Stellenabbau und qualmende Bilanzen

Seit einigen Jahren schon befindet sich Märklin in keinem Zustand, der mit dem Attribut florierend treffend bezeichnet wäre, wenngleich 2002 der Umsatz noch einmal auf seither unerreichte 170,5 Millionen Euro gestiegen war: Konsumflaute und Billigkonkurrenz aus Fernost trüben nachhaltig die Stimmung, der rückläufige Spielzeugmarkt und das seit langem von PCs und Gameboys geprägte Freizeitverhalten junger und alter Spielfreunde machen den Schwaben die Geschäfte sauer.

In den vergangenen zwei Jahren musste der Weltmarktführer 600 von gut 2000 Stellen im In- und Ausland abbauen. Die Restrukturierung, heißt es im Hause, komme gut voran, und man legt Wert auf die Feststellung, dass die Unabhängigkeit von Märklin auch aus eigener Kraft gesichert werden könne. Doch offenbar ist der Glaube daran nicht bei allen Gesellschaftern, im Wesentlichen die Familienstämme der Gründergeneration, gleichermaßen ausgeprägt.

Wenig Grund zur Zuversicht bietet auch der aktuelle Geschäftsverlauf: Die Erlöse sinken in diesem Jahr, internen Quellen zufolge, auf womöglich gar 110 bis 120 Millionen Euro. 2003 hatte er noch 164 Millionen Euro betragen. Seither zieht Märklin es vor, keine Geschäftsberichte mehr zu veröffentlichen.

Monument deutscher Industriegeschichte

Monument deutscher Industriegeschichte

Dabei verbindet sich mit Märklin eine mehr als 140-jährige Erfolgsgeschichte. 1859 gegründet, baute man in Göppingen zunächst Puppenküchen und Zubehör. 1891 wurde die erste Modellbahn vorgestellt. Sie wurde von einem Uhrwerk angetrieben, da es in den wenigsten Privathaushalten elektrischen Strom gab.

Die Modellbahnfabrikation in Göppingen mutet an wie ein Monument deutscher Industriegeschichte. Bis heute werden die Loks und Waggons in Handarbeit gefertigt, die meisten im Maßstab 1:87, nach Originalplänen der Vorbilder. Dazu werden die Rohformen aus einer Zinklegierung gegossen, mit bis zu 300 Einzelteilen ausgestattet, verkupfert und lackiert.

Kein Wunder, dass die Märklin-Produkte auch preislich zu den edleren Modellen in den Hobbyräumen zählen. Überraschend kam daher in diesem Jahr der Schritt, ein Märklin-Starterset beim Lebensmitteldiscounter Penny für 79,95 Euro zu verkaufen: Gleisoval, Trafo, Dampflok und zwei Güterwagen. Das Schnäppchen ist eng mit dem Fachhandel abgestimmt und sollte den Kunden die Entscheidung fürs Märklin-System erleichtern, das sie dann später mit teuren Ergänzungskäufen erweitern.

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