AEG-Chronik Niedergang einer Weltmarke

„AEG - Aus Erfahrung gut“ - mit diesem Slogan warb der Nürnberger Hausgerätehersteller jahrzehntelang für seine Produkte. Kritiker haben das Kürzel längst in „Ausverkauf einer Gesellschaft“ umgemünzt. Gegründet wurde das Unternehmen bereits 1883.

Nürnberg - Begonnen hatte alles mit dem Erwerb der Edison-Patente für Deutschland durch Emil Rathenau und der Gründung der Deutschen Edison-Gesellschaft (DEG). 1887 erfolgte die Umbenennung in Allgemeine Electricitätsgesellschaft: Die AEG war geboren.

Zum Logo wurde die "Göttin des Lichts", ein barbusiger Engel, der in der damaligen Zeit einen Skandal heraufbeschwor. AEG wuchs in der Zeit der Elektrifizierung und Industrialisierung rasend schnell. 1914 war sie von einem Glühlampenhersteller zu einem der größten Konzerne der Welt mit 66.000 Beschäftigten geworden.

Im Ersten Weltkrieg war AEG einer der großen deutschen Rüstungslieferanten, fand danach aber nicht mehr den Weg zu ursprünglicher Dynamik. "Vielmehr tanzte die AEG wie ein Korken auf den Wellen konjunktureller Schwankungen", schreibt Peter Strunk in dem Buch "AEG - Aufstieg und Niedergang einer Industrielegende".

Im Jahr 1922 wurde das Nürnberger Werk gegründet. Die Weltwirtschaftskrise brachte den Konzern an den Rand der Zahlungsunfähigkeit, nur mühsam gelang die Sanierung. 1941 übernahm AEG die Telefunken.

Erfolg auf Pump

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang dem Unternehmen trotz Demontagen und Enteignungen ein rascher Wiederaufbau - man wollte mit dem großen Konkurrenten Siemens  gleichziehen. Doch bezahlt wurde der Erfolg mit Krediten.

Fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann die Produktion von Kühlgeräten. 1958 stieg AEG in die Atomenergie ein. Im gleichen Jahr startete die Fertigung von Waschvollautomaten ("Lavamat"). Eine weitere wichtige Station war die Gründung der Kraftwerks-Union (KWU) durch AEG und Siemens (je 50 Prozent) im Jahr 1968.

Schwere Managementfehler

Schwere Managementfehler

Im Jahr 1970 stand AEG-Telefunken an 12. Stelle in der Weltrangliste der größten Elektrounternehmen und beschäftigte weltweit 178.000 Mitarbeiter. Doch die niedrige Eigenkapitalquote und die hohe Verschuldung bedrohten den Konzern.

Ölpreisschock und Konjunktureinbruch, verbunden mit schweren Managementfehlern, stürzten das Unternehmen ab 1974 in die Krise. Riesige Verluste führten zu häufigen Chefwechseln und Notverkäufen. 1982 beantragte AEG-Telefunken das gerichtliche Vergleichsverfahren. Der Konkurs konnte mit Hilfe der Banken jedoch abgewendet werden.

Nun hätte es "eines großen Kraftaktes bedurft, einer radikalen Bereinigung des Portfolios", schreibt AEG-Chronist Strunk. Doch der damalige Chef Heinz Dürr wollte den Konzern erhalten. Sein größter Coup gelang ihm mit dem Einstieg von Daimler-Benz 1985. AEG schien gerettet und ging weltweit erneut auf Einkaufstour: Automatisierungstechnik, Mikroelektronik, Schienenverkehrstechnik. "Ziel war es, wieder Anschluss an technologisches Spitzenniveau zu gewinnen", schreibt Strunk.

Doch viele Bereiche waren zu klein für den Weltmarkt und machten hohe Verluste. Letztlich scheiterte der Versuch, einen Technologiekonzern zu schmieden, grandios. 1990 schied Dürr aus.

1994 stieg Electrolux ein

Unter Nachfolger Ernst Georg Stöckl wurden eine Reihe von Unternehmensbereichen abgestoßen. Der Aufsichtsrat beschloss das Konzept der "AEG Daimler-Benz Industrie" und eine Beschränkung auf wenige Felder. Der Electrolux-Konzern übernahm 1994 die Sparte Hausgeräte und damit auch das Traditionswerk in Nürnberg.

Wenig später kam das Ende der AEG. 1995 beschloss Daimler-Benz den Ausstieg aus dem Bahngeschäft. In den folgenden Monaten wurden die Bereiche Energietechnik und Automatisierungstechnik verkauft.

Am 17. Januar 1996 beschloss der AEG-Aufsichtsrat die Verschmelzung der AEG auf Daimer-Benz. Der Konzern wurde abgewickelt. 1999 wurde die einstige AEG-Hauptverwaltung in Frankfurt gesprengt. Überlebt hat nur das berühmte Markenzeichen "AEG".

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